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Pinterest: Auf der Jagd nach digitalen Trophäen

09.08.2012 | 17:39 |  von Anna-Maria Wallner (Die Presse)

Die elektronische Pinnwand Pinterest ist durch seine überwiegend weiblichen Nutzer zum drittwichtigsten sozialen Netzwerk herangewachsen. Weil es zum Träumen einlädt und Nutzer mit ihrer Identität spielen lässt.

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Den Weg für Pinterest geebnet haben vermutlich die Modeblogger. Sie waren die ersten, die mit Schnappschüssen von gut gekleideten Nobodys auf der Straße digitale Fotoalben anlegten. Heute kann jeder seinen eigenen Modeblog betreiben – und muss dafür nicht einmal einen Fotoapparat oder ein Smartphone mit integrierter Kamera bedienen. Das soziale Netzwerk Pinterest stellt digitalen Stauraum für Fotosammlungen zur Verfügung, und Mode ist darin zwar nicht das einzige, aber ein immer wiederkehrendes Thema.

Es gibt Menschen, die auf Pinterest ihr Faible für Kaffeetassen oder Tierbabys teilen, oder ihre Vorliebe zu kunstvoll dekorierten Cupcakes und gepunkteten Kleidungsstücken. Auf ihrer Pinnwand können Nutzer verschiedene „Pinboards“ anlegen und darauf Collagen zu bestimmten Themen gestalten. Die Palette an Inhalten ist breit: Manch einer sammelt Fotos von Brotlaiben und schneckenförmigen Stiegenhäusern; andere träumen von Statussymbolen wie PS-starken Autos und Segelschiffen; nicht wenige knüpfen an ihre Teenagerzeit an: Statt wie damals Poster ihrer Idole an die Wand zu kleben, hinterlegen sie nun hochaufgelöste Fotos auf ihrer digitalen Pinnwand. Pinterest ist eine Spielwiese für Hedonisten. Geteilt werden eher Dinge und nicht Personen, und ausschließlich im Internet gesammelte Fotos, nicht selbst aufgenommene.

Pinterest, das „Facebook für Frauen“

Das Netzwerk Pinterest ist das Baby unter den sozialen Netzwerken, allerdings eines, das seit seiner Geburt im März 2010 erstaunlich schnell groß geworden ist. In den USA gilt es bereits als drittwichtigstes soziales Netzwerk nach Facebook und Twitter, langsam erreicht der Hype auch Europa. Noch sind Dienste wie LinkedIn oder Google+ größer, was die Zahl der Mitglieder betrifft, aber Pinterest wächst viel schneller und wird derzeit auf 1,5 Milliarden Dollar geschätzt.

Das liegt zunächst an den Frauen, die dem Netzwerk einen überraschenden Ansturm beschert haben. Während nur 40 Prozent der Facebook-Nutzer weiblich sind, sind es bei Pinterest 68 Prozent. „Weil Frauen häufiger über ihre Kleidung bloggen, über Kosmetik, den Garten oder ihr Wohnzimmer, also über Privates“, vermutete „Die Zeit“ schon im Frühjahr. Die durchschnittliche Pinnerin in den USA ist zwischen 25 und 45 Jahren, kinderlos, lebt an der Westküste und verdient viel Geld.

Aber wieso hat die Jagd nach unpersönlichen Katalogfotos aus dem Internet so viel Erfolg? Vielleicht, weil die reale Person nicht mehr im Vordergrund steht, sondern hinter Sehnsüchten und Interessen verschwindet. Der Nutzer kann sich eine Katalog-Idylle schaffen, eine neue Identität zusammenbauen – und wartet dann auf Bestätigung durch die Pinn-Gemeinde. Es reicht schon, wenn das schöne Blumengesteck, der köstliche Kuchen gepostet wird, ich muss sie nicht besitzen oder selbst gebacken haben, um Anerkennung zu bekommen. Wie damals im Schulhof, als man den Schulfreunden das volle Stickeralbum präsentierte, wird nun das digitale Album vor der ganzen Welt geöffnet.

Im Zentrum von Pinterest steht das Bild. Den Nährboden für diesen Fotohype haben auch die seit einiger Zeit so beliebten Fotografie-Apps Instagram oder Camera+ aufbereitet: Damit werden Fotos durch bestimmte Filter hochglanztauglich gemacht. Auf Pinterest kann sich jeder seine Welt so elegant, ausgeflippt oder luxuriös basteln wie er will. Und letztlich hat der Erfolg auch praktische Gründe: Pinterest ist leicht zu bedienen, und zwar mit Werkzeugen, die bereits aus anderen Netzwerken bekannt sind, wie dem Like-Button von Facebook, der hier nicht durch einen Daumen, sondern ein Herz symbolisiert wird.

Den größten Nutzen von Pinterest haben die Unternehmen, deren Waren auf Pinterest – kostenlos – verbreitet werden. Längst haben Marketingexperten das Netzwerk entdeckt und animieren ihre Kunden, dort virales Marketing zu betreiben. In einer Welt, die auf Sehnsüchten nach Konsumgütern, makelloser Schönheit und dem gemütliche eingerichtetem Heim baut, hoffen die Werber auf eine höhere Kaufbereitschaft. Da könnten sie sich allerdings täuschen. Das edle Sofa, die Weinkaraffe oder das Designerkleid wird nur derjenige posten, der es sich nicht leisten kann – alle anderen kaufen es.

Auf einen Blick
Pinterest („to pin“ und „interest“) ist ein noch recht junges soziales Netzwerk (seit März 2010), in dem Nutzer Fotos von Waren und YouTube-Videos auf virtuelle Pinnwände hinterlegen können. Die Nutzung vereint Elemente von Facebook, wie das Liken (Herz statt Daumen-Hoch-Symbol) und Kommentieren unter den Fotos, und von Twitter: Anders als dort wird nicht re-tweetet, sondern re-pint. Das Netzwerk wird ausschließlich auf Englisch betrieben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2012)

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3 Kommentare

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Was denn, kein Link?


Re: Was denn, kein Link?

http://lmgtfy.com/?q=pinterest
so schwer?