ITU-Chef: "Geht nicht darum, das Internet zu übernehmen"

03.12.2012 | 14:19 |   (DiePresse.com)

Der Generaldirektur der Internationalen Fernmeldeunion versucht Bedenken über Zensur und Machtspiele zu zerstreuen. Vielmehr soll es 4,5 Milliarden Menschen ermöglicht werden, ins Internet zu gelangen.

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Delegationen aus 193 Staaten sind am Montag im Golfemirat Dubai zusammengekommen, um über eine Neufassung der Regeln für die internationale Telekommunikation zu beraten. Mehrere Mitglieder der zu den Vereinten Nationen gehörenden Fernmeldeunion (ITU) wollen erstmals auch das Internet in diese Regelungen einbeziehen, die in ihrer jetzige Fassung 1988 beschlossen wurden. Das stößt auf den Widerstand westlicher Staaten, die sich für eine Beibehaltung der offenen, dezentralen und nichtstaatlichen Struktur des globalen Computernetzes einsetzen.

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4,5 Milliarden Menschen offline

"Die ganze Welt hört uns zu", sagte ITU-Generaldirektor Hamadoun Touré zu Beginn der Konferenz und wies damit einen iranischen Delegierten zurecht, der einen Einwand gegen die Tagesordnung vorgebracht hatte. In seiner Eröffnungsansprache zeigte sich Touré bemüht, der massiven Kritik an der Weltkonferenz für die internationale Telekommunikation (WCIT) entgegenzuwirken: "Es geht der WCIT nicht darum, das Internet zu übernehmen. Und es geht der WCIT nicht um eine Internet-Regulierung. Es geht darum sicherzustellen, dass wir die 4,5 Milliarden Menschen mit dem Internet verbinden, die immer noch offline sind."

Der ITU-Generaldirektor sprach sich für den sogenannten Multi-Stakeholder-Ansatz aus, bei dem eine Einbeziehung aller beteiligten Parteien angestrebt wurden, unter ihnen auch die Internet-Nutzer. Die ITU habe nicht die Absicht, eine Rolle bei zentralen Internet-Aufgaben zu übernehmen wie die Regelung von Internet-Adressen. Die ITU stelle hier nicht die Kompetenz der nicht staatlichen Internet-Verwaltungsorganisation ICANN in Frage.

Zu der Konferenz wurde eine Vielzahl von Vorschlägen eingebracht. In einem russischen Entwurf heißt es: "Die Mitgliedsstaaten sollen gleiche Rechte haben, das Internet zu managen." Außerdem wird auch davon geredet, "das nationale Internet-Segment zu regulieren". Dies wäre ein Frontalangriff auf das globale Computernetz in seiner bisherigen Form. Aber schon jetzt filtern einzelne Staaten wie China regelmäßig unliebsame Internet-Inhalte aus.

Netzbetreiber wollen Google zahlen lassen

Die Vereinigung europäischer Netzbetreiber (ETNO) hat vorgeschlagen, dass künftig Firmen mit großen Datenmengen im Internet wie Skype oder Google Gebühren für die Nutzung des Datennetzes zahlen sollen. Dieser Vorstoß unter dem Schlagwort "Sender pay" (Absender zahlen) stößt bei Netzaktivisten auf entschiedene Kritik, die eine Einschränkung der Informationsfreiheit befürchten. Denn der Vorschlag würde das Ende der sogenannten Netzneutralität bedeuten.

Neben den Beratungen im Plenum widmen sich Arbeitsgruppen einzelnen Teilen des Regelwerks. Die Konferenz der UN-Organisation ist bis zum 14. Dezember angesetzt, Ergebnisse müssen im Konsens erzielt werden.

(APA/dpa)

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79 Kommentare
 
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Wo ist bitte der Aufschrei??

In den meisten Medien wird nur am Rande berichtet. Und auch hier nur eine nüchternde Meldung. Warum das nicht zum Top-Thema machen??? Stattdessen gibt es wieder was vom grenzdebilen Strasser-Gebrabbel!!!

Das Problem ist,

daß die Sache zu abstrakt für die meisten Leute ist.

Die Tatsache, daß "sender pays" eine radikale Abkehr von den Grundsätzen, von denen das Netz bisher geleitet war bedeutet, ist für Leute, die glauben, pro Mb bezahlen schwer verständlich.

Es war klar, daß der Backlash der Telcos, die sich immer mehr auf die Rolle eines simplen Paketspediteurs zurückgedrängt sehen irgendwann kommen musste. Solange ihnen jedoch kein Schulterschluss mit den Regierungen der USA oder der EU gelingt, besteht nur geringe Gefahr - dies gilt es aber mit allen Mitteln zu verhindern.

Logisch

Da das "Internet" eine Art rechtsfreier und uneingeschränkter Raum ist, ist es nur logisch, dass sich das auf die verschiedenen politischen Interessen wie Feuer zu Wasser verhält.

Die noch hinzukommenden wirtschaftlichen Interessen, die durch die Ex-Politiker als Lobbyisten vertreten werden, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Freiheit des "Internets" vorüber ist.

Re: Logisch

Auch wenn man es noch 1000 mal wiederholt wird der Schwachsinn nicht richtig: Das Internet ist alles andere als ein rechtsfreier Raum.

Bilden Sie sich!

NWO

Die Neue Weltordnung Laesst Gruessen!!

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Re: NWO

'Weltregierung' ist eben kein Konzept von Verschwoerungsspinnern sondern Realitaet. Ebenso wie die EU, die wir nicht einmal mehr prinzipiell direkt demokratisch kontrollieren koennen und die zunehmend unantastbar wird (ESM Immunitaetsklauseln), wird unser Leben zunehmend von unsichtbaren,unentrinnbaren Kraeften gelenkt, die, unter dem Vorwand uns beschuetzen zu wollen, volle Macht ueber uns verlangt.

Re: Re: NWO

Genau deswegen werden uns die Scheuklappen verpasst .... Ich glaube leider nicht an einem Zufall (oder die Überzeugung), der den großteil der Medien dazu bringt die selbe Geschichte mit dem selben Inhalt abzudrucken.

Es muß immer

Leute geben, die andere auspionieren, abhorchen usw. Früher haben das die Pfaffen durch die Beichte erledigt.
Aber man stelle sich vor, das gemeine Volk erfährt von den dunklen Machenschaften der Regierenden und der Großindustriellen. Für Cash vergiften die Pharmaindustriellen und Lebensmittelproduzenten die Menschen mit lachendem Gesicht. Mitwisser die Politiker. Da kann man natürlich kein Internet brauchen. Wikileaks war schon in Ordnung!

Ja zurKontrolle!

Das Internet war eine Sturzgeburt, die Staaten hatten keine Gelegenheit, es in wohlgeordnete behördliche Strukturen einzubetten. Dadurch ist es zu einem Tummelplatz von Kinderschändern, Geldwäschern und Holocaustleugnern verkommen.

Auf Grund der eminenten Bedeutung des Internets ist es völlig logisch und klar, dass die Staaten die Kontrolle darüber haben wollen. Wie gefährlich das Internet sein kann, hat sich in diversen jüngeren Kriegen gezeigt, als unqualifizierte Meldungen und Fotos (AbuGhraib!) herumschwirrtenen, ohne Blockademöglichkeit. Auch müsste der Kampf gegen Feinde in den eigenen Reihen, wie Wikileaks, nicht mehr auf dubiose sexualrechtliche Nebenfronten verlagert werden.

Last but not least ist auch das gewaltige Steuersubstrat zu bedenken, das ein behördlich erfasstes Internet wäre. Eine Internetsteuer könnte höchst ergiebig sein und könnte viele Staaten sanieren!

Daher JA zu den Bestrebungen der ITU!
:-)

Re: Ja zurKontrolle!

Für alle Rotstrichler hier:

Ich halte mal das "Sarkasmus-Schild" hoch...

Re: Ja zurKontrolle!

@ diaboli!

Nichts für ungut, ich habe Ihnen einen Minuspunkt geben müssen.

Ist Ihr Beitrag satirisch gemeint? Ich würde es hoffen.

Re: Ja zurKontrolle!

voll getroffen - aber sarkasmus muss man anzeigen
;-)

Re: Ja zurKontrolle!

Wer glaubt alles kontrollieren zu müssen ist ein Dumpfbeutel.
Das größte Problem der Politiker ist die Bildung der Menschen, und mit solchen Massnahmen möchte man die Informationsquellen beschneiden um die Macht der vorgegebenen Systemmedien zu stärken.

Friedensnobelpreisträger läuft Gefahr die Meinungsfreiheit zu beschneiden, welch riesiges Theater ....

Grauenhaft - das Problem werden die

Schablonen werden, die manche Firmen bereits benutzen um personalisierte Werbung zu schalten. Schon jetzt kann man Leute in Gruppen einteilen die zB. ihre politische Gesinnung widerspiegeln - siehe US Wahlen. In Kombination mit GPS am Handy usw ist dieser Datenkontrollwahn eine reale Gefahr für unsere freie Gesellschaft.

Re: Grauenhaft - das Problem werden die

Zensur pur

Wir brauchen gute Hacker um das frei Internet zu verteidigen und zu erhalten.



Komischer Zufall ...

... dass ausgerechnet die Änderung der Facebook Nutzerbestimmungen zu diesem Zeitpunkt zur Anwendung kommen die jegliche Verantwortung von Copyright von sich wendet.

Zusammen mit der Vorratsdatendicherung, Krankenakte und flächendeckende Kameraüberwachung ist das der nächste Schritt zum gläsernen Bürger, und zur Zerstörung der Persönlichkeitsrechte.


Schritt für Schritt...

zum gläsernen Menschen! Bald sind wir da!

Das wird noch lustig werden. :-(

In den Schulen ist es IN Referate mit der Hilfe des Internets zu erstellen bzw. zu recherchieren.

Bücher sind Schnee von Gestern.

So kann man dann Wissen maßgeschneidert eintrichtern.

Schöne neue Welt.

Re: Das wird noch lustig werden. :-(

unser kind kommt nächstes jahr, und das erste, was ich ihm kaufe, ist ein buch. soviel steht fest. zumindest ab einem gewissen alter.

es ist doch immer so: wenn eine erfindung von allen angenommen wird, hat nach einer mehr oder weniger langen zeit der staat den finger drauf. entweder besteuernd oder zensierend. muss man sich eben distanzieren. wege wird es immer geben.

freiheit ade...

und noch ein rückschritt in unserer gesellschaft. abhörmethoden und einschränkungen sind nicht gerade das, wofür unser kontinent in den letzten jahrzehnten gekämpft hat. ich hoffe, dass die eu zu diesem thema einigkeit zeigt. wir müssen frei bleiben!

Klingelts eigentlich bei niemanden hier?

Zitat: dass die ITU einen Standard für Deep Packet Inspection (DPI) verabschiedet hat. Dabei handelt es sich um eine Abhörmethode, die jeglichen Datenverkehr komplett durchleuchtet. E-Mails, Twitter-Nachrichten oder anderweitig übermittelte persönliche Daten können damit eingesehen werden.

Orwell schau oba! Wie kann eine exklusive UN Behörde über ein weltweites Medium im Alleingang beschließen? Österreichische Regierung, bitte offizieller Protest!! Rasch!!

OsI_Modell

„Bereits letzte Woche gingen die Wogen hoch, als bekannt wurde, dass die ITU einen Standard für  Deep Packet Inspection  (DPI) verabschiedet hat. Dabei handelt es sich um eine Abhörmethode, die jeglichen Datenverkehr komplett durchleuchtet. E-Mails, Twitter-Nachrichten oder anderweitig übermittelte persönliche Daten können damit eingesehen werden. „
Was sagen die Unternehmen dazu welche EDI für die Kunden betreiben?
z. B
Werden dann die ganzen elektronischen Lohnzetteln (Edifact-Nachrichten) welche an die Kassen und das Finanzamt fließen auch durchleuchtet?
Oder die ganzen Zolldaten?
Oder die ganzen Bestellungen/Lieferungen...
Dann auch noch die verpflichtende Vorratsdatenspeicherung durch die Provider und alles ist perfekt...

Dann kann man ja das Datenschutzgesetz gleich auf die Müllkippe schmeißen.

Willkommen im Globalen Iran

Vor 2 Monaten hat man den Iran wegen seiner Zensurkriterien noch kritisiert, heute stehen wir in den gleichen Verhandlungen wie die iranische Opposition.


Re: Willkommen im Globalen Iran

Zuckerl:
.....Bisher wurde aber alles rund um die WCIT 2012 unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt. Deshalb herrscht große Unsicherheit. Denn unter den Mitgliedsländern sind Staaten wie der Iran, China oder Indien, die allesamt eine strenge Kontrolle über das Internet ausüben.....

 
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