Playstation 4 soll Sony zurück ins Spiel bringen

21.02.2013 | 16:39 |  Von Daniel Breuss (DiePresse.com)

Die neu vorgestellte Spielkonsole soll dem angeschlagenen Konzern aus der Verlustzone helfen. Der milliardenschwere Videospielemarkt hat sich in den vergangenen Jahren aber grundlegend verändert.

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Mit großem Getöse hat der japanische Unterhaltungselektronik-Spezialist Sony seine neue Spielkonsole Playstation 4 angekündigt. Dank hoher Grafikleistung und Social-Media-Elementen soll sie den in die Verlustzone geratenen Konzern zumindest im Milliardenmarkt der Videospiele wieder nach vorn bringen. Sony sorgte aber bei der Präsentation in New York, zu der Journalisten aus aller Welt gekarrt wurden und die per Livestream auch im Internet übertragen wurde, gleich für Enttäuschung: Das Gerät selbst wurde nicht gezeigt. Nur eine neue Variante des Steuergeräts (Controller) sowie eine Vielzahl an Spieleankündigungen hatte Sony parat.

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Die Playstation 4 bei der Vorstellung selbst nicht zu zeigen sorgte für Spott bei Hauptkonkurrenten Microsoft. Larry Hryb vom Xbox-Team ätzte unter seinem Pseudonym Major Nelson auf Twitter: „Eine Konsole ankündigen ohne tatsächlich eine Konsole zu zeigen? Auch ein Ansatz." Sony wollte wohl seinem im Spielebereich größten Rivalen zuvorkommen, hatte aber nicht aus dessen Fehlern gelernt. Im Jänner 2010 pries Microsoft-Chef Steve Ballmer die Vorzüge von Windows-Tablets an, obwohl es manche Geräte noch nicht einmal gab oder es nie zur Marktreife schafften. Alles nur, um der Vorstellung von Apples iPad zuvorzukommen. Und alles ohne Erfolg, wie Apples Siegeszug auf dem Tablet-Markt zeigte.

Konkurrenz von Microsoft und Nintendo

Der Vorstellungs-Fauxpas Sonys hat jedoch triftige Gründe: So haben die Japaner ein konkurrenzfähiges Zugpferd dringend nötig. Das Unternehmen schloss die vergangenen fünf Jahre immer im Minus ab. Im jüngst abgelaufenen dritten Geschäftsquartal machte der Verlust umgerechnet 84,6 Mio. Euro aus. Und die Playstation 4 hat das Feld auch nicht für sich allein. Denn Nintendo hat bereits Ende 2012 seine Konsole Wii U veröffentlicht. Und die Branche erwartet, dass Microsoft zur Gaming-Messe E3 im Juni ein Nachfolgemodell der Xbox 360 vorstellen wird. Diese lieferte sich laut Daten des Marktforschers IDC mit Sonys Playstation 3 ein weltweites Kopf-an-Kopf-Rennen mit 76 beziehungsweise 77 Millionen verkauften Geräten.

Grafikpracht: So sehen Playstation-4-Spiele aus

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Sowohl die Playstation 4 als auch die kommende neue Microsoft-Konsole (der Name Xbox 720 geistert durch diverse Gerüchteküchen) werden als „next generation" oder kurz „next-gen" bezeichnet. Es könnte aber durchaus sein, dass diese Geräte die letzte Generation der Wohnzimmer-Spielkonsolen darstellen. Der Markt, der pro Jahr einen Umsatz von 60 Mrd. Euro bringt, hat sich in den sieben Jahren, die seit dem Start der Playstation 3 vergangen sind, dramatisch geändert. Mobile Spiele laufen den teuren und aufwendig produzierten Konsolentiteln immer mehr den Rang ab. So rechnet das Marktforschungsunternehmen Juniper Research damit, dass allein der Umsatz mit innerhalb der mobilen Spiele-Apps gekauften virtuellen Gegenständen bis 2016 auf 2,3 Mrd. Euro ansteigen wird. Und diese Umsätze gehen zulasten der etablierten Spielsysteme. Zudem nimmt „Cloud-Gaming", bei dem Spiele auf den Servern der Anbieter berechnet werden und nur die Darstellung per Internet auf den Bildschirm geschickt wird, an Fahrt auf. Nicht umsonst hat sich Sony um rund 290 Millionen Euro den Spiele-Streaming-Dienst Gaikai einverleibt.

Konsolen werden zu Mehrzweckgeräten

Das schwarze Kästchen unter dem Fernseher wird daher vermehrt für andere Zwecke als Spielen genutzt. Microsoft berichtet etwa stolz davon, dass 40 Prozent der Aktivitäten seiner Kunden auf einer Xbox nichts mit Spielen zu tun haben. Video- und Musikdienste werden deshalb vom Hersteller forciert. Genau diesen Bereich ließ Sony aber bei der Playstation-4-Präsentation außer Acht. Aus eigenem Interesse wird das Unternehmen sein ganzes Pulver aber noch nicht verschossen haben. Mit der E3 im Juni und der Gamescom im August stehen noch zwei wichtige Messen bevor, auf denen Sony Spieler davon überzeugen muss, sich im Weihnachtsgeschäft nicht für Microsofts oder Nintendos Geräte zu entscheiden, sondern für die Playstation 4.

Ein Fehlschlag könnte Sony - im Spielebereich - das Genick brechen. Denn die 2011 vorgestellte tragbare Playstation Vita blieb bereits hinter den Erwartungen zurück. Der Hersteller wird bei Preisgestaltung und Spieleauswahl ein geschicktes Händchen beweisen müssen, um auch die übernächste Konsolengeneration noch zu erleben.

(db)

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5 Kommentare

Juhuuu die neue Generation ist da!

Zeit für mich, sich ein Gerät der letzten zu holen, denn die Preise rumpeln sicher bald in den Keller

Re: Juhuuu die neue Generation ist da!

das tun die Preise aber schon länger !

Absatz ...

...
Absatz gibt es genug zu holen! ;)

Da müssen die PS4 Jünger ein wenig mithelfen!
Bei RISC war damals genug. Aber warum so eine schöne Platform totsagen?

Re: Absatz ...

Weil sie für die Spieleentwickler kaum interessant war. Das Problem war, dass kaum Know How und Code mitgenommen werden konnte.

Bei der Xbox war das deutlich einfacher und was mich selbst überrascht hat, für die Industrie insgesamt auch leichter unter Kontrolle zu bringen. (Spiele schauen nach wie vor besser aus auf der XBox, Texturen werden schneller und besser geladen, etc. und das trotz schlechterer Hardware ...)

Aber puncto Prozessorarchitektur kann ich Sie beruhigen. RISC-Prozessoren sind so viel verbaut wie noch nie. (Stichwort ARM)

Auf dem mobilen Sektoren zeigen die Entwickler ja vor, wie man mit einer einfacher zu beherrschenden RISC-Plattform sehr wohl ganz nette Spiele raushauen kann.

Ich hatte schon den PS-3 Dreck...

...reparaturanfälliger gehts nicht.

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