In den Vereinigten Staaten lodert ein rechtlicher Streit zwischen Internetnutzern und der Porno-Industrie. Wie Wired berichtet, will eine Frau aus dem US-Bundesstaat Kentucky gegen mehrere Porno-Produzenten wegen Betrug, Verleumdung und anderen Vorwürfen gerichtlich vorgehen. Sie beschuldigt die Hersteller, wahllos IP-Adressen von BitTorrent-Nutzern zu sammeln und von diesen dann außergerichtliche Einigungen zu erpressen. Aus Angst, durch einen Prozess in der Öffentlichkeit als Porno-Konsument bekannt zu werden, würden viele Nutzer die geforderten 1000 bis 5000 Dollar zahlen.
Angeblich 200.000 Personen betroffen
Dem Artikel zufolge sollen im Jahr 2011 bereits 130.000 IP-Adressen im Visier der Porno-Anwälte gewesen seien. Der Vorwurf der Erpressung rührt daher, das die Firmen vergleichsweise geringe Summen einfordern. Würden sie es auf einen Prozess ankommen lassen, würden den Filesharern bis zu 150.000 Dollar an Strafe pro Urheberrechts-Verletzung drohen. In der Klagsschrift wird behauptet, dass bis zu 200.000 Personen von derartigen Drohungen betroffen sein könnten.
US-Richter warnt Industrie vor Missbrauch
Die Zivilklage der Dame aus Kentucky kommt wenige Tage, nachdem ein US-Bundesrichter eines der in der Klage angeführten Unternehmen, Malibu Media, bereits kräftig ermahnt hat. "Das Gericht wird nicht tatenlos bei etwas zusehen, das im Grunde ein Erpressungsversuch ist", schreibt Bundesrichter Otis D. Wright in einer Verfügung. Malibu Media hatte das Gericht gebeten, IP-Adressen für zehn unbekannte Urheberrechts-Verletzer ausfindig zu machen. "Bundesgerichte sind nicht Zahnräder im Urheberrechts-Vollstreckungs-Geschäftsmodell der Klägerin", stellt Wright klar. Obwohl das Gericht dem Pornohersteller in einem Fall recht gab, warnt es das Unternehmen, dass "jeglicher Missbrauch streng bestraft wird".
Klage gegen Musikindustrie erfolglos
Die Porno-Prozesse erinnern an die Klagswelle, mit denen die US-Musikindustrie diverse Filesharer eingedeckt hatte. Inzwischen haben aber auch diese Unternehmen mit den Massenklagen aufgehört. Während diese Prozesse aber noch als Abschreckung gegen Musikpiraten gedacht waren, scheint die Vorgehensweise der Porno-Produzenten rein auf Geldmacherei ausgelegt zu sein. Die US-Musikindustrie wurde übrigens auch mit einer Klage eingedeckt, die der aktuellen gegen die Porno-Hersteller gleicht. Allerdings wurde sie im Februar 2008 abgewiesen.
(db)
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