Los Angeles/Wien/Auer. Microsoft verlässt sich im Kampf gegen Apple nur noch auf sich. Statt weiter darauf zu warten, dass Hardware-Partner wie Hewlett-Packard, Dell oder Acer endlich brauchbare Windows-Tablets als Konkurrenten für das iPad auf den Markt bringen, baut das Softwarehaus seinen Apple-Rivalen lieber selbst. Montagnacht präsentierte Microsoft-Boss Steve Ballmer gleich zwei hauseigene Tablets. Welcher asiatische Hersteller die Surface getauften Geräte baut, verriet er nicht.
Im Herbst kommt das erste Modell auf den Markt. Dafür riskiert Microsoft Ärger mit seinen langjährigen Partnern, den Computerbauern. Denn eigentlich war die Rollenverteilung von Anfang an klar: Microsoft entwickelt die Software, Firmen wie IBM oder Lenovo bauen die nötigen Geräte rundherum. Neun von zehn Computernutzern sitzen vor dem Ergebnis dieser langjährigen Übereinkunft. Ballmers Ankündigung markiert einen radikalen Strategiewechsel: Erstmals in seiner Geschichte baut Microsoft einen eigenen Computer.
Alles aus einer Hand
Doch der Konzern bricht nicht aus Lust und Laune mit der Tradition. Konsumenten greifen verstärkt zu Tablets und lassen Microsofts Domäne, die Computer, links liegen. Nach Schätzungen des US-Marktforschers Gartner steigt der Computerabsatz heuer nur um 2,7 Prozent. Im Gegenzug dürften sich die Tablet-Verkäufe auf 116 Millionen Stück verdoppeln. 62,5 Prozent des Geschäfts macht der Erzrivale Apple. Kein Herausforderer konnte an seiner Dominanz kratzen. Microsofts Tablet-Anteil: null Prozent.
Dabei hat der Riese aus Redmond den Tablet-PC sogar erfunden. 2002 präsentierte Firmengründer Bill Gates den ersten tragbaren Flachcomputer. Technische Mängel machten dem Gerät den Garaus. Vor zwei Jahren wollte Gates-Nachfolger Ballmer den Vorsprung verteidigen. Kurz bevor Apple den iPad vorstellte, zauberte er mit dem „Slate“ ein eigenes Windows-Tablet aus dem Hut. Doch auch das von Hewlett-Packard gebaute Gerät schaffte es nie in die Geschäfte.
Mit diesen Verzögerungen soll nun Schluss sein. Beim neuen Microsoft-Tablet kommt alles aus einer Hand. Das Einsteigermodell aus der Surface-Reihe soll gemeinsam mit dem Betriebssystem Windows 8 in diesem Herbst auf den Markt kommen. Die Profivariante folgt drei Monate später und soll einen Intel-Chip im Herzen tragen – so wie bisher nur bei Computern üblich. Das Modell wird mit Windows 8 laufen und soll so leistungsstark sein, dass es auch Laptops Konkurrenz machen kann.
Beide Geräte verfügen über ein magnetisches „Touch-Cover“, das als Tastatur mit Trackpad verwendet werden kann. Herausragende Features wie die Bewegungssteuerung Kinect fehlen aber. Es ist auch offen, ob Surface nur über WLAN ins Internet können wird. Um die Partner nicht komplett zu vergrämen, will der Konzern die Geräte nur online und in zwanzig ausgewählten Geschäften vertreiben.
Magerer Erfolg als Gerätebauer
Aber was bedeutet dieser Ausflug in die Hardwarewelt für Microsoft? Bisher machte der Konzern als Gerätehersteller nicht unbedingt eine gute Figur. Mit Tastaturen und Mäusen lässt sich vergleichsweise wenig verdienen. Die Microsoft-Spielkonsole Xbox gilt mittlerweile zwar als Erfolg, der Versuch Apple mit eigenen Geräten Konkurrenz zu machen, schlug bisher jedoch immer fehl. Der iPod-Rivale Zune hielt sich ebenso wenig am Markt wie das Microsoft-Handy Kin.
In seinem Herzen ist Microsoft immer ein Software-Hersteller geblieben. Die Programme des Unternehmens sorgen für den Löwenanteil seines 27-Mrd.-Dollar-Gewinns und verhelfen dem Konzern zu Gewinnmargen von über 60 Prozent. Das lässt sich mit dem Bau von PCs nicht erreichen. Der Hersteller Acer schafft etwa sieben Prozent Marge.
Ob Microsoft mit Surface der Befreiungsschlag gelingt, bleibt abzuwarten. Die Börsen zeigten sich bisher eher skeptisch. Während Microsoft-Papiere nach der Präsentation kaum zulegten, sprangen Apple-Aktien schon nach den ersten Gerüchten um über elf Prozent.
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