Microsoft hat in San Francisco unter dem Namen "Surface" zwei eigene Tablets vorgestellt. Der Softwarekonzern bricht damit radikal mit seiner Tradition, anderen Firmen den Hardware-Part komplett zu überlassen und tritt somit in direkte Konkurrenz zu langjährigen Partnern. Die Tablets werden mit der kommenden Version von Windows laufen. Eines davon mit Windows RT, einer abgespeckten Version von Windows 8, die lediglich die für Tablets optimierte "Metro"-Oberfläche zeigt und nur mobile Apps aus dem entsprechenden Store erlaubt. Das zweite Tablet wird mit der vollen Version von Windows 8 laufen, also auch einen herkömmlichen Windows-Desktop und sämtliche Software-Möglichkeiten bieten.
Windows RT und Windows 8 Pro
Beide Surface-Tablets kommen mit einem 10,6 Zoll großem Display und sind damit ein wenig größer als das iPad oder Samsungs Galaxy-Tablets, die 10,1 Zoll bieten. Das Windows-RT-Tablet wird ein wenig leichter und dünner sein und setzt auf einen Nvidia Tega 3 Chipsatz - also einen Quad-Core-Prozessor wie etwa Asus mit dem Android-Tablet "Transformer Prime". Das "Surface for Windows 8 Pro" setzt hingegen auf einen Core-i5-Prozessor von Intel, der auch in den aktuellen Windows-Notebooks zum Einsatz kommt. Beide Tablets bieten einen Micro-SD-Steckplatz und einen USB-Anschluss und sind mit 32 und 64 Gigabyte Speicher zu haben. Das Pro-Tablet wird es auch mit 128 Gigabyte Speicher geben. Auf beiden Modellen wird zudem das nächste Office-Paket vorinstalliert sein.
Die Tablets haben zudem einen integrierten Standfuß und ein Cover, das gleichzeitig als berührungsempfindliche Tastatur dient. Das schlankere 3-Millimeter-Cover bietet eine reine Touch-Tastatur, während das 5-Millimeter-Cover eine vollwertige Tastatur mit einem Touchpad hat. Beide Abdeckungen werden - ähnlich wie Apples Smart Cover - über Magneten direkt am Tablet-Rand montiert.
Einige Details fehlen
Einige Details hat Microsoft noch nicht verraten. Dazu gehört etwa die konkrete Displayauflösung. Für das "Pro" wurde "Full HD" genannt, was eine Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln nahelegt. Komplett unbekannt ist, ob die Tablets auch ein Mobilfunkmodul bieten werden. Auch Preis und Erscheinungstermin hat Microsoft keinen genannt. Beide sollen ähnlich viel Kosten wie vergleichbare Tablets bzw. Notebooks. Damit könnte sich das RT-Tablet bei 500 Euro bis 700 Euro bewegen und das Pro-Tablet könnte zwischen 800 Euro und 1000 Euro liegen. Der Verkaufsstart dürfte erfolgen, wenn Windows 8 erscheint - also im Herbst. Microsoft hat verraten, dass die Pro-Version drei Monate nach der RT-Version erscheinen wird.
Apple dominiert den Tablet-Markt
Microsoft dominiert zwar seit Jahren den PC-Markt konnte sich bisher aber nicht am lukrativen Markt mobiler Geräte durchsetzten. Windows Phone rangiert bei den Marktanteilen nach wie vor im niedrigen einstelligen Prozentbereich und Apple und Google teilen sich mit iOS und Android praktisch den gesamten Kuchen. Nun bricht Microsoft bei Tablets mit seiner bisherigen Tradition und versucht es - wie Apple - mit eigener Hardware. Der Marktforscher IDC geht davon aus, dass heuer 107,4 Millionen Tablet-Computer verkauft werden und davon 62,5 Prozent aus dem Hause Apple stammen werden. Der Großteil der restlichen Geräte läuft mit dem Betriebssystem Android von Google. Microsoft muss bei Null anfangen.
>> Surface-Tablets und iPad im Direkt-Vergleich
Dabei wollte Steve Ballmer diesmal eigentlich erster sein. Als vor zwei Jahren das erste iPad vorgestellt wurde, war es nicht die erste Tablet-Ankündigung des Jahres. Schon im Jänner davor betrat Ballmer die Bühne der großen Technik-Messe CES in Las Vegas und zeigte mit dem "Slate" den ersten modernen Tablet-PC. Hardware-Partner war damals HP - das gemeinsame Baby erblickte jedoch nie das Licht der Verkaufshallen.
Microsoft als Hardware-Anbieter
Konzernchef Steve Ballmer verwies darauf, dass Microsoft eine Tradition als Hardware-Hersteller habe. Der Software-Riese verkauft schon seit geraumer Zeit PC-Zubehör wie Mäuse, Tastaturen oder Webcams und ist erfolgreich mit seiner Spielekonsole Xbox. Allerdings macht Microsoft mit den Surface-Tablets nun ausgerechnet seinen wichtigsten Kunden - den PC-Herstellern - direkte Konkurrenz. Konzerne wie Asus planen längst eigene Windows-Tablets.
(sg)
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