Wiener Student will gegen Facebook vor Gericht ziehen

04.12.2012 | 16:30 |  VON MATTHIAS AUER (DiePresse.com)

Was darf Facebook mit Daten europäischer Nutzer machen? Höchstrichter sollen das klären, so Max Schrems.

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Wien.  „Unglaublich nichtssagend!“ So beschreibt Max Schrems den Abschlussbericht der irischen Datenschutzkommission über Facebook. Der Wiener Jus-Student hatte vor gut einem Jahr 22 Beschwerden gegen den Konzern bei der zuständigen Behörde in Irland eingebracht, wo Facebook sein Hauptquartier in Europa hat. Eine konkrete Antwort hat er bis heute nicht bekommen. Die Behörde beschränkte sich auf einen allgemeinen Bericht, der Facebook zwar zu einigen Änderungen gezwungen, in weiten Teilen aber freigesprochen hat. Jetzt will Schrems mit der Initiative „Europe-v-Facebook“ selbst gegen das weltgrößte digitale Netzwerk vor Gericht ziehen.

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„Facebook blind geglaubt“

 „Wir bereiten uns intensiv auf eine Klage vor“, sagt der 25Jährige zur „Presse“. Denn auch wenn Facebook in Europa etwa die automatische Gesichtserkennung abschalten musste, habe „die irische Datenschutzkommission Facebook im Grunde blind geglaubt“, ärgert er sich. Die Behörde sei nicht nur „überfordert“ gewesen, offenbar habe es in Dublin auch politisch kaum Interesse gegeben, gegen den Konzern anzugehen, weil das Land auf die Jobs der Technologiekonzerne angewiesen sei, mutmaßt Schrems. Gary Davies, der stellvertretender Datenschutzkommissar in Irland, widersprach dieser Darstellung heftig. Die Jobs, die Google oder Facebook in Irland schaffen, stünden nicht im Zusammenhang mit der Arbeit seiner Behörde.

Der angehende Jurist Schrems will sich nun selbst mit den Anwälten des Wallstreet-Konzerns messen und notfalls vor den Europäischen Gerichtshof ziehen. 21 Tage bleiben für einen Einspruch. Die erwarteten Prozesskosten sind mit 100.000 bis 300.000 Euro hoch. „Es ist eine Kamikaze-Aktion. Aber eine mit Fallschirm“, sagt Schrems. Er hofft, unter der Milliarde Facebook-Nutzern genug Menschen zu finden, die am Schutz ihrer Daten interessiert sind und über Spenden die Prozesskosten finanzieren.

Die Liste der Mängel ist lang. So haben etwa jene 40.000 Nutzer, die wie Schrems Auskunft über ihre Daten haben wollten, bis dato keine Chance, alle Daten zu erhalten. Das Online-Tool, das der Konzern zur Verfügung gestellt hat, sei fehlerhaft. „Es fehlen tonnenweise Daten“, sagt Schrems.

Facebook steht unter dem Druck seiner Investoren, aus den Daten seiner Nutzer mehr Gewinn zu generieren. Die Klagsdrohung nahm der Konzern gelassen hin: Der Datenschutz bei Facebook übersteige Europas Anforderungen, ließ ein Sprecher wissen. „Trotzdem gibt es immer wortreiche Kritiker, die nie zufrieden sein werden, egal was wir tun“.

Bald wird sich Max Schrems tatsächlich nicht zufrieden geben. Er stellt sich auf einen Prozess ein, der „drei bis vier Jahre“ dauern könne. Dabei gehe es nicht um den Konzern, sondern darum, grundlegende Fragen des Datenschutzes zu klären. „Facebook gibt es dann ohnehin nicht mehr“.

("Die Presse" Printausgabe vom 5.12.2012)

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23 Kommentare

Fb

Von was muss der Fb verein leben, zb von einigem zucker (euro,s) die ich schon für werbung auf Fb bezahlt habe, Keiner muss hier auf Fb seine daten reinstellen, auch sich nicht anmelden, Fb is keine karitas, und lebt nun mal von werbung… für mich ist,s verständlich

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Zuckerberg's Facebook Apology

Aktueller denn je! ;-)

http://www.youtube.com/watch?v=O6nBhhnnuOM

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Karil

Wer sich bei Facebook anmeldet stellt freiwillig Daten ins Internet. Dass man mit Daten viel Geld verdienen kann zeigt schon Google. Ich seh kein Problem damit sozusagen mit Daten den Herrn Zuckerberg zu bezahlen. Niemand wird gezwungen sich anzumelden. Und ernsthaft es geht ja im Grunde um Statistik Werte, die gebraucht werden. Als ob man damit Geld verdienen würd wenn man weiß wo wer wann war, der in keinem Bezug zu irgendwas steht.

Es geht in dem Artikel um so nen 25 Jus Student? Der wird wie Facebook auch nicht aus Menschenliebe seine "Dienste" anbieten. Will nen Ruf und daraus Geld machen. Solche scheinheiligen Hanseln sind das letzte...

Re: Karil

richtig, und nachdem FB keine karitas ist muss von was leben, dh von den werbeeinschaltungen die ich auch schon gemacht hab, auf FB...

Re: Karil

1. Es werden nicht nur Statistiken verwertet, oder gezielt Werbung geschaltet. Vielmehr geht es um die Datenmenge und was sich davon in Zukunft verkaufen lässt.

2. Facebook ändert willkürlich Richtlinien und nimmt damit dem Nutzer die Möglichkeit über seine Daten zu bestimmen. Würde Facebook genau definieren, was es an Daten von Personen hat und welche davon wie verwertet werden, könnte sich ja jeder mündige ein Bild davon machen.

3. Facebook sammelt auch Daten von Personen, die nicht diese Person selbst Facebook gibt. Z.b. Kommentare und Bilder von anderen Nutzern, die man nicht kontrollieren kann. Würden diese nicht verwertet, so wäre das ja auch kein Problem, werden sie aber.

4. Die Rechtslage verbietet nuneinmal solche Geschäftsmodelle. Das europäische Recht spricht einem nämlich die zu, zu bestmmen welche Daten verwertet werden dürfen und welche nicht. Es muss also jeder Nutzer informiert und gefragt werden bevor bestimmte Daten von ihm weitergegeben werden. Ebenfalls muss einem die Möglichkeit gegeben werden einzusehen, was an Daten vorhanden ist und es muss die Möglichkeit geben diese zu entfernen.


Re: Re: Karil

...sehr schlau, du bist eh nicht auf FB denke ich, und eine werbung hast sicher auch noch nicht auf FB gemacht. dh du hättest alles gerne gratis, bzw. andere sollen zahlen, oder denkste FB is die karitas?

3 1

Re: Karil

Sie sind aber ganz schön naiv. In unserem Rechtssystem erfordert es einen Gerichtsbeschluss, eine Hausdurchsuchung durchzuführen, Telefon abzuhören oder Briefe abzufangen.

Facebook, Google und andere nehmen sich dieses Recht heraus und verkaufen das.

D.h. Behörden in einem Rechtsstaat haben weniger Rechte als sich manche Privatfirmen einfach nehmen.

Das ist doch alles andere als harmlos.

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Re: Re: Karil

Sie speichern auf den Servern von Facebook und Google.
Diese Firmen hören ja nicht das Internet ab, sondern analysieren nur das, was auf ihren eigenen Servern liegt.
Zusätzlich sichert sich auch die US-Regierung durch den Patriot Act die Möglichkeit auf die Daten von Unternehmen zuzugreifen, auch jene von Ausländern.
So what? Sie können auch Ihren eigenen Dienst starten und keiner kann Ihnen was...

Re: Karil

Könnte sich einen durchaus so darstellen, wenn man keinen bezug mehr werten werden und prinzipien hat.

fb

kamikaze aktion * mit fallschirm * ... danke. und zahlen sollen die mitglieder? es kommen doch kaum mitglieder bei fb datenschutz abstimmungen zusammen. wer fb nicht traut: einfach abmelden. das leben funktioniert auch ohne. von echten freunden hat man die telefonnummer.... da kann man auf die anderen 399 verzichten. :-)

dabei ...

... wäre die Lösung für einen "mündigen Verbraucher" doch so einfach:

Wer mit den Geschäftsbedingungen eines amerikanischen Unternehmens nicht einverstanden ist, nutzt einfach dessen Dienste nicht, auch wenn sie noch so kostenlos sind.

Dieses Anspruchsdenken bei (vermeintlich) kostenlosen Diensten ist irgendwie zum Kotzen und zeigt nur die Umündigkeit der europäischen Wohlstandsverwahrlosten.

Natürlich gibt's Facebook samt teurer Infrastruktur nicht, damit Kreti und Pleti ungehemmt ihre privaten Nichtigkeiten in die Öffentlichkeit tragen können, sondern damit sie anhand dieser Daten mit Werbung zum Kauf (genau, jetzt geht es um Kohle) bewogen werden können.

P.S. und von wegen "Monopoleinwand" ... kein Mensch braucht Facebook, nicht wirklich zumindest.

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Re: dabei ...

So einfach ist es leider nicht. Sie können auch einen Computerdrucker nicht nutzen, wenn Sie nicht zustimmen, dass die Nutzungsdaten übers Internet an den Hersteller weitergeleitet werden.

Man kann nicht nichts mehr verwenden. Auf Facebook und Google kann man verzichten, aber es ist schon umständlich - mitunter unmöglich - ein Computergerät in Betrieb zu nehmen, wenn es keine Internet-Verbindung gibt.

Wenn Sie ein Android-Gerät kaufen, dann können Sie kaum Anwendungen installieren, wenn Sie kein Google-Konto anlegen, weil die meisten Anwendungen nur über Google-Play herunterladbar sind. Bei Apple iOS sowieso. Aber Android soll ja angeblich so frei und so offen sein.

Und das wird zunehmend schlimmer.

Re: Re: dabei ...

offenbar will es der Konsument so.

und es gibt sehr wohl Geräte und Software, die nicht "nach Hause telefonieren".

Allerdings meist nicht so bunt und einfach, dafür öfter mal kostenlos (zumindest die Software)..

Wir dürfen nicht nur an der Urne wählen, sondern auch bei der Wahl der Produkte. Ist tatsächlich so.

Solange aber lauter "mündige Wähler" immer den einfachsten Weg wählen, und erst hinterher darauf kommen, dass das eventuell ein Schuss ins Knie war, wird sich gar nichts ändern.

Und das nicht nur bei Facebook & Co.

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Re: Re: Re: dabei ...

Der Konsument will es sicher nicht so, aber es wird ihm keine Wahl gelassen. Man kann sich freilich einen Drucker kaufen, der minderwertiger ist, beispielsweise.

Geräte, die Daten aussenden und die User ausspionieren gehören einfach von vornherein verboten.

kinder...

haha

2 12

Österreichischer Student ...

Salzburger, der in Wien studiert

Diese Wiener Bazi,
den Mozart wollten's uns auch schon wegnehmen ;-)

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Re: Österreichischer Student ...

Karriere hat der Mozart im Wien gemacht. In Salzburg hätte er nur den Tabernakelwanzen imponieren können. Und bitte nicht vergessen sein Vater war Nürnberger !!!!

„Es fehlen tonnenweise Daten“ - Information hat kein Gewicht. Eine leere Festplatte ist genau so schwer wie eine volle. Kurzum: Dieser Wichtigtuer hofft doch nur, dass er die schnelle "Kohle" macht.

2 2

Re:

Aber ja, umgangssprachlich stimmt das schon. Sie haben wohl mit IT nichts zu tun.

Re: Re:

Ja, klar! Weil Einsen schwerer sind als Nullen. ;-)
Oder meinten Sie im metaphysischen Sinne? Dann spräche das wieder für die Theorie der Schwere. Wir sollten vielleicht mal eine Anfrage an den Vatikan senden.

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Re: Re: Re:

Umgangssprachlich ist es gängig so.

Bravo Max Schrems!!!


Viel mehr solche Max Schrems braucht die Gesellschaft!!

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Re: Bravo Max Schrems!!!

Ja, ein toller Bursch. Aber woraus er schließt, dass es Facebook in drei Jahren nicht mehr geben soll, wäre vielleicht auch eine interessante Frage gewesen, die man ihm stellen hätte sollen. Ich denke schon, dass sich Facebook nach dem Hype wieder etwas Verkleinern wird, aber völliges Verschwinden kann ich mir nicht vorstellen.

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