Österreich hat noch immer zu viele "Offliner"

Die EU will, dass bis 2015 die Zahl der Internetnutzer signifikant steigt. Viele Nicht-Nutzer sehen aber gar keinen Bedarf.

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(c) Reuters (� Reuters Photographer / Reuters)

Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der Internetnutzer in den Mitgliedsländern signifikant zu steigern. Im Schnitt sind laut Eurostat rund 24 Prozent der Bevölkerung offline. In Österreich liegt dieser Wert mit 18 Prozent deutlich darunter und nur knapp über dem EU-Ziel von 15 Prozent. Eine neue Studie des Sora-Instituts, die die Telekom Austria am Dienstag in Alpbach vorgestellt hat, zeigt nun, dass der Offline-Wert bei der privaten Nutzung wesentlich höher ist. Demnach nutzen rund 26 Prozent der Österreicher das Internet zumindest privat nicht. 

Dass die "Offliner" immer stärker in den Fokus der EU rücken, hat auch wirtschaftliche Gründe. PricewaterhouseCoopers hat berechnet, dass sich Haushalte durch die Nutzung des Internets jährlich bis zu 700 Euro an Kosten ersparen können. Die Vorteile von PC- und Internetkenntnissen für Jobs und für das Wirtschaftswachstum sind hinlänglich bekannt. Laut IHS ergeben sich durch die Internetnutzung für Österreich durchschnittliche jährliche Wertschöpfungseffekte von ca. 350 Millionen Euro, was etwa sieben Prozent des Wirtschaftswachstums ausmacht.

Schwachstelle Schule

Vor allem bei Internetkenntnissen hat Österreich laut Eurostat noch einiges aufzuholen. Österreich liegt zwar im EU-Schnitt, geht es um tiefergehende Kenntnisse, schneiden die Nutzer hierzulande vergleichsweise schlecht ab. Gerade bei der Ausbildung hat Eurostat 2011 in Österreich einige Probleme erkannt. So kämen etwa hierzulande auf 100 Schüler je nach Schulstufe nur zehn bis 40 Computer. In skandinavischen Ländern, wo der Anteil der Bevölkerung mit umfassenden IT-Kenntnissen am höchsten ist, kommen bis zu 100 Computer auf 100 Schüler. Gleichzeitig werden in Österreich nur vier bis 13 Prozent aller Schüler von Lehrern unterrichtet, die selbst entsprechende Kurse belegt haben. 

Während es für Senioren - hier ist der Anteil der "Offliner" am höchsten - bereits länger einige Bildungs-Initiativen gibt, ist das Angebot für Kinder und Jugendliche noch überschaubar. Die Telekom Austria hat vergangenes Jahr unter dem Titel "Internet für Alle" eine umfassende Initiative gestartet, die auch hier ansetzt. Neben Kursen für Nutzer werden Schulungen für Lehrer oder ganze Schulklassen angeboten, zudem gibt es Kooperationen mit dem Kinderbüro der Stadt Wien und dem Stadtschulrat. "Medienkompetenz wird bei Lehrern wie auch bei Schülern zu einer absoluten Notwendigkeit. Digital aufbereitete und vermittelte Schulinhalte, die auf die pädagogischen Bedürfnisse des Einzelnen eingehen, sind für mich ein realistisches Szenario der nahen Zukunft", sagte Telekom-Austria-Chef Hannes Ametsreiter am Dienstag. 

"Kein Bedarf, kein Interesse"

Bis 2015 will die EU den Anteil der Nicht-Nutzer auf 15 Prozent senken. Zu schaffen ist das aber nicht nur mit Bildungs-Initiativen, Netzausbau und speziellen Internet-Angeboten wie die kostenlosen 600 Megabyte pro Monat von 3. Umfragen zu dem Thema zeigen immer wieder, dass viele Offliner davon überzeugt sind, das Internet nicht zu brauchen. Die groß angelegte "Offliner-Studie" des österreichischen Instituts für Strategieanalysen ergab, dass das sogar der am häufigsten genannte Grund für die Nicht-Nutzung ist. 36 Prozent der Nicht-Nutzer gaben an, "keinen Bedarf" zu sehen, weitere 13 Prozent nannten "kein Interesse" als Grund und nur sieben Prozent gaben zu, sich nicht auszukennen. Um das Ziel der EU zu erreichen, muss also noch einige Überzeugungsarbeit geleistet werden. 

 

(sg)

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