Österreich hat noch immer zu viele "Offliner"

29.08.2012 | 10:35 |  Sara Gross (DiePresse.com)

Die EU will, dass bis 2015 die Zahl der Internetnutzer signifikant steigt. Viele Nicht-Nutzer sehen aber gar keinen Bedarf.

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Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der Internetnutzer in den Mitgliedsländern signifikant zu steigern. Im Schnitt sind laut Eurostat rund 24 Prozent der Bevölkerung offline. In Österreich liegt dieser Wert mit 18 Prozent deutlich darunter und nur knapp über dem EU-Ziel von 15 Prozent. Eine neue Studie des Sora-Instituts, die die Telekom Austria am Dienstag in Alpbach vorgestellt hat, zeigt nun, dass der Offline-Wert bei der privaten Nutzung wesentlich höher ist. Demnach nutzen rund 26 Prozent der Österreicher das Internet zumindest privat nicht. 

Dass die "Offliner" immer stärker in den Fokus der EU rücken, hat auch wirtschaftliche Gründe. PricewaterhouseCoopers hat berechnet, dass sich Haushalte durch die Nutzung des Internets jährlich bis zu 700 Euro an Kosten ersparen können. Die Vorteile von PC- und Internetkenntnissen für Jobs und für das Wirtschaftswachstum sind hinlänglich bekannt. Laut IHS ergeben sich durch die Internetnutzung für Österreich durchschnittliche jährliche Wertschöpfungseffekte von ca. 350 Millionen Euro, was etwa sieben Prozent des Wirtschaftswachstums ausmacht.

Schwachstelle Schule

Vor allem bei Internetkenntnissen hat Österreich laut Eurostat noch einiges aufzuholen. Österreich liegt zwar im EU-Schnitt, geht es um tiefergehende Kenntnisse, schneiden die Nutzer hierzulande vergleichsweise schlecht ab. Gerade bei der Ausbildung hat Eurostat 2011 in Österreich einige Probleme erkannt. So kämen etwa hierzulande auf 100 Schüler je nach Schulstufe nur zehn bis 40 Computer. In skandinavischen Ländern, wo der Anteil der Bevölkerung mit umfassenden IT-Kenntnissen am höchsten ist, kommen bis zu 100 Computer auf 100 Schüler. Gleichzeitig werden in Österreich nur vier bis 13 Prozent aller Schüler von Lehrern unterrichtet, die selbst entsprechende Kurse belegt haben. 

Während es für Senioren - hier ist der Anteil der "Offliner" am höchsten - bereits länger einige Bildungs-Initiativen gibt, ist das Angebot für Kinder und Jugendliche noch überschaubar. Die Telekom Austria hat vergangenes Jahr unter dem Titel "Internet für Alle" eine umfassende Initiative gestartet, die auch hier ansetzt. Neben Kursen für Nutzer werden Schulungen für Lehrer oder ganze Schulklassen angeboten, zudem gibt es Kooperationen mit dem Kinderbüro der Stadt Wien und dem Stadtschulrat. "Medienkompetenz wird bei Lehrern wie auch bei Schülern zu einer absoluten Notwendigkeit. Digital aufbereitete und vermittelte Schulinhalte, die auf die pädagogischen Bedürfnisse des Einzelnen eingehen, sind für mich ein realistisches Szenario der nahen Zukunft", sagte Telekom-Austria-Chef Hannes Ametsreiter am Dienstag. 

"Kein Bedarf, kein Interesse"

Bis 2015 will die EU den Anteil der Nicht-Nutzer auf 15 Prozent senken. Zu schaffen ist das aber nicht nur mit Bildungs-Initiativen, Netzausbau und speziellen Internet-Angeboten wie die kostenlosen 600 Megabyte pro Monat von 3. Umfragen zu dem Thema zeigen immer wieder, dass viele Offliner davon überzeugt sind, das Internet nicht zu brauchen. Die groß angelegte "Offliner-Studie" des österreichischen Instituts für Strategieanalysen ergab, dass das sogar der am häufigsten genannte Grund für die Nicht-Nutzung ist. 36 Prozent der Nicht-Nutzer gaben an, "keinen Bedarf" zu sehen, weitere 13 Prozent nannten "kein Interesse" als Grund und nur sieben Prozent gaben zu, sich nicht auszukennen. Um das Ziel der EU zu erreichen, muss also noch einige Überzeugungsarbeit geleistet werden. 

 

(sg)

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65 Kommentare
 
12

Das Paradox

Das Internet dient ja nur der Überwachung, Vorschreibung, Bestimmung, Entmündigung, Paranoia und so weiter und so fort. Jedes Mal die gleichen Kommentare bei so einem Thema.

Und wo schreiben die Leute das? Im Internet. Hach.

Die ungeliebte EU

Die EU will....
Die EU schreibt vor....
Die EU bestimmt..
Die EU überwacht...

Irgendwie gefiel mir Europa besser, als es eine Wirtschaftsvereinigung war!

Re: Die ungeliebte EU

Ja, Sie habe recht!

Antworten Gast: Gastastast
31.08.2012 17:48
4 1

Re: Die ungeliebte EU

Geht mir genauso...

Gast: 765
31.08.2012 11:27
2 2

EU - wirtschaftsorientiert, aber nicht sachorientiert; eine ihre Bürger entmündigende Union

Weshalb hat sich die EU zum Ziel gesetzt, in den EU-Bürgern lauter unmündige Personen zu sehen, die allesamt bürokratisch gleichzuschalten sind und nicht ihre eigenen persönlichen Entscheidungen bewusst treffen können sollen?

Viel Geld zur Erreichung sinnloser Ziele wird von der EU vergeudet, Geld, das anderweitig wesentlich sinnvoller eingesetzt werden könnte!

Weshalb sollte ein jeder Mensch das Internet und Computer an sich brauchen, zudem privat?

Im Alltag stellen wir immer wieder fest, dass die eingesetzte Software (Lifte, Boote, Autos, etc., ganz abgesehen von der Frechheit Microsoft & Android) nicht funktioniert und es sich bei IT um einen Wirtschaftszweig handelt, der zum Großteil davon lebt, schlecht durchdachte Produkte teuer an den Mann zu bringen und diese regelmäßig ebenso teuer zu "verbessern".
Apple ist die einzig rühmliche Ausnahme: softwaretechnisch und im (Nutzungs-)design durchdacht!

Kinder gehören nicht in den Schulen am Computer ausgebildet, es sei denn, der Unterricht bietet Grundlagenwissen im Programmieren, Computer- und Softwaregeschichte, evtl Ergonomie am Arbeitsplatz.
Auf den Schnickschnack, der sonst unter Bildung läuft (zB im Fremdsprachenunterricht) kann aber durchaus verzichtet werden. Ein Kind, aber auch der Erwachsene) gehört nicht stupide animiert (indem alles bunt "flackert"), sondern ausgebildet, wissens- und kompetenztechnisch!

Antworten Gast: Gastastast
31.08.2012 17:49
2 2

Re: EU - wirtschaftsorientiert, aber nicht sachorientiert; eine ihre Bürger entmündigende Union

"Apple ist die einzig rühmliuche Ausnahme"

Kratzen Sie etwas tiefer, dann nehmen Sie das auch noch zurück.

5 1

wie geht das zusammen mit der Sonderabgabenforderung

diverser azockender Verbände wie die Autoren, Gema, Megana und wie diese staatlich sanktionierten Abräumerorganisationen alle heißen.
Vielleicht gibt es dann noch eine Abgabe für Leute, die selbständig decken wollen?

2 1

Die EU will?

fragt sich nur wer jetzt die Offn sind!

Warum will das die EU?

Damit sie die Leute noch besser überwachen können.

2 9

...

diese paranoia hier ist ja ein wahnsinn ... glaubts ihr ernsthaft die eu oder wer auch immer filzt eure emails, browserhistorien etc. ? alleine von den ressourcen her unmöglich. die vorratsdatenspeicherung ist jetzt schon ein griff in den topf gewesen. und außerdem: proxy an und ihr könnt surfen wo ihr wollt ohne das euch wer zusehen kann liebes paranoides volk.

Antworten Gast: loowor9872
30.08.2012 15:21
0 1

Re: ...

so ein wald- und wiesenproxy bringt nicht viel.
und email-filzen ist doch schon längst an der tagesordnung ...

Re: ...

das brauchen sie gar nicht. viele leute geben ohnehin ihr gesamtes privatleben in facebook und co preis. mark zuckerberk nannte seine kunden nicht umsonst "dumm f*cks". übrigens, ich behaupte mal >98% der user kennen die möglichkeiten der anonymisierung überhaupt nicht.

Antworten Antworten Gast: Gastastast
31.08.2012 17:51
1 1

Re: Re: ...

User sind bei Facebook auch nicht Kunden sondern das Produkt.

1 0

Re: Re: ...

dann sind die leute selber schuld wenn sie sich nicht auskennen. vertrauliche daten und solche welche ich nicht möchte das sie gesehen werden, werden von mir verschlüsselt. da wünsch ich dem lieben vorratsdatenspeicherteam viel spaß diese pakete zu entschlüsseln ;-)

5 1

ich bekenne...

ich war auch noch nie im internet. ich arbeite nur mit dem internet. ich war auch noch nie im fernsehen, da ist so wenig Platz im flat. ich finde diese zwangsbeglückung der eu-Denker so was zum kotzen!

Gast: Marsmensch
29.08.2012 22:55
0 0

---

Wer noch nie ein Buch vollständig gelesen hat und auch bei Zeitungen nur die Überschrift, wird nie das Internet bei sich einführen.

Antworten Gast: grösso
30.08.2012 05:43
7 4

Re: ---

Umgekehrt ist es: Wer das Internet einführt, wird nie mehr ein Buch vollständig lesen, und bald nur noch Überschriften lesen.

Alle Erhebungen belegen das.

Re: Re: ---

lustig, dank des internets lese ich jetzt mehr bücher! denn jetzt kann ich problemlos online bestellen!

1 0

Re: Re: ---

dann gehöre ich nicht dazu

Gast: Die EU verkennt die Lage...
29.08.2012 20:31
5 4

Das Internet hat den Höhepunkt bereits überschritten, seit einem Jahr geht's abwärts!

Das es in Deutschland überhaupt noch einen Zuwachs gibt, ist den Handys zu verdanken, ohne diese ist eine gewaschene Stagnation in diesem Bereich, kein Interesse mehr!

Die Gründe sind Gesetzte mit denen der Kunde schon mit einem Bein im Gefängnis sitzen, ein Abmahnwahnsinn der das leben weiter Versaut, und auch die Unterhaltungsindustrie mit ihrer Paranoia hat sehr dazu beigetragen...

Dazu kommt noch, es gibt sehr reale Gründe Offlinie zu bleiben, ein PC ohne Netzanschluß ist vor jeder Staatlichen Kontrolle geschützt, es ist physikalisch unmöglich das derartige Daten das Licht der Welt erblicken, etc...

Und die nächste Perversionen die das Netz sicher nicht interessanter machen sind die geplanten aufgezwungene Jugendschutzfilter, die zu einem massiven Informationsverlust führen wird, schließlich sind selbst Bilder von Madam Curie jugendgefährdend, wer es nicht glaubt, der suche nach Bilder, schalte den Filter aus und dann auf strikt.

Hilft nix.

Die EU sagt, wir müssen das Internet nutzen. Pech. Müssen wir wohl gehorchen.

Zumindest handelt es sich um eine weitere sinnvolle EU-Verordnung. So wie die Beschränkung der Krümmung von Gurken.

Offliner

Zu viele, die noch nicht überwachbar sind.

Gast: Günter Thiele
29.08.2012 18:33
15 0

Hände weg!!!

Ich bin zwar kein Österreicher (ob das gut oder schlecht ist, bewerte ich nicht), aber kann mir einmal jemand erklären, was es das Politbüro in Brüssel angeht, ob ich das Internet nutze oder nicht?

Diese Proll- Aristokraten, die sich im Laufe der Jahre in ihre überbezahlten Positionen geschleimt haben, sollen gefälligst ihre krummen Finger aus meinem Leben lassen!

Früher einmal habe ich das Internet

wegen seiner Informationsvielfalt und der schnellen Informationsbeschaffung geliebt. Mittlerweile nervt es ziemlich, auf jedem 3. Portal die wortwörtlich abgetippten Meldungen der Agenturen zu lesen.

Re: Früher einmal habe ich das Internet

Hier wird aber fleissig aussortiert, mein lieber Mann. DDR 2.0?

Re: Früher einmal habe ich das Internet

Hier wird aber fleissig zensiert....

 
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