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Amazons Problem mit Österreich

07.09.2012 | 18:46 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Schon wieder sind neue Hightech-Produkte in Österreich nicht verfügbar. Denn der EU gelingt es nicht, die Lizenzen für elektronische Inhalte zu vereinheitlichen.

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Wien. Der weltweit größte Internethändler Amazon greift mit neuen Tablet-Computern seinen Rivalen Apple frontal an. In der Nacht auf Freitag präsentierte Amazon in den USA die mit Spannung erwarteten neuen Versionen des „Kindle Fire“. Anders als bei den bisherigen Lesegeräte von Amazon kann man damit nicht nur elektronische Bücher herunterladen, sondern auch Filme sehen, im Internet surfen, E-Mails beantworten und über die eingebaute Kamera Fotos machen.

Der neue „Kindle Fire HD“ hat fast die gleichen Funktionen wie das iPad von Apple, er ist aber wesentlich billiger. Denn im Gegensatz zu Apple verzichtet Amazon darauf, mit dem Verkauf der neuen Geräte viel Geld zu verdienen. Dem Konzern geht es darum, den Kunden später Inhalte wie elektronische Bücher, Filme und Musikstücke gewinnbringend zu verkaufen. Amazon hofft, dass nun viele iPad-Nutzer auf den Kindle umsteigen.

 

Österreich: Bitte warten

Interessierte in einigen europäischen Ländern können die Amazon-Tablets im Internet bereits bestellen, die Auslieferung soll ab 25. Oktober erfolgen. In Deutschland werden seit Freitag Bestellungen entgegengenommen. Kunden in Österreich haben dagegen das Nachsehen. Wer eine österreichische Versandadresse angibt, erhält die Meldung: „Kindle Fire HD kann nicht an die ausgewählte Adresse versandt werden.“ Österreicher können weiterhin nur die alten Amazon-Lesegeräte mit dem Schwarz-Weiß-Display kaufen. Ob und wann die neuen Produkte auch nach Österreich verschickt werden, ist unklar.

Amazon ist kein Einzelfall. Im August startete die Internetsuchmaschine Google in Deutschland mit einem Filmangebot. Über den Google Playstore besteht in Deutschland nun die Möglichkeit, Spielfilme in voller Länge anzusehen. Dies gilt als Vorstufe für den neuen „Google TV“-Dienst. Im Herbst sollen dafür eigene Geräte auf den Markt kommen. Schließt man diese an den Fernseher an, kann man damit im Internet surfen, Filme ansehen und verschiedene Apps herunterladen.

Später sind auch Fernsehgeräte geplant, die „Google TV“ direkt integriert haben. Doch ähnlich wie beim neuen Amazon-Kindle müssen sich Kunden in Österreich in Geduld üben. Denn das Google-Filmangebot ist bei uns vorerst nicht verfügbar.

 

Große Länder haben Priorität

Dies hängt mit der komplizierten Lizenzvergabe für Filme und Musikstücke zusammen. Anders als in den USA ist man in Europa von einem einheitlichen Lizenzsystem weit entfernt. Derzeit gilt die Regel, dass Hollywood-Studios für jedes europäische Land eine eigene Lizenz vergeben. Auch die Preise sind unterschiedlich.

Daher konzentrieren sich internationale Konzerne wie Amazon zunächst auf große Länder wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Kleine Länder wie Österreich haben für sie keine Priorität. In der Vergangenheit hat es relativ lange gedauert, bis solche Angebote auch in Österreich erhältlich waren. Eine Ausnahme ist Apple. Über den iTunes-Store von Apple können Kunden in Österreich schon jetzt Filme ansehen. Allerdings ist das Angebot von Apple in Österreich nicht so groß wie in anderen Ländern.

In der EU gibt es seit Längerem Bemühungen, ein einheitliches Lizenzsystem zu schaffen. Doch die Behörden in Brüssel stoßen hier auf erbitterten Widerstand der Filmindustrie. „Ich glaube nicht, dass sich hier bald etwas ändern wird“, sagt Medienrechtsexperte Thomas Höhne von der Kanzlei Höhne, In der Maur und Partner, zur „Presse“. Würde Brüssel beispielsweise vorschreiben, dass nur noch paneuropäische Lizenzen vergeben werden dürfen, wäre das ein massiver Eingriff in die Rechte der Filmindustrie.

Von paneuropäischen Lizenzen würden in erster Linie große internationale Konzerne wie Amazon und Google profitieren. Daneben gibt es auch kleinere Anbieter wie beispielsweise den TV-Kabelnetzbetreiber UPC, der nur in einigen europäischen Ländern wie in Österreich tätig ist. Über „Video on Demand“ können UPC-Kunden auch Filme abrufen. UPC hat eine eigene Lizenzabteilung in London, die mit allen wichtigen Filmstudios Verträge aushandelt. In weiterer Folge werden dann Länderverträge geschlossen, die speziell auf die verschiedenen UPC-Märkte zugeschnitten sind.

Auf einen Blick

Amazon bringt neue Tablet-Computer auf den Markt und macht damit Apple Konkurrenz. Im Gegensatz zu den bisherigen elektronischen Lesegeräten von Amazon verfügt der neue „Kindle Fire HD“ über deutlich mehr Funktionen. Die Amazon-Geräte sind auch billiger als das iPad von Apple. Anders als in Deutschland, Frankreich und Großbritannien sind die Amazon-Geräte in Österreich vorerst nicht verfügbar. Dies hängt mit dem Lizenzsystem für elektronische Inhalte zusammen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2012)

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29 Kommentare
 
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Unsere Dampfgetriebene KUK Bürokratie

Das ist das Geheimnis hinter den Amazon Problemen. EU hat damit rein gar nichts zu tun.

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Schuld

ich würde mir von der Presse genauere Informationen wünschen. nur weil AT in der EU liegt muss nicht zwangsweise diese Schuld sein. in DE funkts ja auch.

umstieg

niemand steigt von einem ipad auf einen kindel fire um. das waere Schwachsinn. Der Fire war bisher klein und extrem schwer (gleich schwer wie ein ipad mit doppelt so grossem Bildschirm). Der neue Fire hat auf jeden Fall einen viel schlechter aufgeloesten Bildschirm als das ipad3 und Werbung auf lock screens etc....zudem >100.000 weniger auf ein tablet zugeschnittene apps...zumdem kann ich ueber die kindle apps auch amazon Inhalte auf dem ipad lesen... kurzum, das iPad bleibt das weit bessere tablet und fuer eur 100 mehr bekomme ich wesentlich mehr content und apps, ein kindle paperwhite ist ein nettes Zusatzgeraet wenn man zb am pool und in der prallen sonne lesen will....

Antworten Gast: Gast: Relationen
09.09.2012 13:03
10 3

Re: umstieg

was soll das für eine Gegenüberstellung sein?

Hier mal die Daten von der Apple und Amazon Homepage:
Ipad 3; Gewicht 662g; Display 9,7" (264 ppi); Preis 479€
Kindel Fire HD; Gewicht 566g; Display 8,7" (254 ppi); Preis 299$

Preis/Leistung wäre der Kindle für meine Bedürfnisse eindeutig erste Wahl.

Gast: abzocken, wo es geht
09.09.2012 10:39
9 0

die EU, gut für freien Waren- und Dienstleistungsverkehr

Vielleicht noch einmal einige andere Mautstellen eeöffnen, damit noch weitere Raubritter die Hand aufhalten.

Es wird doch möglich sein, der Medienindustrie die gleichen Vorgaben zu machen wie sonstiger Anbieter von Produkten. Einige Cent für EUweite Ausstrahlung und wie viele den Schmonzes dann tatsächlich gesehen haben, lässt sich als Faktor ja nachträglich eruieren.

Ist ärgerlich

Vo ein paar Tagen wollte ich mir eine bestimmte Digitalkamera bestellen. Nur Versand in Deutschland. Ging mir auch bei anderen Produkten schon so.

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Re: Ist ärgerlich

dann liegts aber wohl an AT und nicht an der EU.

Re: Ist ärgerlich

ich regle das für dich, habe eine adresse in d und komm dort ab und zu vorbei. gilt für alle hier. 2,50 fürs holen plus österr post.

Gast: gehtgarnicht
08.09.2012 20:19
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der EU gelingt es nicht???

Der Autor hat offensichtlich keinerlei Ahnung von der Funktionsweise der Union. Also wenn schon, dann müsste es heißen: "der Kommission gelingt es nicht". Gelingen kann ihr dies nur, wenn sie die nationalen Regierungen überzeugen kann - die sind aber großteils (Deutschland, Großbritannien, Spanien, aber auch Österreich, uvm) eher der Filmindustrie als den Verbrauchern zugetan - dies ist umso unverständlicher, als erstere großteils in den USA zu Hause ist während die europäischen Konsumenten Wähler sind. Solange die Presse und andere Medien aber solche irreführenden Artikel schreiben wird es wohl dabei bleiben, dass die nationalen Regierungen ihre Hände in Unschuld waschen und die Schuld "Brüssel" untergeschoben wird, obwohl die Kommission hier sehr gerne agieren würde - eine entsprechende Initiative von ihr gibt es ja.

3 2

Re: der EU gelingt es nicht???

ich stimme ihn voll zu.
langsam kann "die Presse" mit "der Krone" fusionieren.

PS: ähnlicher Schwachsinn beim Artikel übers Kürbiskernöl.
leider werden 90% der Leser den Schwachsinn auch noch glauben.

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Tolle EU

Nicht einmal das bringt sie zusammen. Traurig, außer massiver Geldumverteilung Null Nutzen für die Bürger!

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Re: Wach doch auf !

das liegt nicht an der EU; sondern alleine an der AKM (http://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_der_Autoren,_Komponisten_und_Musikverleger)
.
Denn wir brauchen ja unbedingt - eine Österreichische Autoren-Vereinigung; die hat ein super Büro, Manager mit Sekretärin und Dienstwagen, extra Boni, etc. Und das alles ist natürlich nur für die armen Künstler, die hätten ja sonst keine rechtliche Vertretung -- oh je

Antworten Antworten Gast: zynischer_zweifler
09.09.2012 16:20
0 9

Re: Re: Wach doch auf !

manager mit dienstauto und sekretärin.

eine künstlervereinigung?

bitte, in welcher welt lebst du?

Re: Re: Re: Wach doch auf !

zynischer_zweifler: Wissen Sie über Warenwert und URA Ihrer Festplatte/Scanner/Drucker CD/DVD ... Bescheid? vermutlich genausowenig wie vom "Rest der Welt!"

Re: Re: Wach doch auf !

Beide abschaffen!!!

Amazon

mann sollte erwähnen, dass Amazon Österreich auch von der Verkaufsliste anderer Produkte ausschliesst.

Hidemyass

mit hide my ass oder ähnlichen services lassen sich auch in ö gesperrte inhalte ansehen.

Re: Hidemyass

Und doch kann man damit nichts bestellen...

Selbes Problem beim Nexus 7

Google verkauft das Tablet nahezu zum Produktionspreis, den Gewinn machen sie erst durch die Verkäufe im Play Store.
Solange es im österreichischen Play Store nichts zu kaufen gibt, gibt es für Google auch keinen Grund, das Nexus 7 in Österreich anzubieten.

Gast: Lecter
08.09.2012 05:13
16 3

..in der EU gibt es Bemühungen...

Die EU ist zum Selbstbedienungsladen für abgehalfterte Politiker geworden - eine riesige Bürokratie welche im Grunde gegen die eigene Bevölkerung agiert.

Gast: Bruder Kain
08.09.2012 01:22
21 2

Hauptsache, das mit der Gurkenkrümmung

und mit dem Verbot der Glühbirnen ist erfolgreich durchgeführt worden. Wen kümmern schon Hightech-Produkte? - Was für ein Verein.

Re: Hauptsache, das mit der Gurkenkrümmung

Das die "Gurkenkrümmung" ein Wunsch des Versandhandels war, negieren Sie geflissentlich (oder wissen sie es nicht?)!

Und überhaupt wurde diese Verordnung ABGESCHAFFT.

Und jetzt wünscht sich der Handel wieder so eine Verordnung! Warum wohl? Etwa deshalb, weil die Konsumentin nur "gerade, saubere" Produkte kauft?!

Re: Re: Hauptsache, das mit der Gurkenkrümmung

Mit Versandhandel meine ich die Transportwirtschaft. Also nicht klassische Versandhäuser wie Amazon.at

Gast: UPC_Zwangskunde
07.09.2012 22:51
0 1

UPC ist klein?

FYI

Liberty Global hat über 20.000 Mitarbeiter und macht über $ 10 Mrd. Umsatz im Jahr

Re: UPC ist klein?

gvtõ

Antworten Gast: Leser
08.09.2012 08:31
14 0

Re: UPC ist klein?

Und UPC Österreich ist ein hochrentabler Bereich weil dank der österreichischen Mafiastrukturen keine Konkurrenz herrscht - Satellit dürfen oder könnens in der Stadt nicht montieren, kleine Anbieter gibt es so gut wie gar nicht bleibt nur A1...

 
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