Jetzt ist es quasi amtlich: das mobile Internet ist nicht so schnell, wie es (laut Werbeaussagen der Provider) sein sollte. So jedenfalls das – wenig überraschende – Resultat einer von der Arbeiterkammer und dem Österreichischen Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) durchgeführten Studie. Bei insgesamt 690 Einzelmessungen lag die Downloadgeschwindigkeit in den Landeshauptstädten bei durchschnittlich 868, in ländlichen Gebieten bei nur 499 kbps.
Festnetz verlässlicher
Nicht zuletzt wegen der je nach UMTS-Abdeckung stark schwankenden Performance und der Tatsache, dass sich mehrere Nutzer in einer Funkzelle die verfügbare Bandbreite teilen müssen – was etwa in Studentenheimen problematisch sein kann –, kommt ÖIAT-Geschäftsführer Ronald Hechenberger zu dem Schluss, dass mobiles Internet langsamer, weniger zuverlässig und daher noch kein vollwertiger Ersatz für das Festnetz ist. Wie es sich für Konsumentenschützer gehört, geht die Arbeiterkammer auch deshalb mit den Mobilfunkern hart ins Gericht, weil die tatsächliche Performance drastisch hinter der in der Werbung suggerierten zurückbleibt. In der Praxis wird nur ein Bruchteil der vollmundig verkündeten 3600 kbps erreicht – und zwar bei allen Providern (siehe Kasten).
Nebenbei bemerkt hat das mobile Internet indirekt das Angebot für Festnetz-Surfer verbessert: Die etablierten Anbieter sind durch die neue Konkurrenz unter Druck geraten und haben vielfach Geschwindigkeit und Downloadvolumina erhöht, um dem Argument „Mobilität“ ein Gegengewicht zu bieten.
Auch unter den Mobilfunkanbieter geht der Wettbewerb munter weiter: Nach „3“ haben auch One und A1 die Volumina ihrer rund 20-Euro-Tarife von ein beziehungsweise 1,5 nach wenigen Monaten auf drei Gigabyte erhöht. Angesichts dieser Entwicklung fallen die von der AK bemängelten langen Bindungsfristen (meist 24 Monate) und die komplizierten Regelungen bei Vertragswechsel besonders ins Gewicht.
Weiters sind auch die Verrechnungseinheiten den Konsumentenschützern der AK ein Dorn im Auge – nur One und A1 verrechnen pro KB, bei T-Mobile und 3 ist die Mindesteinheit rund 50 KB. Ebenso kritisiert die AK die hohen Gebühren bei Überschreitung des Transfervolumens, die bei allen Anbietern außer One zu erheblichen Mehrkosten führen können.
Roaming: Vorsicht Grenzfälle!
Last, but not least, wird auch auf die Kostenfalle Roaming hingewiesen. In diese tappen nicht nur Auslandsurlauber, sondern immer wieder auch Nutzer, die im heimischen Grenzgebiet in das Netz eines ausländischen Betreibers geraten – und dann mit Rechnungen von einigen hundert, in Einzelfällen sogar mehreren tausend Euro konfrontiert sind. at
Die Download-Bandbreite:
Durchschnitt aus 690 Messungen
an 13 Orten in Österreich:
A1 1089 kbps
T-Mobile 978 kbps
3 640 kbps
One 605 kbps
Laut ÖIAT resultieren die Unter-schiede vor allem aus Messungen in ländlichen Gemeinden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2007)
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