Facebook lässt über Nutzer-Abstimmungen abstimmen

04.12.2012 | 08:44 |   (DiePresse.com)

Die letzten Richtlinien-Änderungen haben genug Kommentare erhalten, um eine Nutzer-Abstimmung zu erzwingen. Es wird wohl das letzte Mal sein.

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Wie erwartet hat Facebook die wohl letzte Nutzer-Abstimmung über wichtige Regeländerungen gestartet. Die mehr als eine Milliarde Nutzer haben nun eine Woche Zeit, unter anderem darüber zu entscheiden, ob solche Abstimmungen abgeschafft werden. Das Online-Netzwerk will auf das Mitspracherecht verzichten, nachdem bei der vergangenen Meinungsäußerung nur 0,04 Prozent der Mitglieder teilgenommen hatten.

Die Hürde für einen Erfolg einer Facebook-Abstimmung ist hoch: Es müssen 30 Prozent aller Mitglieder teilgenommen haben. Das wären aktuell über 300 Millionen Menschen, also in etwa soviele, wie die USA Einwohner haben. Facebook will die Abstimmungen unter anderem durch neue Gelegenheiten ersetzen, direkt Fragen an die Verantwortlichen für Datenschutz zu stellen. In den ersten Stunden seit Beginn der Abstimmung am späten Montag stimmten rund 19.000 Nutzer gegen die neuen Regeln und nur gut 2200 dafür. Dass es überhaupt zu einer Abstimmung kommt, bedeutet, dass mindestens 7000 Mitglieder einen Kommentar dazu abgegeben haben. Anregungen aus diesen Kommentaren sind laut Marketing-Chef Elliot Schrage in Absprache mit der irischen Datenschutzbehörde in die neuen Richtlinien eingearbeitet worden. 

Facebook will mit der Regeländerung auch einige Datenschutz-Einstellungen erneuern. So behält sich das Online-Netzwerk das Recht vor, Daten mit anderen Firmen im Konzernverbund zu teilen - was angesichts von Übernahmen wie etwa dem Kauf des Fotodienstes Instagram notwendig wurde. Auch wird jetzt klarer darauf hingewiesen, dass andere unter Umständen weiterhin Informationen sehen können, die man aus dem eigenen Profil entfernt hat. Dies hatte die zuständige irische Datenschutzbehörde gefordert.

Wiener Studenten wollen klagen

Die Wiener Studentengruppe "Europe-v-Facebook" wirft der Behörde in einer Aussendung vom Montag "extreme Schlampereien" vor. Die Gruppe hatte eine Datenschutzbeschwerde eingereicht und fürchtet, dass die Behörde in dem Verfahren "blind vertraute". Die Studenten haben nach wie vor keine Akteneinsicht, wollen sich aber bereits auf ein Berufungsverfahren vorbereiten. Die Kosten schätzt Initiator Max Schrems auf bis zu 300.000 Euro, die nun über Spendenplattformen gesammelt werden sollen. Gleichzeitig kann sich Schrems vorstellen, Facebook selbst vor Gericht zu ziehen und rechnet sich g"große Chancen" aus, dass das Verfahren "bis zum Europäischen Gerichtshof gehen" könnte. 

 

(APA/dpa/Red. )

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