Deutsche Eltern haften nicht für Downloads ihrer Kinder

16.11.2012 | 18:33 |   (Die Presse)

Eltern müssen die PCs ihre Kinder nicht überwachen – Aufklärung reicht, so ein deutsches Gericht.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Karlsruhe/Reuters. Eltern haften für ihre Kinder? Im öffentlichen Raum vielleicht. Aber im Internet? Nein, sagt der deutsche Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe: Eltern haften für den illegalen Online-Musiktausch ihres minderjährigen Kindes grundsätzlich dann nicht, wenn sie den Nachwuchs ausreichend über das Verbot einer Teilnahme an Internettauschbörsen belehrt haben.

Mehr zum Thema:

Erst wenn die Eltern Anhaltspunkte für illegale Aktivitäten ihres Kindes hätten, müssten sie den PC kontrollieren. Der BGH hob damit ein Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Köln auf.

 

Emi klagte Eltern

Das Paar, ein Chefarzt und seine Frau, war unter anderem von Emi Music Germany wegen Urheberrechtsverletzung verklagt worden. Denn bei einer Durchsuchung hatte sich herausgestellt, dass der damals 13-jährige Sohn 2007 über Monate hinweg illegal Musik aus dem Internet heruntergeladen und auf Internettauschbörsen angeboten hatte.

Das Kölner OLG gab den Klägern recht und verurteilte das Paar wegen Verletzung der Aufsichtspflicht zu 3000 Euro Schadenersatz. Die Eltern hätten sehen müssen, dass auf dem PC Tauschbörsenprogramme, sogenannte Filesharing-Software, aufgespielt und zum Teil auch auf dem Desktop sichtbar gewesen seien, hatte es geheißen.

Das OLG habe Anforderungen an ein ideales Elternpaar gestellt, das mit allen Wassern gewaschen sei, kritisierte der vorsitzende Richter Joachim Bornkamm und fragte: Müssen Eltern ihren Kindern denn grundsätzlich misstrauen?Nein: Eltern müssten ihr Kind weder beim Surfen überwachen noch den PC regelmäßig überprüfen oder den Internetzugang sperren, hieß es in der BGH-Entscheidung dann auch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

3 Kommentare

Leider

wird in diesem Artikel mit keinem Wort erwähnt, dass der Anwalt des Klägers anschließend für Ohrfeigen als Erziehungsmethode eintrat.


richtige entscheidung

endlich eine richtige entscheidung die der lobby nicht schmecken wird.
warum sollten eltern ihren kindern grundsätzlich mißtrauen?
wenn die film,- und musikindustrie nur mit klagen weiterkommen will anstatt durch innovation muß sie eben so lernen.
wobei illegale downloads absolut nicht zu unterstützen sind.
nur sind die legalen kunden die geneppten...serien/filme bekommen sie später... man darf legal erworbene inhalte nicht für (eigene) portable wiedergabegeräte konvertieren...die erste minute vergeht mit belehrungen/verboten
hallo!! die sachen wurden legal erworben. lobby denk nach...


Netter Kommentar hierzu

Meine Anwältin meinte sogar dass in einem Mehrpersonenhaushalt mit nur einem Internetzugang letzlich niemand belangt werden kann, da die Schuldfrage nicht geklärt werden kann wenn die Computer kein Passwort haben, das hebelt die ganze Geschichte komplett aus

Smartphone aus Österreich

» Mehr Tech-Jobs auf Karriere.DiePresse.com

AnmeldenAnmelden