Kim Dotcom: Mit 50 Gigabyte zur Legalität

21.01.2013 | 18:15 |   (Die Presse)

Kim Dotcom verdiente mit Usern, die seinen Internet-Dienst Megaupload für illegalen Datentausch nutzten, Millionen. Jetzt versucht er offiziell den Gang in die Legalität.

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Wellington/Wien/Ag/Red. Allein die Markteinführung sagt mehr über den aus, dem die Marke gehört, als viele Erklärungen: ein Hubschrauber, aus dem sich Stuntmen in Kampfanzügen abseilen, mit Platzpatronen schießen und brüllen „Ihr seid alle verhaftet“; Tänzerinnen in Uniformen, die den Gastgeber abführen – alles so wie bei einer Polizeiaktion vor genau einem Jahr, als der Gastgeber tatsächlich verhaftet wurde, nur eben nicht von feschen Tänzerinnen, sondern von echten Polizisten.

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Kim Schmitz, der seinen Nachnamen – auch das sagt viel über seine Persönlichkeit – in „Dotcom“ geändert hat, stellte jetzt seinen neuen Internet-Datenspeicherdienst „Mega“ vor. Sein letzter, „Megaupload“, hatte ihm 2012 den Polizeibesuch in seiner neuseeländischen Heimat beschert. Der Filehoster, so wirft ihm eine Anklage in den USA vor, sei vor allem dazu missbraucht worden, unerlaubt Filme und Musik im Internet zu verbreiten. Um die Attraktivität von Megaupload zu erhöhen, hätten Kim und seine Geschäftspartner auch selbst Filme hochgeladen und sich damit strafbar gemacht.

Mit der illegalen Internet-Tauschbörse habe der Deutsche (geboren 1974 in Kiel) Millionen verdient: Allein 2010 sollen es laut der 72 Seiten dicken Anklage 42 Millionen Dollar gewesen sein.

Alles nicht wahr, sagt natürlich Dotcom. Er habe nur den Speicherplatz zur Verfügung gestellt. Was Menschen damit machen, sei nicht seine Sache. Und weil er davon fest überzeugt ist, baut sein neues Geschäftsmodell genau darauf auf: mega.co.nz ist ein Filehoster ähnlich wie Dropbox – nur viel größer und mit einem Unterschied: Alle hochgeladenen Daten werden verschlüsselt. Dass der Nutzer davon profitiert, dürfte ein Nebeneffekt sein. Hauptgrund für Dotcom war, mit einem „Heer von Anwälten“ sicherzustellen, dass er nicht mehr für die Inhalte seines Speicherdienstes haftet. Und das tue er deswegen nicht, weil er aufgrund der Verschlüsselung nicht kontrollieren könne, welche Daten hochgeladen werden.

 

50 Gigabyte Gratisspeicherplatz

Klotzen, nicht kleckern, gilt bei der Party ebenso wie beim Datendienst: 50 Gigabyte stehen dem Nutzer von Mega kostenlos als Speicherplatz zur Verfügung. Bei der Konkurrenz sind es zwei, maximal fünf Gigabyte. Für mehr Platz zahlt man, und damit will Schmitz künftig ganz legal Geld verdienen.

Freilich kann Mega, genauso wie andere Speicherdienste, genützt werden, um Filme und Musik im Netz zu teilen: Man braucht nur einen Link zum Speicherplatz und bei Mega eben das Passwort für die Entschlüsselung.

Doch Schmitz will damit nichts (mehr) zu tun haben und weist seine Nutzer in den Geschäftsbedingungen darauf hin, dass man sowohl IP-Adressen als auch Verkehrsdaten und die Nutzung speichere. Auf die Daten können Gerichte dann im Klagsfall zugreifen.

Ob Kim Dotcoms Zukunft mit Mega so erfolgreich und glamourös sein wird wie seine Vergangenheit, darf bezweifelt werden. Nicht nur wegen der drohenden Haftstrafe, auch deswegen, weil es nicht mehr viel glamouröser geht: Teure Häuser, teure Autos, teure Partys – all das ermöglichte Megaupload, das laut Berechnungen für vier Prozent des Internet-Datenverkehrs verantwortlich war.

Demnächst soll entschieden werden, ob Dotcom von Neuseeland an die USA ausgeliefert wird. Dort drohen ihm wegen Copyright-Vergehens bis zu 20 Jahre Haft.

Auf einen Blick

Kim Dotcom (vormals Schmitz) stellte in Neuseeland seinen neuen Cloud-Speicherdienst Mega vor. Zum Millionär wurde der gebürtige Deutsche mit dem Speicherdienst „Megaupload“, der ihm aber in den USA eine Klage wegen Copyright-Vergehens eintrug. Demnächst will Neuseeland über eine Auslieferung Dotcoms entscheiden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2013)

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Lesen Sie hier weiter zum Thema:

  • Neuer Datendienst "Mega" bereits mit 1 Mio. Nutzern

    Neuer Datendienst Nur wenige Stunden nach seinem Start soll der Nachfolger von Megaupload den Meilenstein erreicht haben, berichtet Gründer Kim Dotcom. Dank lokaler Verschlüsselung weiß der Anbieter nicht, was seine Nutzer hochladen.

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16 Kommentare

Wäre auch ganz nett...

...wenn jedes Mal, wenn über diesen bösen, bösen Kim und sein Megaupload geschrieben wird, auch mit dazugesagt würde, dass seit der Schließung von Megaupload, die Einnahmen der Film- und Computerspieleindustrie zurückgegangen sind. Klingt paradox, ist aber leicht zu erklären: die meisten Menschen, die sich "illegal" (der Download ist ja nicht illegal) einen Film oder Spiel besorgen, sehen sich diesen auch im Kino an/ kaufen es - wenn er/es denn gut ist. Außerdem empfehlen diese "Schwarzseher" ihrem Umfeld, was diese wieder zum Konsum verleitet.
Natürlich gilt das nicht für extrem gehypte Blockbuster - diese brauchem keine Mund zu Mund Werbung, aber besonders kleinere Produktionen profitieren enorm vom Filesharing.

eigenartig, wenn immer mehr beginnen bei Rot über die Kreuzung zu fahren

wirds dadurch legal, um nicht zu sagen "legaler"?

Re: eigenartig, wenn immer mehr beginnen bei Rot über die Kreuzung zu fahren

Raubkopien zu verteilen ist deswegen noch immer illegal ... er hat durch die Verschlüsselung nur dafür gesorgt, dass er nicht mehr haftbar gemacht werden kann...


Gold-Pfründe der Unterhaltungs-Abzocker-Industrie sichern

Dotcom wurde damals wegen dem Weltpolizisten USA verhaftet.

Dort geht es der abzockenden Musik- und Unterhaltungs-Industrie darum, die eigenen Pfründe zu sichern, welche diese bei uns Konsumenten abholen bei CDs, DVDs, BlueRays, Konzerten, usw.

Im Gegenzug schmeisst diese Unterhaltungs-Industrie den Film-Schauspielern, Sängern, usw zum Teil Gehälter hin, da sind Firmen Bosse fast schon "Bettler". Wer bezahlts? Wir Konsumenten!

Nun werden File-Hoster dazu benutzt, normale Daten auszutauschen und halt auch nicht ganz legale Daten. Das machen aber die Benutzer und nicht die Betreiber. Man könnte auch Google Space nehmen oder Dropbox; bei Datei-Namens-Entfremdung merkt das keiner.

Vielleicht sollte mal die Unterhaltungs-Industrie vom hohen Ross runtersteigen und die Produkte zu normalen Preisen anbieten und den Stars normale und nicht überrissene Gagen bezahlen.

eigenartig

ist die Berichterstattung der Medien schon in
diesem Fall.
Durchwegs wird schlichtweg nicht davon berichtet
wie die Gerichte in Neuseeland nach seiner
Verhaftung in einer Reihe von Urteilen yu
Gunsten von Kim Dotcom entschieden.

U.a. erhielt der Geheimdienst in Neuseeland
eine aufs Dach wegen illegaler Spionage.
dotcom darf den Geheimdienst deswegen
verklagen.
Weiters wurde klargestellt, dass Neuseeland
ein souveraener Staat und nicht eine Kolonie
Amerikas. Das FBI hat keine Jurisdiktion in
NZ, usw..
Google:
Kom Dotcom court cases

Wenn alle(!) GEMA-Mitarbeiter der Bildung einer kriminellen Organisation angeklagt, und in Ketten durch die Straßen geschleift werden, dann...

...werde ich mir einen Sekt aufmachen.

McAfee und Schmitz

Beide verrückt, aber nicht unintelligent.

der bekommt schon noch sein fett


Genau

"Der neue Online-Speicherdienst will sich damit weniger als Copyright-Schlupfloch etablieren, wie manche Beobachter befürchten, sondern als sicherer Dienst für das Teilen von Daten."

Also das wage ich einmal zu bezweifeln... wer hat "Megaupload / Megadownload" schon als Cloud-Dienst benutzt?

Re: Genau

Ich.
Aber grundsätzlich hat Kim recht, wenn er sagt: das Urheberrechtsproblem war kein Problem von Megaupload, sondern ist eines des Internets.
Google, Dropbox und andere Dienste, können alle "missbraucht" werden.

Re: Re: Genau

Vorbildlich :)
Pardon, ich hätte hier nicht Generalisieren dürfen.
Ich gehe aber grundsätzlich schon davon aus, dass der Dienst zu einem großen Teil von Streaming-Aktivitäten gelebt hat.
Hier stimme ich Ihnen zu, Her Schmitz wurde hier zum Sündenbock, er hat sich aber auch zugegeben besonders auffällig verhalten...
Meiner Meinung ist es aber wie einst bei der Musik einfach das fehlende legale Angebot das viele in die "Illegalität" treibt (in Österreich ja nicht einmal, da Streaming eine rechtliche Grauzone darstellt).
Sollten kommerzielle Anbieter wie Hulu oder Netflix endlich nach Österreich kommen, wäre das Problem gleich viel geringer!

Re: Re: Re: Genau

Das fehlende Angebot, bedingt durch die panikschiebende, konservative und innovationsblockierende Contentindustrie, ist das eine Problem.
Das andere ist, dass die Urheberrechtsgesetzgebung im Wesentlichen aus einer Zeit stamm, in der es all diese Medien und deren Nutzung nichmal ansatzweise zu erahnen gab.

Re: Re: Re: Re: Genau

Das Urheberrechtsgesetz ist durchaus zeitgemäß. Es geht dabei ja nur darum, dass eine geistige Leistung nicht ohne Gegenleistung genutzt und verwertet werden darf.

Dafür ist es ja egal, wie die Werke gespeichert oder übertragen werden.

Wenn man ein Auto kauft, dann zahlt man die Geistige Leistung dahinter ja auch mit dem Aufschlag auf die Herstellungs- und Materialkosten. Das wird ab einer bestimmten Stückzahl verkaufter Autos ja auch nicht billiger. In dem Fall ist die Geistige Leistung halt nicht mit einem physischen Objekt verbunden aber sozusagen der Gewinnaufschlag muss dennoch bezahlt werden.

Das ist also durchaus zeitgemäß. Schnorrer sind halt auch zeitgemäß und glauben, sich kostenlos an der Leistung anderer bedienen zu dürfen.

Re: Re: Re: Re: Genau

Korrekt, das wird dadurch noch verstärkt, dass die Gesetzgebung lokal, höchstens noch regional ist, während das Internet nun einmal global ist...

Re: Re: Re: Re: Re: Genau

Die Post und das Telefon sind auch global. Das Internet ist also nichts, was besondere Aufgeregtheit verursachen sollte.

Die Leute sind immer noch in einem Land und da gelten halt die Gesetze dieses Landes. Dass sich Konzerne wie Google darüber hinwegsetzen und damit durchkommen - wohl durch Korruption -, hat mit der Gültigkeit Durchsetzbarkeit der Gesetze nichts zu tun.

Für die Nomenklatura ist es halt weltweit sehr attraktiv, wenn die Leute genügend Anreize haben, sowohl Mobiltelefon als auch Internet möglichst pausenlos zu verwenden. Deswegen wird das wohl auch etwas lascher verfolgt. Ohne Content ist im Internet halt garnichts, was attraktiv wäre. Selbst schaffen ja die allermeisten nichts.

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