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Internet-Radios: Stimmungsschwingungen

21.07.2012 | 17:38 |  von Daniel Breuss (Die Presse)

Das französische Internet-Radio Musicovery spielt Musik je nach Stimmungslage. Online-Angebote nehmen immer mehr die Funktion klassischer Radiosender ein.

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Musik hatte immer schon etwas mit der Gefühlslage zu tun. Wer es ruhiger haben möchte, hört sich eher Bachs „Air“ an, in wütenden Momenten greift dieselbe Person dann aber doch zum düsteren Heavy-Metal-Album. Dass sich aus diesem Wechselbad der Gefühle auch ein Geschäftsmodell ergeben kann, haben einige Anbieter von Internet-Radios inzwischen erkannt.

Dienste wie Moodagent, Stereomood oder Musicovery lassen den Musikliebhaber angeben, wie er sich gerade fühlt, und erstellen anhand dessen eine Playlist für die jeweilige Stimmung. Während die Nutzung per Browser meist kostenlos ist, muss man für die dazugehörigen Apps für iPhone, Android oder Windows Phone ein paar Euro in den jeweiligen App-Stores oder eine monatliche Gebühr bezahlen.

Entdeckungsreise. Ein wichtiger Aspekt der genannten Angebote ist auch die Chance, komplett neue Musik kennenzulernen. Nicht umsonst hat sich das französische Musicovery auch entsprechend benannt. Im Vergleich zu anderen Angeboten bietet der Dienst eine feinere Einstellungsmöglichkeit für die Stimmungslage seiner Nutzer. Das Mood Pad lässt sie auf einem Koordinatensystem angeben, ob die Musik düster, positiv, energiegeladen, ruhig oder eine Mischung daraus sein soll. Einmal eingestellt, fängt sofort eine Playlist zu spielen an. Diese lässt sich dann noch nach Genre und Jahrzehnt filtern.

Seit 2006 konnte sich Musicovery allmählich bei Musikliebhabern etablieren. Weltweit hat der Dienst 700.000 Nutzer, wie Vincent Castaignet, Erfinder des Mood Pad und Mitgründer des Dienstes, im Gespräch mit der „Presse am Sonntag“ berichtet. Die Hälfte davon befindet sich in Europa, der Rest teilt sich auf die USA und Lateinamerika auf. 220.000 Nutzer haben sich die iPhone-App heruntergeladen. Eine Version für Android soll laut Castaignet bald verfügbar sein.

Der Konkurrent Moodagent bietet nur vier Auswahlmöglichkeiten (sinnlich, zärtlich, fröhlich, wütend), lässt den Nutzer aber anschließend anhand von Kurven einstellen, welche der Emotionen stärker oder schwächer in einer Playlist zum Ausdruck kommen soll. Moodagent ist bereits für alle gängigen Smartphone-Plattformen verfügbar und besitzt sogar eine Integrationsmöglichkeit mit dem beliebten Streaming-Dienst Spotify. Damit stehen mehr als 15 Millionen Musikstücke zur Verfügung, während es bei Musicovery nach Castaignets Angaben derzeit gerade einmal 170.000 sind.


Radio online. Tragbare Musikplayer werden immer mehr zum Auslaufmodell, seit Smartphones diese Funktion übernehmen. Dank Daten-Flatrates und der zunehmenden Online-Angebote muss die Musik auch gar nicht mehr auf dem Gerät gelagert werden.

Mit den Stimmungsdiensten können Nutzer nun auch unterwegs die richtigen akustischen Schwingungen für sich finden. Das Ergebnis ist sofort verfügbar, während man bei klassischen Radiosendern warten muss, ob überhaupt etwas Geeignetes gespielt wird.

Zielgruppe seien aber nicht die jungen Hörer im Alter von 15 bis 25, wie Castaignet sagt. Diese Nutzer würden viel stärker aktiv nach Musik suchen. Musicovery richte sich eher an die „passiven, entspannten Hörer“, die sich einfach nur berieseln lassen wollen. Womit der Dienst den klassischen Zweck eines Musikradios erfüllt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2012)

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5 Kommentare
Gast: Sehr gut...
23.07.2012 16:50
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Und die Raritäten verschwinden noch mehr...

Wer glaubt das er dort mehr Vielfalt findet als im klassischen Radio irrt mal ganz gewaltig, zumindest 1/4 aller Titel meiner Sammlung findet Mensch weder im Radio, noch in einem dieser Streaming-Angebote noch als Option bei Apfel und Co. zu kaufen.

Und das ist auch das Problem der gesamten Unterhaltungsmafia, sie bestimmen was ich zu hören habe, und nicht mehr ich, da können auch derartige Stimmungsnagebote die Welt nicht bewegen, derartige Angebote dienen einzig und alleine zur vollständigen Kontrolle der Hörer, egal jetzt ob Staatsfunk, Private oder Internetangebote, schon aus dem Grund ist derartige schlicht ein kulturelles Verbrechen das seines gleichen Sucht.

Die Streaming-Angebote sind auch noch in der Hinsicht als kritisch anzusehen, das einerseits versucht wird Kunden zum Kauf zu bewegen, anderseits Ladenhüter die nicht mal mehr Mittelmäßig sind ins Angebot aufzunehmen da diese weit billiger sind im Angebot.

In den letzten 10 Jahren wurde mehr Schrott produziert als in den davor gehenden letzen 100 Jahren, der Schrott vernichtet gleichzeitig gute Musik oder läßt sie darin untergehen und es wird tagtäglich schlimmer, Mist wird wegen des Mistes produziert ohne irgend einen Wert zu haben!

Vergessen wird als Würze darauf auch noch, das die Sender sehr wohl alle mögliche Informationen des USER speichert und auch kommerziell verwertet, das ist ohnedies jedem genau Wurscht, was mit den Informationen passiert!

Gast: gast:1
22.07.2012 11:00
4 1

klassisches Radio

Ich weiss gar nciht mehr, wann ich zuletzt absichtlich normales Radioprogramm gehört hab..

Da sind nervige Nachrichten, Wetter- und Verkehrsbericht, Sprecher die glauben mir irgendwelche Gschichtln erzählen zu müssen, lästige Gewinnspiele und dann die absolut nervtötende Werbung.

Nein Danke.

Dann lieber irgendeinen Radiostream, am Besten einen Ausländischen, da versteht man weder die Werbung noch die Moderation (falls überhaupt vorhanden)..

Radio-Musik ist für mich ohnehin nur Hintergrundberieselung; bewusstes, aktives Musik-Hören mache ich mir selbst (CD, MP3)

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Re: klassisches Radio

Wie wär's mit Ö1?

Antworten Antworten Gast: gast:1
23.07.2012 11:35
0 0

Re: Re: klassisches Radio

Du bietest mir 1 Sender vs. Hunderte im Internet welche ich obendrein nach Geschmacksrichtung wählen kann...?

hmmm.. was meinst?

Gast: Bösmensch
22.07.2012 06:53
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Für all die einfachen Gemüter hierzulande keine Option.

Denn der Musikhorizont dieser Personen reicht nun mal nicht über die 10 "Hits" hinaus, die von den obligatorischen Verdummungssendern rauf und runter gespielt werden.