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Free-to-Play: Die dunkle Seite der Gratiskultur

18.08.2012 | 17:57 |  von Daniel Breuss (Die Presse)

Immer öfter geraten Free-to-Play-Angebote auf den Markt. Das Online-Rollenspiel "Star Wars: The Old Republic" schwenkt auch darauf um. Mit der Tiefe von Premium-Titeln können die Gratisspiele nicht mithalten.

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Eigentlich musste das Entwicklerstudio Bioware eine herbe Niederlage eingestehen. Die Spielerzahlen seines Vorzeige-Onlinespiels „Star Wars: The Old Republic“ sinken, nicht einmal mehr eine Million Menschen wollen monatlich die Welt der Jedi-Ritter und Sith besuchen. Der Ausweg: Zusätzlich zum Monatsabo wird es eine kostenlose Option für Interessenten geben – und die Hoffnung für die Macher, dass über die Free-to-Play-Variante doch noch neue Kunden für die Bezahlversion angelockt werden können.

Electronic Arts, Biowares strategischer Vertriebspartner, weitet das Konzept nun aus. Die altehrwürdige Echtzeitstrategie-Reihe „Command & Conquer“ soll mit dem Titel „Generals 2“ wiederbelebt werden. Auch hier soll das gesamte Spiel kostenlos angeboten werden. Ob es auch eine Bezahlversion geben wird oder sich das Spiel nur durch Zusatzkäufe finanzieren soll, ist noch unbekannt.


Rettungsanker. „The Old Republic“ ist nicht das erste Online-Rollenspiel, das über eine Gratisversion die Notbremse zu ziehen versucht. Das ambitionierte Online-Actionspiel „All Points Bulletin“ versagte mit dem klassischen Bezahlmodell, das Entwicklerstudio dahinter musste zusperren. Ein Jahr später stand das Konzept unter dem Namen „APB: Reloaded“ wieder von den Toten auf, diesmal als Free-to-Play-Spiel. Es ist immer noch verfügbar, fristet aber ein Nischendasein.

Im Gegensatz zu „APB: Reloaded“ und „Star Wars: The Old Republic“ wurde „World of Tanks“ von Anfang an als Gratisspiel konzipiert. Tausende Spieler können gleichzeitig in diversen Panzern um den Sieg kämpfen. Am 23.Jänner 2011 erhielt das Spiel einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde. 91.311 Spieler befanden sich zur gleichen Zeit auf demselben Server. Der Rekord wurde im April diesen Jahres sogar noch mit mehr als 100.000 Teilnehmern übertroffen.


Extras kosten. Das Konzept aller Free-to-Play-Titel ist gleich. Das Basisspiel ist kostenlos, aber wer ein bestimmtes Stück einer Ausrüstung möchte oder schneller im Spiel voranschreiten will, muss zahlen. Ähnliches praktizieren viele Hersteller schon seit Längerem unter dem Stichwort „Downloadable Content“ (DLC). Das (oft teure) Spiel wird um bestimmte Elemente erweitert, oder man erhält etwa eine neue Rüstung für seinen Krieger oder ein spezielles Sturmgewehr für den Fronteinsatz. Andere Spiele, wie das hochgelobte „Mass Effect 3“, machen es subtiler. Spieler können sich neue Ausrüstungsgegenstände durch erfolgreich absolvierte Multiplayer-Missionen freischalten. Wer aber für ein paar Euro Punkte einkauft, kann sich die Gegenstände einfach so herunterladen.

Der Erfolg von Free-to-Play ist auch ein Effekt der durch „Geiz ist geil“ geprägten Generation. Nicht nur Spiele, auch legale Musikangebote werden kostenlos angeboten. Wäre das nicht der Fall, würden viele wohl auf eine der diversen Tauschbörsen ausweichen und sich ihre Inhalte eben dort kostenlos herunterladen.

Die Gefahr für die Spielebranche ist nur, dass mit den Gratistiteln auch mehr Durchschnittsware auf den Markt kommt. Keines der genannten Free-to-play-Spiele führt Kritiker-Hitparaden an. Für einen eher geringen erwartbaren Ertrag legen sich die Entwickler dann auch nicht so sehr ins Zeug. Mit der Tiefe von Premium-Titeln können die Gratisspiele nicht mithalten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.08.2012)

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13 Kommentare
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League of Legends

Schade, dass League of Legends nicht namentlich erwaehnt wird.
Dieses Free-to-play game hat es geschaft im e-sport rang und namen zu gewinnen und hat sogar einen enorm hohen werbewert bei preisgeldern im fuenfstelligen bereich.

lg

Gast: Daniel82
20.08.2012 03:07
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Das "Problem" ...

Sehr geehrter Herr Breuss,

... an Free 2 Play Spielen ist doch nicht der fehlende Wille/das fehlende Engagement der Entwickler, so wie Sie es in diesem Artikel dargestellt haben.

In der Basis kostenlose Spiele gibt es, hier in Europa jedenfalls, schon seit fast 10 Jahren. Zuerst wurden diese mit kleinen Budgets von kleinen Entwicklungs-Studios kreiert, oder sie wurden aus Asien importiert.

Die dort vorherrschende Spielmentalität ist für das Free 2 Play Konzept wie geschaffen. Es werden wie am Fließband neue Billigproduktionen auf den Markt geworfen, die zu weiten Teilen noch unvollständig sind. Wenn sich ein Spiel finanziell behaupten kann, wird an einer Erweiterung entwickelt, möglichst noch bevor sich die gut zahlenden Spitzenspieler langweilen. So lange diese tragenden Spieler dazu bereit sind, regelmäßig in den Cash-Shops einzukaufen, kümmert sich der Betreiber auch um die stetige Weiterentwicklung und erhält über die Lizensierung an internationale Publisher auch noch einen feinen Bonus.

Dieser Modus Operandi funktioniert schon seit Jahren gut. Daraus besteht auch die breite Masse an bisher verfügbaren Free 2 Play Titeln. Die im Artikel erwähnten Spiele wie Star Wars The Old Republic oder All Points Bulletin kann man damit überhaupt nicht vergleichen!

Mein Fazit lautet wie folgt:bisher hat noch kein westlicher Publisher ernsthaft versucht, ein F2P Spiel zu entwickeln. Lassen wir uns überraschen, was daraus werden kann. Nun sehen sie darin ja die Zukunft!

Gast: gast11
19.08.2012 12:32
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kostenlos - nicht umsonst

"Mit der Tiefe von Premium-Titeln können die Gratisspiele nicht mithalten."

sagt wer? - die industrie?

anhand des genannten beispiels SWTOR kann man wohl eindeutig erkennen, dass dem nicht so ist.

der preis eines spieles ist leider kein qualitätsmerkmal. war es nie, ist es nicht und wird es niemals sein...


Gast: Falala
19.08.2012 11:52
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Also...

... es ist schon einige Zeit her, daß ein RPG auf dem Markt gekommen ist, das die Bezeichnung Premiumtitel verdient.

In anderen Sparten sieht es auch nichr besser aus.
Keine neuen Ideen, Story dünn und vorhersehbar, nur in neue Grafik wird investiert und dann wird gehofft, daß das optische Klimbim die Schwächen überdeckt.

Ich würde gerne und ohne zu zögern 50€+ für ein neues Spiel ausgeben wenn ich nur eines fände, dem ich zutrauen würde, mich auch wirklich zu unterhalten.

Antworten Gast: gw2
19.08.2012 19:55
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Re: Also...

Schau dir mal guild wars 2 an! kommt ende august und klingt sehr vielversprechend!

Gast: Johan C.
19.08.2012 11:11
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Online-Games...

als Ersatz für das eigene Leben in der realen Welt.

Vielleicht, weil man mit dem eigenen Leben unzufrieden ist?

Wofür stundenlang im Internet hängen und virtuelle Schlachten führen, in die man nicht mal selbst eingreifen kann, weil ja jeder Computer besser strategisch arbeiten kann als der Mensch?

Anstatt mit den Menschen in seinem Umfeld zu reden und Spaß zu haben - einfach zu "leben", lebt man ein "Second Life" in irgendeiner Rolle.

Das sind genau die Menschen, die in ihrem Leben hängen bleiben. Ich habe selbst solche Bekannte - manche schaffen es, irgendwann zu erkennen, was diese synthetische Welt wirklich wert ist. Und manche blockieren sich dadurch - ohne Ende.

Da lernte ich z.B. mal einen in Counterstrike kennen, der Profi-Spieler war - Headshots aus dem Laufen mit dem Sniper Rifle auf 250m Distanz. Ich fragte ihn dann, wie er das schafft. Er antwortete: "Das ist alles nur Training, und ich hab ja Zeit genug - ich bin im Harz-4."

Online-Gaming = Sackgasse im Leben!

Noch Fragen?

Antworten Gast: Zweifel tut not
19.08.2012 14:14
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Re: Online-Games...

Ihr utiliaristischer Ansatz greift zu kurz. Es tut mir leid für sie daß sie beim Spielen keinen Spaß hatten. Aber deswegen andere Leute runterzumachen die dabei Spaß haben finde ich fies!
Das Klischee von dem Looser, dem arbeitslosen Nerd könnte falscher nicht sein!
Übrigens Gesellschaft - meine Freundesgruppe und ich spielen oft stundenlang und sind über Skype (oder Temaspeak) verbunden! Wohl kaum das einsame Vergnügen das sie darstellen!

Antworten Gast: jetzmusiaamoiwossogn
19.08.2012 13:57
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Re: Online-Games...

sie zäumen das pferd von hinten auf,
nur loser spielen am computer?
schwachsinn
das leben macht leute zu losern
und diese ziehen sich dann zurück
das game erfüllt also einen therapeutischen zweck

der einzige loser hier sind sie!


Antworten Antworten Gast: Johan C.
19.08.2012 22:05
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Re: Re: Online-Games...

Der springende Punkt ist nicht das "Ob", sondern das "Was".

Es macht bekanntlicherweise keinen Sinn, ein Online-Game "nur so ab und zu zur Entspannung" zu spielen. Damit was weitergeht, muß man echt Zeit investieren, und manchmal sogar Geld (siehe Ebay, wo man Waffen etc. für bares Geld kaufen kann...). Man _muß_ Mitglied eines Clan sein, denn alleine hat man es schwer oder es wird gar unmöglich.

DAS ist der Unterschied zu einem "normalen" Spiel wie "Need for Speed" oder "Call of Duty" oder "Colin McRae Dirt"...

Pay-to-play

war eigentlich immer meine Devise. Ein für jeden überschaubarer Pauschalbetrag bei absoluter Chancengleichheit im Spiel.

Von pay-to-win habe ich schon im RL genug...

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Aufstieg....

und - vor allem - Fall eines WOW-Klons.
Bleibt zu hoffen, dass SWTOR EA mit in den Abrund reisst, dann hätte die Sache wenigstens etwas Gutes...

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Re: Aufstieg....

Worin genau liegt der Nutzen der Allgemeinheit, oder im speziellen für sie persönlich, wenn irgendetwas "EA in den Abgrund reißt"?

Gast: Zweifel tut not
18.08.2012 23:37
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Es gibt auch Hybrid-Modelle.

Guildwars 2 zum Beispiel punktet mit einer einmaligen Bezahlung. Hat aber dann trotzdem ein Micropayment System.
Ich kenne Leute die für ihr Runes of Magic Spiel hundert € im Monat ausgeben nur um die neuesten skins für Rüstungsteile zu haben. Das sind dann die männlichen Spieler deren Chas so eine Figur wie Dolly Buster haben!