292 Millionen Nutzer zählte Zynga im April und der Umsatz lag vergangenes Jahr bei einer Milliarde Dollar. Der Anbieter von Facebook-Spielen blickt auf erfolgreiche fünf Jahre zurück und scheint sich einen Fixplatz im Social-Web-Olymp gesichert zu haben. Ein Blick auf die letzten Monate zeigt aber, dass es dort keine Fixplätze gibt, das Geschäft zu schnelllebig ist, und kaum hat man einen Trend umgesetzt, hat man offenbar bereits den nächsten verschlafen. Fünf Jahre nachdem Zynga-Gründer Mark Pincus mit einem Pokerspiel auf Facebook seinen ersten Hit landete, ziehen die Spieler langsam weiter. Smartphones und Tablets sind nun der Hotspot der Szene und gegen Rovios „Angry Birds“ und Popcaps „Bejeweled“ sieht Farmville geradezu alt aus. Das Wachstum von Facebook – das ganz eng mit dem Wachstum von Zynga verknüpft ist – hat sich verlangsamt, und die Aktie von Zynga ist im Juni auf ein neues Rekordtief seit dem Börsengang im Dezember 2011 abgerutscht.
Villes für alle. Vergangenen Dienstag hat Pincus auf der jährlichen Veranstaltung „Zynga Unleashed“ die Strategie für den Sturm des „Mobile Gaming“-Gipfels präsentiert. „Mobile Spiele von Zynga haben auf euren iPhones einen Platz direkt neben dem E-Mail-Client und der SMS-App verdient“, sagte Pincus. Schon heute gehört Zynga mit 22 Millionen Spielern täglich zu den Schwergewichten auf dem „Mobile Gaming“-Markt. Aber das Pflaster ist hart. Im März kaufte Zynga den Smartphone-Hit „Draw Something“ um stolze 180 Millionen Dollar, bereits kurz danach begannen die Nutzer wieder das Interesse zu verlieren. Künftig will Zynga nun jedes Spiel für zahlreiche Plattformen anbieten. Facebook wird immer eine davon sein, aber die volle Konzentration soll bei Smartphone-Spielen liegen. „Zynga with Friends“ soll die Zentrale werden, eine Art Social Network für Spieler. Beinahe nebenbei stellte Pincus auch einige neue Spiele vor. Überraschung war keine dabei, die Titel klingen mittlerweile austauschbar. „The Ville“ wird ein Klon des erfolgreichen Electronic-Arts-Titels „Die Sims“ und Chefville ein Farmville für Besitzer virtueller Restaurants. Ein kurzer Trailer am Ende der Präsentation kündige eine Fortsetzung von Farmville in 3-D an. Offenbar kann es gar nicht genug „Villes“ geben. „Die Ville-Spiele machen Spaß, und solange wir unsere Spiele sozial und einfach gestalten, werden Nutzer sie weiterhin gern mit ihren Freunden spielen“, meinte Pincus. Die eigentliche Goldgrube könnte sich für Zynga aber woanders auftun. Die Firma öffnet „Zynga with Friends“ auch für andere Anbieter, darunter Atari, die für die Erfahrung, die Analysetechnologien und die große Spielergemeinde ein Obolus an Zynga abliefern.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.07.2012)
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