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"Double Fine Adventure": Schnelle Million aus der Crowd

11.02.2012 | 18:23 |  von Georg Renner und Thomas Vieregge (Die Presse)

Erstmals hat ein Crowdfunding-Projekt in 24 Stunden die Grenze von einer Million Dollar gesprengt. Und das ausgerechnet im totgesagten Genre der Adventure-Games.

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Eine Million Dollar Vorschuss. Zugesagt, nur 22 Stunden nachdem das Projekt erstmals präsentiert worden ist – und jede Minute wird es mehr. Man darf annehmen, dass die großen Videospielkonzerne genau beobachten, was da auf der Webseite kickstarter.com passiert. Denn die Summe, die ihre User einem geplanten „Double Fine Adventure“ vorschießen, ist der größte Betrag, der je für ein Crowdfunding-Projekt zugesagt worden ist, wie Kickstarter-Sprecher Justin Kazmark der „Presse“ bestätigt.

Träger dieses Erfolgs ist das kleine kalifornische Spielestudio Double Fine. Das ist nicht irgendwer: Gegründet hat es Tim Schafer, eine Legende der Industrie – der heute 44-Jährige hat in den 1990ern die Produktion der großen LucasArts-Adventures von Monkey Island über Day of the Tentacle bis zu dem Kunstwerk Grim Fandango geleitet und durch seinen Witz ihren einzigartigen Humor geprägt. Mit an Bord ist auch Ron Gilbert: Er hat mit der Entwicklung von Maniac Mansion 1985 das „Point-and-Click-Adventure“-Genre erst erfunden. Nur: Solche Adventures, bei denen der Spieler friedlich Rätsel in einem skurrilen Setting lösen muss, gelten seit einem Jahrzehnt als praktisch tot.

„Wenn wir mit einer Idee für ein Point-and-Click zu einem der großen Publisher gehen würden, werden wir nur ausgelacht“, sagt Schafer – zu gering wären die Aussichten, damit Gewinn zu machen. Eine falsche Einschätzung, glaubt Schafer, dessen Double Fine in den vergangenen Jahren mit Actiontiteln wie Psychonauts oder Brûtal Legend kleine Erfolge feiern konnte.


Essen mit den Entwicklern. Gilbert und Schafer dachten also, dass es wieder Zeit für so ein PC-Adventure wäre – fanden aber keine Geldgeber. Also versuchten sie es bei Kickstarter – einer Webseite, auf der Kreative ein Projekt präsentieren und User um einen Vorschuss bitten können. Am selben Tag hatte das bisher beliebteste Projekt der Plattform – Kickstarter kassiert übrigens fünf Prozent der Beträge als Provision –, die Entwicklung eines iPod-Ständers, nach einem Monat online als erstes überhaupt die Grenze von einer Million Dollar überschritten.

Double Fine setzte Kosten von 400.000 US-Dollar für die Produktion eines neuen Schafer & Gilbert-Spieles (und der Dokumentation des Entwicklungsprozesses) an – die Kickstarter-Seite ging am Donnerstagvormittag online, mit den Bedingungen, dass jeder User, der mindestens 15 Dollar vorschieße, das Spiel nach seiner Fertigstellung via „Steam“-Download erhalten würde. Für größere Spenden standen weitere Goodies – etwa ein Abendessen mit den Entwicklern – in Aussicht.

Acht Stunden, nachdem die Projektbeschreibung online ging, hatten die Entwickler ihre Vorgabe eingestellt – weitere 14 Stunden später die Dollarmillion überschritten. Zu Redaktionsschluss hatten mehr als 42.500 User insgesamt 1,53 Mio. Dollar vorgeschossen: Im Schnitt 36 Dollar pro Vorbesteller.

Jubelschreie, dass das „alte System“ nun überkommen sei, in dem die großen Unterhaltungskonzerne Entwicklerstudios vorfinanzieren und sie dann massiv unter Erfolgsdruck setzen, sind aber verfrüht: Die zweistelligen Millionenbudgets großer Premiumtitel werden sich durch Crowdfunding auch weiterhin nicht aufstellen lassen.

Aber der Erfolg des „Double Fine Adventure“ zeigt, dass das Modell ein wichtiges Korrektiv für den von Konzernen getriebenen Markt darstellen kann: Dort, wo diese die Nachfragelage falsch einschätzen, wenden sich die Hersteller einfach direkt an die Konsumenten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2012)

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