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Schlachtfeld TV

14.07.2012 | 18:08 |  von Sara Gross (Die Presse)

Wem gehört der erste Moment nach dem Einschalten des Fernsehers? Das Internet lockt neue Anbieter, und Rundfunkanstalten haben zunehmend Mühe, ihr Revier zu sichern.

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Wir werden in der digitalen Welt nie wirklich Frieden haben“, sagte Andreas Bereczky am Mittwoch bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Smart-TV in Berlin. Bereczky ist Produktionsleiter des ZDF, sitzt im Vorstand des Branchenverbands „Deutsche TV-Plattform“ und gehört damit zu jenen, die hoffen müssen, dass die alte Rundfunkwelt von der smarten Internetzukunft nicht einfach überrollt wird – jene „alte“ Rundfunkwelt, die jahrzehntelang den großen Bildschirm im Wohnzimmer beherrscht hat. Diese goldenen Zeiten könnten bald vorüber sein. Schon jetzt nutzen laut GFK drei Viertel der Zuseher auch andere Geräte, um Videos oder Filme zu sehen, und die Inhalte kommen immer häufiger „on demand“, also quasi jederzeit nach Bedarf, aus dem Internet. Die Hersteller reagieren auf diesen Trend, indem sie die TV-Geräte an das Internet anschließen und neuen Anbietern und Geschäftsmodellen Tür und Tor öffnen. Neue Firmen übernehmen langsam das Steuer, vergleichbar mit dem Umbruch, den die Smartphone- und App-Welt für das Geschäft mit Mobiltelefonen bedeutete: Heute kämpfen alte Titanen wie Nokia ums Überleben, während neue Player wie Google die Vormachtstellung übernommen haben.

Wie Parasiten? Die Rundfunkanstalten fürchten um ihre Herrschaft über den größten Bildschirm im Haushalt, und zu verlieren gibt es einiges. „Die neuen Geschäftsmodelle können nicht sein, dass man parasitär an unseren Inhalten mitverdient“, meinte Jürgen Doetz vom deutschen Verband Privater Rundfunk und Telemedien. Klare Worte findet auch ZDF-Produktionsdirektor Andreas Bereczky: „Der Bildschirm gehört uns, wenn der Zuseher den Fernseher einschaltet.“ Einblendungen anderer während des Programms seien nicht gern gesehen. Zudem prallt die stark regulierte Rundfunkwelt auf die offene Internetwelt. Seit etwa drei Jahren wird nun schon die Werbetrommel für internetfähige Smart-TVs gerührt, Lösungen gibt es aber so viele wie Anbieter. „Wir haben einfach noch zu wenig Erfahrung, was die Zuseher von Smart-TV wollen“, erklärt Bereczky. Die klassischen TV-Sender versuchen ihr Glück unter dem sperrigen Titel Hbb-TV (Hybrid Broadcast Broadband TV). Während einer Sendung können Zusatzinhalte eingeblendet werden. Meist geht es dabei um Material aus den Mediatheken der Sender. HbbTV wird bereits von vielen deutschen Sendern unterstützt, der ORF will heuer nachziehen. Allein, die Nutzung ist noch sehr gering und laut Umfragen können noch die wenigsten mit dem Begriff etwas anfangen. Es gibt aber auch ein anderes Problem mit Hbb-TV als alleinigem Zukunftsszenario: „Gerade bei Hollywood-Filmen stößt Hbb-TV an seine Grenzen“, erklärt Volker Blume vom TV-Hersteller Philips. Neue Anbieter wie Hulu, Lovelyfilm oder viele andere bieten Videos, Filme, Serien teilweise gratis, teilweise kostenpflichtig, zeitunabhängig und auf Knopfdruck. Selbst Google und Apple drängen mit ähnlichen Angeboten auf die TV-Bildschirme. Neben Hbb-TV ist es derzeit aber Sache der Gerätehersteller, welche Dienste auf ihren TVs Einzug halten. Auf einmal sitzen Philips, Samsung, LG, Sharp und Co. nicht nur an den technischen Schalthebeln, sondern dürfen auch die Inhalte mitbestimmen. Noch kocht fast jeder hier sein eigenes Süppchen. Meist wird YouTube kombiniert mit einigen Nachrichten-Apps und Online-Videoportalen, und jeder Hersteller muss Entwickler von der hausgemachten Plattform überzeugen.

Angst vor Google. Bei den Rundfunkanstalten sorgt dabei Google-TV für das größte Entsetzen. Die Furcht ist, dass Google während beliebter Sendungen Zusatzinhalte einblenden lässt und diese dann auch mit Werbeanzeigen versehen könnte – also genau das, was Doetz als „parasitär“ bezeichnet. Anders verhält es sich mit den Smart-TV-Angeboten der Hersteller, bei denen es sich in der Regel um vom klassischen TV-Programm getrennte Portale handelt, die Nutzer genau deshalb auch bisher eher selten aufrufen. Zudem fehlen Standards, für die nun eine von Philips, LG, Loewe und Sharp getragene Smart-TV-Alliance sorgen soll. Das Ziel: Eine dafür entwickelte App soll auf den Geräten aller Hersteller problemlos laufen. Gespannt wird nun auf einen weiteren Teilnehmer an der Schlacht gewartet. Apple wird schon seit Längerem nachgesagt, an einem smarten Fernseher zu arbeiten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2012)

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18 Kommentare
Gast: Grummelbart2
17.07.2012 10:03
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Anachronistisch...

...sich zu einer bestimmten Tageszeit an einem ebstimmten ort einfinden, um die Lieblingsserie zu verfolgen ist anachronsitisch - in Zeiten von on demand im internet oder hochwertigen DVDs.

Daran wird sich auch nichts ändern; warum sollte ich mich aufs Fernsehen konzentrieren, wenn ich mir jederzeit was ich will, wo ich will anschauen kann dank iPad, YouTube und iTunes?

Klasse Artikel...

...endlich wieder mal Journalismus und nicht nur APA Nachdruck.

Nur Apple weiß, wie TV der Zukunft...

...aussehen wird. Also warten wir mal ab.

Das Fernsehen ist tot

...lang lebe Streaming im Internet ;). Da kann ich mir die Inhalte wenigstens aussuchen.

Gast: Endstation Bedeutungslosigkeit!
16.07.2012 09:45
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Da einzige Produkt wo ich zahle, dafür das ich es nicht benützen muß!

Der Mensch ist nicht nur nicht mehr bereits sein Leben nach der Glotze zu richten, erkann es nicht mehr, 1970 war es kein Problem, es gab geregelte Arbeitszeiten, um 20:00/19:30 war es jedem möglich die Tagesschau/ZiB zu sehen und den Abend mit dem Abendprogramm zu verbringen, heute sperren die Läden zu einem Zeitpunkt zu in dem bereits die Nachrichten laufen, selbst das Abendprogramm wird zur Unmöglichkeit, die Regel das nach den Abendnachrichten nicht mehr angerufen werden sollte, kennen nur mehr die wenigsten.

Und das zweite Problem ist die Privatisierung, sie brachte nicht nur Vielfalt, der Wettbewerb führte dazu, wer schafft es ein noch dümmeres Programm zu machen, inzwischen haben selbst Schundromane gegenüber dem Fernesehen den Anspruch Qualität zu sein!

Fernsehen wird es weitergeben, so wie es auch Zeitungen weiterhin gibt, die Sendeanstalten werden damit leben müssen, das sie nicht mehr 90% der Bevölkerung erreichen sondern nur mehr 5%, dank Zwangsgebühren kann es ihnen auch ziemlich Wurscht sein, sowohl die Qualität als auch der Marktanteil!

Gast: IO
15.07.2012 09:21
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Die Zwangsfianzierten wie der ORF wanken ihrem Ende entgegen.

Aber solange die Parteisender schön mit Steuergeld gefüttert werden um ihre Regierungspropaganda zu verbreiten werden sie imemr weniger Seher haben.

Antworten Gast: pa-tora
15.07.2012 10:09
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Re: Die Zwangsfianzierten wie der ORF wanken ihrem Ende entgegen.

aber wo ist denn das problem? fernsehr weg, radio weg kein breitband-internet und die damen und herren der gis koennen schon kommen, man hat mehr zeit fuer die kinder und geld spart man auch noch... ;-)

Antworten Antworten Gast: Genügt nicht!
16.07.2012 11:11
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Re: Re: Die Zwangsfianzierten wie der ORF wanken ihrem Ende entgegen.

Die USB Anrennte zum Empfang kostet weniger als 25.- Euro ist also eine zumutbarer finanzieller Mehraufwand!

Die einzige Chance juristisch dem zu entkommen ist eine Wohnung einzig mit einem Bett ohne Stromanschluß und sonnst nichts, es kann auch argumentiert werden das in einem Kasten ein billig Gerät versteckt sein könnte und es ist eine unzumutbarere Mehraufwand auch das zu kontrollieren!

(Die Bezeichnung Steuer ist hier wohl eher angebracht, als die Bezeichnung Gebühr, es gibt schlicht keinen Hauhalt in Österreich in dem es einen juristischen Grund gäbe von dieser Gebühr ausgenommen zu sein!)

Re: Re: Die Zwangsfianzierten wie der ORF wanken ihrem Ende entgegen.

Wieso kein Breitbandinternet?

So lange ich keine TV Karte habe, ist Breitbandinternet völlig wurscht für die GIS.

Antworten Antworten Antworten Gast: pan-tora
16.07.2012 10:15
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Re: Re: Re: Die Zwangsfianzierten wie der ORF wanken ihrem Ende entgegen.

dachte ich auch - leider kommt in kuerze auch die "streaming-regelung", aber aktuell ist es noch kein problem, das stimmt!

Re: Re: Re: Re: Die Zwangsfianzierten wie der ORF wanken ihrem Ende entgegen.

Die Frage ist halt, wie das kontrolliert werden soll, ob jemand streamt oder nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es sich der ORF leisten kann, jeden einzelnen Haushalt daraufhin zu überprüfen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: pan-tora
17.07.2012 07:43
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Re: Re: Re: Re: Re: Die Zwangsfianzierten wie der ORF wanken ihrem Ende entgegen.

ich denke nicht, das es darauf hinauslaufen wird. die werdens eher so wie in deutschland machen - eine haushaltsabgabe!

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Die Zwangsfianzierten wie der ORF wanken ihrem Ende entgegen.

Ja, das befürchte ich allerdings auch. Der ORF hat das ohnehin schon mehrmals anklingen lassen.

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Re: Re: Die Zwangsfianzierten wie der ORF wanken ihrem Ende entgegen.

...und manche Kommentare der Presse-Leser!

Antworten Antworten Antworten Gast: P3PO
15.07.2012 19:21
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Re: Re: Re: Die Zwangsfianzierten wie der ORF wanken ihrem Ende entgegen.

??? Was meinen Sie mit ihrem Kommentar?

Re: Re: Re: Re: Die Zwangsfianzierten wie der ORF wanken ihrem Ende entgegen.

Dass manche Kommentare der Presse-Leser ihrem Ende zuwanken. Steht ja eh da!

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Re: Re: Re: Re: Re: Die Zwangsfianzierten wie der ORF wanken ihrem Ende entgegen.

Genau ;-)

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Die Zwangsfianzierten wie der ORF wanken ihrem Ende entgegen.

Wer lesen kann ist klar im Vorteil ;)