ITU billigt umstrittene Überwachung von Internet-Daten

"Deep Packet Inspection" soll Providern helfen, den Datenverkehr besser zu verwalten. Theoretisch ließen sich aber auch Filter umsetzen.

ITU-Generalsekretär Hamadoun Toure
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ITU-Generalsekretär Hamadoun Toure
ITU-Generalsekretär Hamadoun Toure – EPA

Die Internationale Fernmeldeunion (ITU) hat die umstrittene "Deep Packet Inspection" (DPI) gebilligt. Dabei handelt es sich um einen globalen Standard für die Untersuchung von Datenpaketen im Internet. Die UNO-Organisation teilte am Donnerstag in Dubai mit, die technische Spezifikation ermögliche es Telekommunikationsunternehmen, den Datenverkehr im Netz effizienter zu verwalten und die Qualität von Internet-Diensten zu verbessern.

Die Technik ermöglicht es aber auch, unliebsame Datenpakete auszufiltern oder langsamer zu transportieren als andere, und wird deswegen von Netzaktivisten und Datenschützern scharf kritisiert. Auf der Weltkonferenz der Telekommunikation (WCIT) in Dubai beraten die 193 ITU-Mitgliedsstaaten noch bis Ende nächster Woche über die erstmalige Einbeziehung des Internets in ihr Regelwerk. Dabei wollen mehrere Staaten wie Russland und China die Möglichkeiten für eine staatliche Internet-Kontrolle verankern. Westliche Staaten haben sich entschieden dagegen ausgesprochen. Entscheidungen sind nur im Konsens möglich.

Der Standard DPI sieht Regelungen vor, um beispielsweise Datenpakete bestimmter Anwendungen zu erkennen. Er ermöglicht damit den Einsatz einheitlicher technischer Lösungen. Der Berliner Netzaktivist Markus Beckedahl sagte, damit gebe es eine "gemeinsame Sprache der Datenverkehrsschnüffelsysteme". Das Potenzial für Missbrauch sei riesig. Die ITU betonte, der Standard mit der Bezeichnung ITU-T Y.2770 "erlaubt nicht den Zugang zu privaten Informationen von Nutzern und lässt Maßnahmen zu, um die Sicherheit des Austauschs zu gewährleisten".

 

(APA/dpa)

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