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Deutschland: Neonazis stürmen Facebook & Co.

11.07.2012 | 18:25 |  KARL GAULHOFER (Die Presse)

Neonazis haben das Web 2.0 für ihre Zwecke entdeckt. Rechtsextreme rekrutieren ihren Nachwuchs bereits großteils über soziale Netzwerke. Subtil wird die Hetze unter das Volk gebracht und massenhaft verbreitet.

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Berlin. Dunkle Gestalten mit weißen Masken marschieren durch das nächtliche Bautzen. Sie tragen brennende Fackeln und Transparente, die ihren Namen verkünden: die „Unsterblichen“. Geheimnisvoll ist auch die Botschaft: „Wir wollen kein Volk ohne Wirklichkeit sein.“ Der Videoclip, der den Aufmarsch zeigt, ist professionell gemacht wie ein Filmtrailer. Mit dramatischer Musik unterlegt und geschickt geschnitten, vermitteln die Szenen den Eindruck einer Massenbewegung. Mach Du doch auch mit, werde unsterblich – das ist der subversive Sog, der sich dem Betrachter vermittelt.

An vielen Orten im Netz platziert, auf YouTube und zahllosen Links in sozialen Netzwerken, gelingt der virtuelle Schneeballeffekt: Binnen weniger Wochen haben Zehntausende in ganz Deutschland das Video gesehen. Und das politische Programm gleich mitgeliefert bekommen: Hier beschwören Rechtsextreme den „drohenden Volkstod der Deutschen“, hetzen gegen Ausländer und gegen die Demokratie. Das Vorbild wirkt, bundesweit kommt es zu Nachahmaktionen: neue Märsche, neue Videos, die „geliked“, „geshared“ und massenhaft verbreitet werden.

Es ist nur ein Beispiel von vielen für einen gefährlichen Trend: Neonazis haben das Web 2.0 für ihre Zwecke entdeckt und im Sturm erobert. Facebook, YouTube und Twitter sind zur wichtigsten Rekrutierungsplattform für den Nachwuchs geworden. Das ist das Ergebnis eines aktuellen Berichts von Jugendschutz.net, einem Internet-Monitoring der deutschen Jugendministerien.

 

Versteckte Agitation

Geschickt missbrauchen die Hetzer die Plattformen, auf denen sich die Jugendlichen austauschen. Subtil locken sie ahnungslose User in ihren Dunstkreis. Sie errichten zum Beispiel ein scheinbar harmloses Facebook-Profil unter dem Titel „Stoppt Kindesmissbrauch“ – ein hoch emotionales, zustimmungsfähiges Thema. Mehr als 35.000 User sagen „I Like“ dazu, viele teilen den Aufruf mit ihren „Freunden“. Erst auf den zweiten Blick wird klar, wer dahintersteckt: Es ist die NPD, die da „härtere Strafen“ fordert. Und es ist eine rechtsextreme Kameradschaft, die zum Flashmob gegen Kinderschänder aufruft.

Die Präsenz auf den Plattformen bietet für Neonazis viele Vorteile: Sie können sich als Teil der Zivilgesellschaft positionieren, jeder Versuch einer Tabuisierung greift ins Leere. Die Extremisten zeigen sich in einem für die User vertrauten Umfeld, durch Postings und Links an harmlosen Stellen. Ihre Agitation ist meist weniger offensichtlich als auf ihren eigenen Webseiten, die deshalb oft verboten und gelöscht werden. Massenhafte, auch künstlich generierte „Gefällt mir“-Einträge suggerieren, sehr viele Menschen stünden hinter den Forderungen. Und von den Rekrutierungsaktionen unter Jugendlichen bekommen die Eltern nichts mit: Die neuen, schlimmen Freunde der Kinder brauchen gar nicht mehr mit nach Hause kommen: Man trifft sich auf Facebook.

 

Prügel für den „faulen Türken“

Das macht die Szene übermütig. Im Schutze der Anonymität wird der Ton immer radikaler. So wie beim „Arischen Jungen“, einem Facebook-User. Er verbreitet „Nationale Kinderlieder“, in denen der „faule Türke“ Mustafa geprügelt und aus dem Land geworfen wird.

Was ist dagegen zu tun? Die Jugendschutzstellen und Onlineberatungen sammeln Meldungen von aufmerksamen Usern. Sind die Einträge „unzulässig“, also strafbar oder jugendgefährdend, werden die Provider informiert. Die Kooperation funktioniert, fast immer löschen sie die Inhalte. Das Problem: Die Videos und Profile tauchen rasch an anderer Stelle wieder auf. Eine eigene Kontrolle durch die Seitenanbieter gibt es nur selten. Viel hängt daher von den wachen Augen und Ohren der Netzgemeinschaft ab.

 

Verfassungsschutz-Chef geht

Berlin. Am Mittwoch trat derweil der Chef des sächsischen Verfassungsschutzes zurück. Reinhard Boos zieht damit die Konsequenz aus einer Panne des Geheimdienstes bei der Aufklärung der Zwickauer Neonazi-Zelle, die im Laufe einiger Jahre zehn Menschen ermordet hat. Sachsens Innenminister sprach von eklatantem Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter des Verfassungsschutzes. Offenbar geht es um Protokolle einer Telefonüberwachung aus dem Jahr 1998, von deren Existenz nichts mehr bekannt war.

Boos ist bereits der dritte führende Verfassungsschützer, der im Zusammenhang mit dem Neonazi-Terror sein Amt verliert. Zuvor hatte Heinz Fromm, der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, seine vorzeitige Pensionierung beantragt. In Thüringen wurde der dortige Verfassungsschutz-Chef Thomas Sippel in den vorläufigen Ruhestand versetzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2012)

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37 Kommentare
 
12
Gast: Tifo
12.07.2012 14:47
1 0

..

"Im Namen der Toleranz, sollten wir uns das Recht vorbehalten die Intoleranz nicht zu tolerieren"

Karl Popper

Gast: Papa Schlumpf
12.07.2012 12:00
4 4

Naja, das Presse-Forum überrennens ja auchjedes Mal, wenn es um Islam, Migration oder Bierpreiserhöhung geht

Bei uns sagens halt immer "Ich bin gar keiner, ich wähls ja nur, weil ich den andern eins auswischen will! Häääääääääh!"

5 3

Über mögliche unerwünschte Nebenwirkungen lesen sie den Beipackzettel

Meinungsfreiheit und kritisches Hinterfragen ist scheinbar in dieser Gesellschaft nicht mehr erwünscht, von der Regierung verordnete Dogmen dürfen nicht mehr hinterfragt werden, Zuwiderhandelnde werden mittels Gummiparagraph 3 inhaftiert.

Auch sehr interessant welche "Rechtsextremismussforscher" hier definieren was Rechtsextrem ist und was nicht.

Und alles eingebettet im Rahmen unserer heissgeliebten EUdSSr und die Ableger unserer Alpen-Stasi stopline.

Leutln-das Ganze nützt euch leider nichts mehr, nur Narren und Kindergartenkinder glauben eure Märchen von ESM, Krise, notweniger Kaufkraftverzicht, Zuwanderung, Bildungssystem, Berufsheer geschweige den die Hetzte gegen die verstorbene Kriegsgenerations.


Gast: einBeobachter
12.07.2012 10:43
1 3

Ein Beispiel geben

Man muß bei Kindern beginnend ein Beispiel geben, sie darauf aufmerksam machen, daß menschliches Glück, oder besser Zufriedenheit (hält länger an ;-) ) völlig unabhängig davon ist, in welches Volk oder in welche Gesellschaftsschicht man geboren ist.
Mit meinen zwei Kindern bin ich nach Indien gefahren, habe sie mit grauenhaftem Elend konfrontiert, sie aber immer wieder darauf aufmerksam gemacht, daß diese Menschen bitterarm an materiellen Gütern sind, daß sie aber trotzdem zufriedener und wesentlich besser d'rauf sind, als die Menschen bei uns. In einem Indischen Slum sieht man auf einen Blick mehr lächelnde Menschen als in Wien über einen ganzen Tag verteilt.
Es war ein Schock, aber der hat gewirkt, und zwar langfristig !

0 0

Re: Ein Beispiel geben

Das liegt daran, das nicht der arm ist, der nichts hat, sondern der, der viel braucht!

... und, sind Ihre Kinder in Indien geblieben ...

... und jetzt glücklicher?

0 0

Re: ... und, sind Ihre Kinder in Indien geblieben ...

Ich frage mich, worauf Sie hinaus wollen?!?

Antworten Antworten Antworten Gast: einBeobachter
12.07.2012 13:01
0 2

Re: Re: ... und, sind Ihre Kinder in Indien geblieben ...

Oh Mann, die Kinder sind nicht in Indien geblieben. Es hätte übrigens auch Südafrike, Brasilien oder sonstwo gewesen sein, ich hab' halt Indien gewählt.
Worauf ich hinaus will ist, daß man Kindern sehr wohl rechtzeitig bewußt machen kann und soll, daß die Weltbevölkerung nicht nur aus "Ariern" besteht, daß auch andere Lebensformen ihre Berechtigung haben, daß es auch in "fremden" Ländern liebenswerte Menschen gibt und daß materielle Armut nicht zwangsläufig ein Makel ist.
Meine Kinder sind resistent gegen Nati-Propaganda und der von mir beschriebene Weg ist EINER von vielen um aus Kindern denkende und mitfühlende Erwachsene zu machen.
Ist das soo schwer zu verstehen ?

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Hacklwerfer
12.07.2012 13:24
1 0

Re: Re: Re: Ist das soo schwer zu verstehen ?

Für Kurzdenker schon...

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: einBeobachter
12.07.2012 15:17
0 0

Re: Re: Re: Re: Ist das soo schwer zu verstehen ?

Heut' fliegen die Hackl'n tief aber treffsicher ! LG an den Hacklwerfer !

Die posten ja auch

massiv in diversen Internet-Foren!

Gast: Umgekehrt:
12.07.2012 10:32
5 2

Wie sieht es mit den Linken aus?

Ist es eigentlich ok, wenn linke Inhalte transportiert werden?

Oder feministisches Gedankengut?

Meinungsfreiheit ist die Freiheit, völlig unterschiedliche Standpunkte zu vertreten, solange niemandem Schaden zugefügt wird.

sie haben präzise erkannt, weshalt rechtsradikales gedankengut in ö. verboten sein muss.


Antworten Antworten Gast: Rechts
12.07.2012 15:47
0 3

Re: sie haben präzise erkannt, weshalt rechtsradikales gedankengut in ö. verboten sein muss.

Probiert es doch linke Schwätzer und wartet dann auf das Echo.

Re: Re: sie haben präzise erkannt, weshalt rechtsradikales gedankengut in ö. verboten sein muss.

Na los, sein Sie nicht so feig, und sagen uns doch was Sie dann machen wollen.

Dann sehen wir ja alle, was Sie wirklich wollen.

Meldestelle Stopline

Bei der anonymen Meldestelle Stopline (www.stopline.at) können
Websites, auf denen sich nationalsozialisitische Wiederbetätigung findet, gemeldet werden. Diese werden dann (nach juristischer Prüfung) aus dem Netz entfernt.

Karl Gaulhofer

"ist Redakteur im Wirtschaftsressort der Tageszeitung "Die Presse", mit dem Schwerpunkt internationale volkswirtschaftliche Themen. Zuvor war er in Industrieunternehmen in verschiedenen Funktionen tätig."
http://www.ibwe.at/_ve/ft1109-3.html

Jetzt frage ich mich, wie der Herr Gaulhofer, als Wirtschaftsredakteur, dazu kommt, einen derartig tendenziösen Artikel über angebliche Neonazis in Deutschland zu schreiben. Und das ohne zu recherchieren und nach den Kräften zu forschen, die wirklich dahinter stecken.

Re: Karl Gaulhofer

Nur weil in einem Artikel - für Sie - unangenehme Wahrheiten ausgesprochen werden, ist er noch lange nicht tendenziös! ;)

Gast: GeFE
12.07.2012 07:51
8 2

Wo sonst?

bitte nicht missverstehen, aber wo soll man sich sonst austauschen, wenn man nicht alles glaubt und nachplappert , was uns die Systemmedien so vorsetzen?
Nach deren Diktion und der Diktion unserer Politiker, selbsternannten Intellektuellen ist man ja schon ein Rechtsextremist, wenn man seine Muttersprache und Heimat liebt und deren Werte pflegt.

Antworten Gast: Grummelbart2
12.07.2012 08:57
0 6

Re: Wo sonst?

Die Frage ist welcdhe "Werte" da gepflegt werden...

2 0

!

Was ist jetzt neu daran?
Islamisten, Rechtsextreme, Linksextreme, Tierschützer, Waffenhändler, Menschenhändler und und und! Alle begnügen sich auch mit Web 1.0!
Wenn man dabei sein will und bereit ist die Konsequenzen in kauf zu nehmen, dann weiß man schon wo man die Infos und Leute findet!!!
Facebook, Twitter udgl. können nichts dafür! Nicht Waffen töten Menschen, sondern Menschen töten Menschen... immer daran denken!

Gast: hmm
12.07.2012 05:58
2 3

direkt

Der Dominanz scheint es mit diesen "sozialen Netzwerken" gelungen zu sein direkt auf Dummköpfe vielerlei Art zugreifen zu können. Die Aufsplitterung und das Gegeneinanderhetzen kann nahezu "automatisiert" vor sich gehen ...

Nur ein großer Trottel benützt solche Plattformen wirklich!

0 4

Re: direkt

Die Presse hat scheinbar auch keine Sperre für Dummköpfe...
Aber naja, hier muss ja auch nicht sozial agiert werden, wenn man es nicht kann, man kann sich einfach austoben!

0 2

Ist eigentlich der Kommentarteil hier auch Web 2.0?


Gast: Johan C.
12.07.2012 00:44
11 0

Es geht die große Angst um!

Aber anstatt der großen Angst den Wind aus den Segeln zu nehmen - durch entsprechende Maßnahmen, mehr Gerechtigkeit, Exekutierung der Gesetze, Gesetzesänderungen, Verständnis für die Ängstlichen - werden alle Warnhinweise einfach totgemacht.

Aber die Probleme bleiben - und durch die Ignoranz von Medien und Politik werden die Probleme in jeder Iteration potenziert.

Ich verstehe, daß es den Menschen die Haare aufstellt, wenn sie sehen, wie Frauen aus Gründen von Religion, Tradition und sonstigen Mustern dazu gezwungen werden, sich zu verhüllen - sich zu verhüllen ist UNNATÜRLICH! Mensch ist Mensch - Verhüllung ist nicht notwendig.

Und warum sollen sich Frauen verhüllen, Männer aber nicht? Wo ist die Gerechtigkeit?

Wie soll das jemand verstehen, daß Menschen irgendwelchen Schriften nachrennen, die aus einer anderen Zeit stammen - und die dann Menschen mit anderer Meinung als "Ungläubige" titulieren oder Ähnliches?

Ich verstehe, daß das alles so kommt.

Die Politik tut ja auch alles dafür, dass es GENAU SO KOMMEN MUSS!

Gast: ZARA
11.07.2012 23:22
1 16

Ich glaube das natürlich nicht! Und das mit gutem Grund!

Überlegts mal!
Was gibt es im Facebook nicht, was es ja bei jedem Wirten gibt?
Richtig! - Bölkstoff!
Daher meine volle Überzeugung: Kein Alkohol - keine Rechten.
Daher auch keine Rechten im Facebook; nur beim Wirten!

 
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