Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir sind allein im Universum – oder wir sind es nicht. Beide sind gleichermaßen verstörend.“ Mit dem Zitat von Arthur C. Clarke hebt Firaxis bei „XCOM: Enemy Unknown“ an, dem vergangene Woche erschienenen Remake des 1994er-Klassikers „UFO: Enemy Unknown“.
Ob das eine gute Wahl ist? Mit dem Welt(all)bild des Autors von „2001: A Space Odyssey“, bei dem fremde Welten und Wesen der Menschheit verheißungsvoll offenstehen, hat „XCOM“ wenig am Hut. Die Aliens hier sind die unheimlichen Bösewichte, die man seit Wells „War of the Worlds“ aus hunderten B-Movies kennt; technisch überlegene, völlig skrupellose Invasoren, deren Motive für Entführungen und Bombardements bis zuletzt rätselhaft bleiben. Der „unbekannte Feind“ aus dem Untertitel des Spiels eben.
Kämpfe mit Aliens und Budgets. Der Spieler schlüpft hier in die Rolle des Chefs einer internationalen Militärorganisation, die flugs von der UN ins Leben gerufen wurde, um auf eine Alien-Invasion zu reagieren. Da das aber nicht die fiktive Wir-haben-uns-alle-lieb-Zukunft von „Stark Trek“ ist, gilt es nicht nur, sich in – erfreulicherweise rundenbasierten – Kampfeinsätzen gegen die Aliens zu bewähren, sondern sich auch mit allerlei menschlichen Problemen herumzuschlagen: Die dauernde Budgetnot der XCOM ist ein mindestens so gefährlicher Gegner wie die schwer bewaffneten E.T.-Klone.
Daraus ergibt sich das Erfolgsrezept, mit dem sich schon das 1994er-„UFO“ in die Videospiel-Hall-of-Fame geschrieben hat: Einen Teil des Spiels macht die taktische Simulation von Einsätzen gegen vielfältige Aliengegner aus, den anderen ein (simples) Managementspiel, bei dem es darum geht, mit immer knappen Ressourcen – die Gebernationen zeigen sich trotz bevorstehenden Weltuntergangs knausrig – Soldaten, Waffen und Forschung zu finanzieren, um mit den hochgerüsteten Aliens mithalten zu können.
Dass bei einem Remake eines echten Klassikers, den so mancher PC-Veteran wohl noch immer installiert hat, vieles schiefgehen kann, hat erst im Februar die lieblose Neuinszenierung von „Syndicate“ als Shooter gezeigt (die, parallel zu dem Taktikspiel, auch für „XCOM“ vorgesehen ist). Dieses Schicksal hat Firaxis – die „Civilization“-Macher haben mit „XCOM“ ihr erstes Produkt vorgelegt, das Designerguru Sid Meier nicht im Titel trägt – vermieden: Auch wenn viele Features von „UFO“ ausgespart wurden (der Bau mehrerer Basen, Aktionspunkte und aufwendige Lagerverwaltung), bleibt das Spiel den Grundelementen des Spiels treu und bringt sie technisch auf heutigen Stand.
So wirken die Aliens trotz cartoonartiger Aufmachung angemessen unheimlich – die Chrysaliden, die ihre Opfer in Zombies verwandeln, aus denen nach einigen Runden neue Feinde schlüpfen, sind nach wie vor Stoff für Albträume. Außerdem ist das Spiel angenehm gestrafft, sodass die Suche nach einem letzten, versteckten Gegner nicht mehr Stunden dauert.
Ebenfalls gut gelungen ist das Rollenspielelement, das erlaubt, Soldaten Namen zu geben (Arbeitskollegen, Freunde, Verwandte bieten sich an) und ihnen spezielle Fähigkeiten zuzuweisen. So schmerzt jeder einzelne Verlust – und solche sind unvermeidlich, der Schwierigkeitsgrad liegt hoch.
Ein Tipp: Das ist ein Spiel, das für den „Iron Man“-Modus wie gemacht ist. Dieser erlaubt Speichern nur beim Beenden des Spiels und verhindert so, dass bei jedem kleinen Rückschlag neu geladen werden kann. In dieser Variante wird jeder Einsatz zur Zitterpartie, jede Mission kann den Krieg um die Erde kippen lassen. Wären wir doch nur allein im Universum...
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2012)
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