Drei Jahre nach Windows 7 wagt sich Microsoft heuer an einen Neubeginn. An ein Windows, das ganz anders ist als die bisherigen. Gar nicht sosehr, weil es anders aussieht, sondern deshalb, weil es kein reines PC-Betriebssystem mehr sein wird. Windows 8 soll auch auf Fernsehern laufen und auf Tablets. Letzteres hat für Microsoft eine ganz besondere Bedeutung. 2010 war Steve Ballmer nämlich eigentlich Steve Jobs zuvorgekommen und präsentierte bereits im Jänner das erste moderne Tablet. Noch bevor dieses auf den Markt kommen konnte, feierte das iPad die Marktherrschaft und Microsofts Hardware-Partner Hewlett Packard stampfte das „Slate" getaufte Gerät ein. In dieser Zeit wird Microsoft erkannt haben, dass ein herkömmliches Windows für Touchscreens schlicht ungeeignet ist. Windows 7 wurde zwar mit entsprechenden Funktionen ausgestattet, Schaltflächen sind aber nach wie vor zu klein und Menüs zu verschachtelt. Ende 2012 soll sich das mit Windows 8 und einer radikal überarbeiteten Oberfläche ändern.
Das Warten auf die Apps. Gleichzeitig wird das neue Jahr zur Nagelprobe für Microsofts junges Smartphone-System Windows Phone, das mittlerweile seine Kinderkrankheiten besiegt hat. Der Sprung ins Erwachsenendasein soll gemeinsam mit dem einstigen Handy-Primus Nokia gelingen - keine leichte Aufgabe. Entscheidend werden aber nicht nur die Geräte sein, sondern auch oder vor allem die Apps. Im ersten Jahr hat sich das Angebot für Windows Phone mit mittlerweile rund 40.000 Apps ähnlich gut entwickelt, wie Apples App Store und Googles Android Market in deren erstem Jahr. Im zweiten Jahr aber haben die beiden Marktführer einen massiven Sprung hinlegen können - und zwar um das Dreifache bzw. sogar Fünffache.
Auch von Apple ist heuer einiges zu erwarten. Dazu gehört das obligatorische iPad 3 und das iPhone 5. Beides ist wie immer nicht offiziell angekündigt worden, aber noch ist seit dem ersten iPhone kein Jahr ohne entsprechende Aktualisierung vergangen. Besonders gierig wird von der Fangemeinde das iPhone 5 erwartet - war man doch 2011 enttäuscht von dem iPhone 4S, das vom Vorgängermodell schwer zu unterscheiden ist.
Apple als TV-Star? Mit viel Spannung wird außerdem ein - ebenfalls noch nicht bestätigter - Fernseher von Apple erwartet. iTV, oder wie auch immer ein solches Gerät heißen könnte, treibt sein Gerüchte-Unwesen seit der Veröffentlichung der Biografie des verstorbenen Apple-Gründers Steve Jobs. Darin ist von einem Projekt zur Verschmelzung von Fernsehen und Internet die Rede. Die Idee ist nicht neu, aber das iPad war schließlich auch nicht das erste Tablet. Vor allem an der Bedienung hapert es bei den derzeitigen „Smart TVs" noch. Gerüchten zufolge will Apple dieses Problem mit einer Sprach- und Gestensteuerung lösen.
Die Technikbranche konzentriert sich 2012 außerdem auf den mobilen Bereich. „Long Term Evolution", die nächste Mobilfunk-Generation soll auf den ersten Smartphones für schnelleres Internet sorgen und der Kurzdistanz-Funk NFC - integriert in Handys - die Kreditkarte ablösen. Ultrabooks sollen als bessere, leichtere und ausdauerndere Laptops die billigen, kleinen und schwachen Netbooks verdrängen. Am Rande: Steve Jobs war bereits 2009 davon überzeugt, dass Netbooks keine Zukunft haben. ?
(Die Presse am Sonntag vom 1.1.2012)
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