ITU billigt umstrittene Überwachung von Internet-Daten

06.12.2012 | 13:02 |   (DiePresse.com)

"Deep Packet Inspection" soll Providern helfen, den Datenverkehr besser zu verwalten. Theoretisch ließen sich aber auch Filter umsetzen.

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Die Internationale Fernmeldeunion (ITU) hat die umstrittene "Deep Packet Inspection" (DPI) gebilligt. Dabei handelt es sich um einen globalen Standard für die Untersuchung von Datenpaketen im Internet. Die UNO-Organisation teilte am Donnerstag in Dubai mit, die technische Spezifikation ermögliche es Telekommunikationsunternehmen, den Datenverkehr im Netz effizienter zu verwalten und die Qualität von Internet-Diensten zu verbessern.

Die Technik ermöglicht es aber auch, unliebsame Datenpakete auszufiltern oder langsamer zu transportieren als andere, und wird deswegen von Netzaktivisten und Datenschützern scharf kritisiert. Auf der Weltkonferenz der Telekommunikation (WCIT) in Dubai beraten die 193 ITU-Mitgliedsstaaten noch bis Ende nächster Woche über die erstmalige Einbeziehung des Internets in ihr Regelwerk. Dabei wollen mehrere Staaten wie Russland und China die Möglichkeiten für eine staatliche Internet-Kontrolle verankern. Westliche Staaten haben sich entschieden dagegen ausgesprochen. Entscheidungen sind nur im Konsens möglich.

Der Standard DPI sieht Regelungen vor, um beispielsweise Datenpakete bestimmter Anwendungen zu erkennen. Er ermöglicht damit den Einsatz einheitlicher technischer Lösungen. Der Berliner Netzaktivist Markus Beckedahl sagte, damit gebe es eine "gemeinsame Sprache der Datenverkehrsschnüffelsysteme". Das Potenzial für Missbrauch sei riesig. Die ITU betonte, der Standard mit der Bezeichnung ITU-T Y.2770 "erlaubt nicht den Zugang zu privaten Informationen von Nutzern und lässt Maßnahmen zu, um die Sicherheit des Austauschs zu gewährleisten".

 

(APA/dpa)

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7 Kommentare

Das Problem

ist nicht das man uns überwachen will, das macht man ja schon Ewigkeiten so (Stasi und jetzt Stasi 2.0), das wahre Problem ist was noch besprochen wird.

Sollte man nämlich die Gebühr für Datenmengen durchsetzten wird das Internet kostenpflichtig.
Letzten Endes wird dann aber nicht daraus folgen das wir zahlen sondern die kostenpflichtigen Dienste nicht mehr verwenden.

=> Das Internet stirbt

Manche werden ins Darknet ausweichen und der Rest lässt es einfach bleiben.

Von mir aus sollen sie mich überwachen, kann ihnen gerne die Zugangsdaten für meine Webcam geben.
Oftmals ist der einfachste Weg gegen sehr neugierige Menschen, ihnen einfach alles zu zeigen. Möglichst viel am Tag, dann wird ihnen das
a) irgendwann zu blöd
b) sie kommen mit der Analyse der ganzen Daten nicht mehr nach, sofern es genug Menschen machen.

Peinlich könnte es nur werden (für Behörden usw...) wenn die Bevölkerung sich als eine Einheit dagegen stellt. Wenn man dann alles offenlegt was unsere Politiker so treiben.

Oder vor der Wahl einen Beweis geleakt hätte das unser Bundeskanzler kein Englisch spricht.

Ich hoffe das sich mehr Menschen zur wehr setzten werden und den Befehlshabern ihre Grenzen aufzeigen und ihnen somit klar machen, das der Staat dem Volk zu dienen hat und nicht umgekehrt.


Hallo

Orwell, du Pfuscher.

Big brother is watching you!

Mit kleinen Schritten zum gläsernen Menschen. Und was fast noch erschreckender ist: den meisten Menschen ist es egal

...nur im Konsens?

Warum soll das nur im Konsens möglich sein? Wenn Russland seinen Traffic bis in den Payload begutachten will dann sollen sie sich eine Firewall an die Grenze stellen, China macht das doch schon längst. Der EU und USA kommt das gar nicht ungelegen "Es geht ja nur gemeinsam"

die renaissance der steganographie...

....aufwendig, aber machbar.

"erlaubt nicht den Zugang zu privaten Informationen von Nutzern"

Genau… und die Vorratsdatenspeicherung sollte ja auch nur zur Terrorismusbekämpfung verwendet werden, nicht bei Urheberrechtsverletzungen, oder?

Ein Schelm, wer böses denkt…

...Diktatur...

...ab jetzt wir "alles" überwacht - wollen die auch noch in meine Unterwäsche reinschaun? Wenn ja, dann sollen sie auch gleich mein WC durchputzen - und wenn sie was finden, können sie es behalten!

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