Internet: NSA-Skandal schärft Sicherheitsbewusstsein

Immer mehr Menschen wollen Datenstaubsaugern entkommen. Wie das geht, lernen Anfänger auf Cryptopartys.

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Internet: NSA-Skandal schärft Sicherheitsbewusstsein – (c) REUTERS (CARLO ALLEGRI)

Wien. Noch vor zwei Wochen wusste kaum ein Österreicher, was die NSA ist (der US-Militärgeheimdienst National Security Agency). Geschweige denn, was sie tut (absaugen und auswerten des weltweiten Internetverkehrs). Heute versuchen immer mehr Menschen, möglichst wenige Spuren in den Datentanks der Überwachungsmaschinerie zu hinterlassen. Lernen kann man das auf sogenannten Cryptopartys.

Das englische „crypto“ steht für Kryptografie, die Wissenschaft von der Verschlüsselung von Informationen, die Party für die lockere Atmosphäre. Die nächste Cryptoparty findet heute, Montag, um 19 Uhr im Metalab in der Wiener Rathausstraße 6 statt. Worum es geht? Unter loser Anleitung von Experten lernen die Teilnehmer, sich vor der Neugier von Behörden, Spionen oder Mitbewerbern zu schützen, sich „sicher“ im Netz zu bewegen. Wobei sicher in dem Zusammenhang mehrere Bedeutungen haben kann: Zum Beispiel, dass man mithilfe spezieller Programme den Inhalt von E-Mails für Unbefugte unleserlich macht. Software wie das freie GnuPG etwa (es gibt noch eine Reihe weiterer, aber meistens kostenpflichtiger Tools) schafft das ganz gut. Edward Snowden, der NSA-Aufdecker, nennt starke Verschlüsselung als eine Methode, dem Geheimdienst Einblick in E-Mails zu verwehren.

Wer beim Surfen durchs Internet nicht will, dass seine Spur rückverfolgbar ist, wird im Rahmen einer Cryptoparty vermutlich vom Anonymisierungsdienst Tor oder sogenannten VPNs (Virtual Private Networks) hören. Ebenfalls auf dem Programm: Methoden zur Verschlüsselung von Datenträgern.

Das klingt kompliziert, ist es aber nicht. Die Mehrzahl der Teilnehmer sind keine Computerfreaks, sondern gewöhnliche Anwender. „Wir legen großen Wert darauf, die Veranstaltungen praxistauglich zu halten“, sagt Pepi Zawodsky, einer von zwei Veranstaltern der Cryptoparty im Metalab. Es geht nicht um die Analyse komplexer Algorithmen, vermittelt wird nur Wissen, das für den Betrieb wichtig ist. Installieren, Optimieren und Anwenden der Programme.

Dabei sind Cryptopartys auch für Programmierer interessant. Hier erfahren sie, was Anwender davon abhält, mehr Wert auf Sicherheit zu legen. Zawodsky: „Leider sind viele Tools immer noch kompliziert zu bedienen.“ Auf Cryptopartys erfahren die Entwickler schonungslos die Schwächen ihrer Software. Daraus seien inzwischen viele gute Ideen für einfachere Benutzerführung entstanden.

Ganz neu ist die Bewegung nicht. Medienberichte über schwerwiegende Verletzung der Privatsphäre würden jedoch Bewusstsein und Nachfrage verstärken. Als eine Art Urmutter der Cryptoparty gilt die Australierin Asher Wolf. Ein Pseudonym, hinter dem verschiedenen Berichten nach ein Datenschutzanwalt oder eine Journalistin stecken soll. Vorigen Sommer rief Wolf am Microblogging-Dienst Twitter dazu auf, sich mit „Laptops, Bier und Musik“ zu organisieren und Wissen über Internetsicherheit auszutauschen.

Wöchentliche Partys seit 2012

Die Lawine war losgetreten. Die Idee verbreitete sich binnen kürzester Zeit auf der ganzen Welt. Traf man sich anfänglich noch im kleineren Kreis, wurden die Veranstaltungen auch in Österreich zusehends größer. Die erste Wiener Cryptoparty stieg im August 2012. Seither trifft man sich immer am letzten Montag des Monats, manchmal im Metalab, manchmal an anderen Orten. Zu der bestbesuchten kamen knapp 60 Interessierte, darunter auch etwa 30 Prozent Frauen. Tendenz: steigend.

Organisiert ist die (heimische) Szene über die Webseite www.cryptoparty.at. Wer es lieber internationaler hat, wählt cryptoparty.org/ .

Auf einen Blick

Cryptopartys. Die Bewegung entstand vor einem Jahr in Australien. Ziel ist, den Besuchern jenes Wissen zu vermitteln, mit dem sie ihre Privatsphäre im Internet schützen können. Infos zu Veranstaltungen in Österreich findet man unter www.cryptoparty.at. Die nächste Veranstaltung findet heute, Montag, um 19 Uhr im Wiener Metalab statt (Rathausstraße 6). Die Teilnahme ist kostenlos.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2013)

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