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Re-Commerce: Für eine Handvoll Mausklicks

14.07.2012 | 18:06 |  von Jakob zirm (Die Presse)

Viele Geräte liegen ungenutzt herum, weil den Besitzern der eBay-Verkauf zu mühsam ist. In diese Lücke stoßen Re-Commerce-Plattformen, die schon nach ein paar schnellen Klicks ein verbindliches Kaufangebot abgeben.

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Die grundsätzliche Geschäftsidee ist nicht wirklich neu. Alte Produkte kaufen, herrichten und wieder verkaufen; das machen Händler bereits seit Jahrhunderten. Bisher mussten Privatpersonen, die alte Waren verkaufen wollten, ebendiese Second-Hand-Händler jedoch in ihren häufig nicht gerade ansprechenden Geschäftslokalen aufsuchen und über den Preis feilschen. Im Internet wird über Plattformen wie eBay in der Regel nur direkt an andere Konsumenten verkauft – samt Unsicherheit, ob das Gegenüber die Ware schlussendlich auch wirklich bezahlt. Vielen ist dies zu mühsam, weshalb sie ihre gebrauchten Handys oder andere Geräte lieber in Schreibtischladen herumliegen lassen, als sie zu Geld zu machen.

Ähnlich erging es im Jahr 2008 Christian Wolf, der damals bei der Deutschen Telekom arbeitete. „Jedes halbe Jahr habe ich ein neues Handy bekommen und das alte in eine Schublade gelegt.“ Irgendwann habe er sich gedacht, dass in dieser Lade schon mehrere hundert Euro ungenutzt herumliegen. Und daraus sei schlussendlich die Idee für „Wirkaufens“ entstanden.

Das Unternehmen schaltet sich zwischen die privaten Verkäufer und die privaten Käufer im Internet. Auf der Homepage kann mit einer Handvoll Mausklicks das zum Verkauf bestimmte Gerät und dessen Zustand eingegeben werden. Innerhalb weniger Minuten wird so festgestellt, welchen Preis Wirkaufens bereit ist zu zahlen. Ist der Verkäufer mit dem Preis zufrieden, sendet ihm das Unternehmen einen Porto-Gutschein zu, mit dem das Gerät für den Verkäufer kostenfrei an Wirkaufens gesendet werden kann. Passt die Beschreibung mit dem eingesandten Produkt überein, gibt es schon kurz danach das Geld aufs Konto.

„Prinzipiell angenommen haben wir Produkte aus Österreich schon immer. Das Problem war, dass die Kunden über die Grenze fahren mussten, um die Sachen loszuschicken“, sagt Wolf. Seit einigen Wochen versendet Wirkaufens aber Porto-Gutscheine, die auch hierzulande gültig sind. Und schon jetzt kämen knapp zehn Prozent der etwa 500 pro Tag eingesandten Geräte aus Österreich.

Putzen und löschen. „60 Prozent der Produkte sind Handys und Tablet-Computer“, sagt Wolf. Die Geräte würden von seinen Mitarbeitern gereinigt und die Daten gelöscht. „Dafür benötigen wir pro Handy rund eine Stunde Zeit. Ohne Ersatzteile kostet das etwa zehn Euro.“ Zudem werden schlechte Akkus getauscht sowie fehlende Zubehörteile ersetzt. Danach werden die Geräte großteils auf eBay weiterverkauft. Da Wirkaufens ein Händler ist, übernimmt das Unternehmen für die Gebrauchtgeräte auch eine Gewährleistung von einem Jahr.

Sinnvoll ist dieses aufwendige „Refurbishing“ vor allem bei relativ neuen und hochwertigen Geräten. Doch wer trennt sich schon nach kurzer Zeit wieder von seinem neuen Handy? „20 bis 30 Prozent der Handybesitzer wechseln ihre Produkte bereits innerhalb von zwölf Monaten“, sagt Wolf. Vor allem für diese sei es von Vorteil, ihre alten Geräte sofort zu verkaufen, um noch gute Preise zu erhalten. Hinzu kämen Leute, die schlicht Fehlkäufe getätigt hätten. Rund 20 Monate nachdem ein neues Handymodell auf den Markt gekommen ist, würde es zu einem stärkeren Preisverfall kommen. Spätestens vor diesem sollte das Gerät verkauft werden, so Wolf. „Im Schnitt zahlen wir 80 Euro pro gekauftem Handy.“

Wer sein Handy auf eBay selbst verkauft, dürfte zwar rund zehn bis 20 Prozent mehr dafür erhalten. Im Gegenzug müsse er sich aber auch um alles selbst kümmern. Außerdem könne er gewisse Großkunden-Rabatte der Verkaufsplattform nicht lukrieren. „Unsere Brutto-Marge (Verkaufs- minus Ankaufspreis, Anm.) beträgt rund 30 Prozent. Allerdings besteht rund die Hälfte davon aus Preisvorteilen, die nur wir als Händler haben“, sagt Wolf.

Ähnlich sieht das Lawrence Leuschner, Mit-Gründer von „Rebuy“. Denn neben Wirkaufens kämpft noch eine Handvoll anderer Unternehmen im deutschsprachigen Raum um den rasant wachsenden Markt von Second-Hand im Internet. „Ein Freund und ich hatten 2004 nach Abschluss der Schule keine Lust auf einen Job, also machten wir uns selbstständig und gründeten eine Handelsplattform für Computerspiele im Internet“, so Leuschner. 2009 wurde daraus Rebuy, dessen Umsatz sich heuer auf 46 Mio. Euro verdoppeln soll, sagt der 29-Jährige.

Rebuy setzt neben technischen Geräten vor allem auf den Handel von gebrauchten Büchern, CDs, DVDs und Lego. Letzteres wird zum Kilopreis ge- und verkauft. „Pro Tag kommen rund 30.000 Artikel in unserem Berliner Logistikzentrum an“, sagt Leuschner, mehrere tausend davon aus Österreich. Im Logistikzentrum kümmern sich 350 Mitarbeiter um die Begutachtung und Sortierung. Beim Verkauf setzt Rebuy vor allem auf die eigene Plattform, über die mehr als 50 Prozent der Produkte wiederverkauft werden (möglich ist der Kauf für Kunden aus Österreich aber nur über die .de-Seite mit höheren Versandkosten).

Daneben verkaufen beide Plattformen auch an Großhändler in Osteuropa. Dies treffe vor allem bei weniger hochwertigen Geräten zu, da man sich so auch das aufwendige Refurbishing spare. Keinen Verkauf von gebrauchten Handys oder Computern gebe es derzeit jedoch nach Afrika, sagt Wolf. „Wir verkaufen nicht dorthin, da es dort keine Recycling-Infrastruktur gibt und wir nicht wollen, dass die Geräte dort auf illegalen Müllhalden landen.“

Angesichts der tausenden gebrauchten Geräte, die monatlich so den Besitzer wechseln, stellt sich naturgemäß die Frage, ob nicht auch gestohlene Handys darunter sein könnten. „Wer bei uns geklaute Ware verkauft, macht eine große Dummheit, weil er ja ein Konto angibt, auf das wir ihm den Kaufpreis überweisen“, sagt Wolf. Und da von jedem Handy die Seriennummer mit einer Datenbank der Polizei abgeglichen werde, käme man ihm so schnell auf die Schliche. Bei Produkten, deren Herkunft nicht eindeutig festgestellt werden kann, obliege die Verantwortung dafür dem Verkäufer, sagt Leuschner.


Milliardenmarkt.
Die Branche stehe trotz der bereits respektablen Umsätze noch am Anfang, sind sich beide Firmenchefs sicher. „Pro Jahr werden 2,5 bis drei Mio. Handys auf eBay verkauft. Wir verkaufen dort derzeit etwa 30.000 bis 40.000 pro Jahr. EU-weit ist das ein Milliardenmarkt“, sagt Wolf. Diese Aussichten führen in der jungen Branche zu einer richtigen Goldgräberstimmung. So macht etwa ein ehemaliger Refurbisher von Wirkaufens seiner Ex-Firma inzwischen mit einem eigenen Portal Konkurrenz. Der Name: Verkaufsuns.

Da die Portale alle ein unterschiedliches Sortiment an Waren kaufen, ist es für die Kunden nicht leicht ersichtlich, wo sie den besten Preis erhalten. Doch es wäre nicht das Internet, gäbe es nicht auch dafür bereits eine Lösung. So verrät die Website Verkaufsportale-Vergleich bei jedem Produkt sofort den spendabelsten Käufer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2012)

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4 Kommentare
Gast: commonSense
15.07.2012 14:13
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Man könnte Millionen und Billionen recyclen, wenn die Völkergemeinschaft nur die Voraussetzungen schaffte.

. . . ein Unfug das Patentsystem. Patente müssten in jedem Land jedem frei zugänglich sein, doch jegliche wirtschaftliche Nutzung sollte einer globalen Patentsteuer unterliegen, die dem Patentinhaber einige Zeit zustünde.
Damit kann das Patent raschest vermarktet werden, der Erfinder rasch zu Geld kommen und der Fortschritt käme aller Welt zugute.

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Re: Man könnte Millionen und Billionen recyclen, wenn die Völkergemeinschaft nur die Voraussetzungen schaffte.

Sie können das so jederzeit mit ihren eingenen Erfindungen realisieren. Es wird Sie niemand daran hindern. Tun Sie Gutes für die Allgemeinheit.

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und wie lautet nun die Homepage

von dieser Wolf-Firma?

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Re: und wie lautet nun die Homepage

wirkaufens.at

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