Instagram will Privatfotos verkaufen

Der beliebte Bilderdienst hat seine Richtlinien überarbeitet, und die Änderungen haben es in sich. Ab Jänner soll es Instagram möglich sein, Bilder der Nutzer zu verkaufen, ohne sie dafür zu entschädigen.

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Kevin Systrom – (c) REUTERS (PHILIPPE WOJAZER)

Wien/Weber. Wer sich immer gefragt hat, wieso das Online-Netzwerk Facebook im Frühjahr eine Milliarde Dollar auf den Tisch gelegt hat, um eine Foto-App für Smartphones zu kaufen, könnte nun eine Antwort erhalten haben. Instagram, so der Name der Akquisition, hat nämlich seine Nutzungsbedingungen aktualisiert, und die Änderungen haben es in sich. So behält sich der Bilderdienst künftig vor, die Fotos der 100 Millionen Benutzer ungefragt weiterzuverkaufen – und den Erlös für sich zu behalten. Beobachter sprechen davon, dass so die größte Bildagentur der Welt entstehen könnte.

Nachtrag vom 19. Dezember, 09:30: Instagram hat reagiert und will die Nutzungsbedingungen wieder entschärfen.

Wörtlich heißt es im Unterpunkt „Rechte“ der neuen Nutzungsbedingungen, die Instagram am Montag online gestellt hat, etwa: „Sie stimmen zu, dass uns ein Unternehmen dafür bezahlen kann, Ihren Nutzernamen, Ihr Profilbild und Ihre Fotos für Werbezwecke zu verwenden, ohne dass Sie dafür entschädigt werden.“ Minderjährige ab 13 Jahren seien davon nicht ausgenommen. Vielmehr geht Instagram davon aus, dass Teenager, die den Dienst nutzen, die Erlaubnis von mindestens einem Elternteil eingeholt haben.

Instagram ist eine Anwendung für Smartphones, die auch in Österreich sehr beliebt ist. Nutzer können damit Bilder aufnehmen, diese mithilfe von diversen Filtern bearbeiten und auf ihr Profil hochladen. Freunde können diesem Profil folgen und die Bilder kommentieren. Die neuen Regeln dafür sollen am 16. Jänner in Kraft treten. Mit anderen Worten: Bis dahin haben Nutzer Zeit, ihr Profil zu löschen, wenn sie mit den Bedingungen nicht einverstanden sind.

Werbung oder „Monetarisierung“?

Dass Facebook seinen teuren Zukauf zu Geld machen will, war lange klar. Noch vor wenigen Tagen betonte Carolyn Everson, die Marketingchefin des Online-Netzwerks, dass man den bislang werbefreien Bilderdienst „monetarisieren“ möchte. Was genau das heißt – also ob es künftig Werbeschaltungen gibt oder ob Instagram anders „monetarisiert“ werden soll – wollte Facebook da noch nicht sagen. Auch am Dienstag äußerte sich das Unternehmen nicht zu seinen neuen Richtlinien.

Es ist nicht das erste Mal, dass Facebook versucht, sich die Rechte an Inhalten stillschweigend unter den Nagel zu reißen. Schon Anfang 2009 wollte das Netzwerk Beiträge seiner Nutzer ungefragt verwenden. Nach heftigen Protesten nahm Firmengründer Mark Zuckerberg die Änderungen zurück. Diesmal könnte es ähnlich ausgehen, denn die Reaktionen im Netz auf die Änderungen bei Instagram sind heftig. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter wird dazu aufgerufen, sein Konto zu löschen. Genaue Anleitungen dazu machen schon die Runde.

Rechtlich gesehen haben es die Nutzer nicht leicht. Für österreichische Instagram-Liebhaber gilt nämlich nicht automatisch heimisches Recht. Facebook hat seinen europäischen Sitz etwa in Irland, und das nicht nur aus Steuergründen. Auch die dortige Datenschutzbehörde steht im Ruf, etwas zahnlos zu sein. Auf den ersten Blick scheine die Erklärung von Instagram dennoch „schwer haltbar“, sagt der Urheberrechtsexperte Albrecht Haller. Dass so etwas Schwerwiegendes wie die Disponierung von Persönlichkeits- und Urheberrechten durchgeht, sei kaum vorstellbar. Treten die Regeln wie geplant Mitte Jänner in Kraft, müssten sie aber erst vor Gericht landen, damit sie für unwirksam erklärt werden können.

Google gibt sich weniger Rechte

Googles Richtlinien zur Verwendung der Nutzerbilder erlauben dem Unternehmen nicht so viel. Inhalte, die auf dem Bilderdienst Picasa oder dem Netzwerk Google+ verbreitet werden, dürfen nicht an Dritte verkauft werden. Auch der Fotodienst Flickr, der zur Suchmaschine Yahoo gehört, behält sich keine solchen Rechte vor.

Freilich kann es auch sein, dass Instagram keine konkreten Pläne für die Nutzung seines mittlerweile riesigen Bildarchivs hat. Allerdings räumen ihm die neuen Bedingungen alle Möglichkeiten ein. Und Facebooks Schweigen zu der Sache verkleinert die Unsicherheit nicht gerade.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2012)

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