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Schlankes Web statt klobiges System

07.07.2012 | 18:29 |  von Daniel Breuss (Die Presse)

2013 soll das HandybetriebssystemFirefox OS auf den Markt kommen. Es ist wenig mehr als ein Browser und zeigt die Macht des Internet auf.

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Was macht man eigentlich mit einem Smartphone? Die wenigsten, die eines besitzen, werden wohl als Erstes „telefonieren“ antworten. Die kleinen Taschencomputer werden mehr als Spielkonsolen, E-Mail-Schreibhilfen und Web-Surfgeräte genutzt. Man ist immer online und ständig irgendwo eingeloggt. Mozilla, die Entwicklergruppe hinter dem Firefox-Browser, hat vor, nächstes Jahr diesem Trend voll Rechnung zu tragen. Mit ihrem Firefox OS wollen sie ein schlankes Betriebssystem für Handys anbieten, das vollständig auf Web-Technologien setzt.

Möglich wird das durch HTML 5, jenen Standard, dem der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs bei der Anzeige von Mulitmedia-Inhalten auf seinem iPhone den Vorzug gegenüber anderen Technologien wie etwa Adobe Flash gegeben hat. Das tat er in dem offenen Brief „Thoughts on Flash“ im April 2010 auch öffentlich – und wie immer wortstark – kund, sehr zum Ärgernis des langjährigen Mac-Partners Adobe. Firefox OS geht aber noch einen Schritt weiter. Nicht nur Web-Videos sondern alle Handyfunktionen werden mit HTML 5 umgesetzt. Für die Anzeige des Akkuladestands und der Telefonfunktion wurden von Mozilla eigene Schnittstellen programmiert. Immerhin sollen Geräte mit Firefox OS auch ohne aktive Internetverbindung funktionieren.


Vorreiter Google. Die Idee, ein Gerät zu produzieren, das eigentlich nur dafür da ist, Web-Inhalte anzuzeigen, hatte aber schon früher jemand. Googles Chrome OS, das auf „Chromebooks“ genannten Laptops eingesetzt wird, ist de facto auch wenig mehr als ein Web-Browser. Die vollmundig „Web-Apps“ genannten Anwendungen sind auch nur Websites, die sich theoretisch genauso mit anderen Browsern öffnen lassen. Aber auch Google lässt ein paar ausgesuchte Anwendungen offline laufen. Dennoch war der Erfolg der Geräte mit Chrome OS bisher eher bescheiden. Für den Web-Konzern ist das Betriebssystem auch eher ein Nebenprodukt. Bei Smartphones und Tablets setzt das Unternehmen dagegen voll auf sein bereits etabliertes und erfolgreiches Android-Betriebssystem.


Abspecken. Ist neben Apples iPhone, Googles Android und den immer weniger wahrnehmbaren Blackberrys und kaum vorhandenen Windows Phones noch Platz für eine weitere Smartphone-Plattform? Firefox OS wird sich wohl im Billigsegment positionieren. Aufgrund seiner schlanken Bauweise benötigt es deutlich weniger Speicherplatz als die Konkurrenzprodukte. Bisher gibt es allerdings nur den Prototypen „Build 2 Gecko“, der sich für Interessierte auf Smartphones wie dem Galaxy S2 oder Nexus S installieren lässt. Aufgrund des unfertigen Status der Software ist dabei aber Vorsicht geboten.

In der aktuellen Fassung präsentiert sie sich aber grundsätzlich funktionsfähig. Auf dem Startbildschirm prangen keine Icons, sondern Verknüpfungen zu Websites. Und diese können auch Anwendungen oder Spiele enthalten, die in HTML 5 programmiert wurden. Bürosoftware ließe sich durch den Aufruf von Google Docs realisieren.

Zweifelsohne wird Firefox OS nicht mit dem Umfang eines Android mithalten können. Mozilla trägt aber dem Trend, dass sich die Welt immer mehr online abspielt, mit der Handyvision Rechnung. Und Abwechslung hat noch jedem Markt gutgetan.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2012)

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3 Kommentare

wer's braucht...

war ja klar, dass Firefox mitmischen will, nachdem googles chrome FF überholt hat

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Re: wer's braucht...

spricht jemand ohne Ahnung von IT und Softwarentwicklung.

Gast: i-Tüpferl-Reiter
08.07.2012 08:04
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"Schlankes Web statt klobigem System"

So würde es korrekt heißen ;-)
(Die Präposition "statt" kann mit dem Gen. oder mit dem Dat. verbunden werden, keinesfalls jedoch mit dem Nom. - man sagt ja auch nicht "statt ich", sondern "statt mir".)