Blu-ray ist aus der Schlacht um die DVD-Nachfolge als Sieger hervorgegangen. Fraglich ist nur, ob sich in Zukunft das digitale Universum überhaupt um kleine Scheiben drehen wird. Video on Demand (VoD) könnte als lachender Dritter aus dem Formatkrieg hervorgehen. In den USA ist die Verbreitung von Filmen und Serien über das Internet bereits ein Massenphänomen. In Österreich – und ganz Europa – steckt VoD noch in den Kinderschuhen, hat aber das Potenzial, physischen Medien den Rang abzulaufen.
Von Blockbuster zu Serien und Erotik
Das Medien-Research-Unternehmen Goldmedia geht davon aus, dass 2011 jeder fünfte Haushalt in Westeuropa individuell Videofilme via TV abrufen können wird. Derzeit sind vor allem Blockbuster gefragt. In den nächsten Jahren soll sich das Interesse der Konsumenten laut Studie in Richtung TV-Serien und Erotikinhalte verschieben. Während der US-Markt seinen Kunden immer mehr kostenlose On-Demand-Services anbietet, geht man bei Goldmedia davon aus, dass in Europa zumindest bis 2011 kostenpflichtige Dienste überwiegen werden.
In Österreich bieten VoD-Services in erster Linie die Telekom Austria und UPC an, aber auch der ORF stellt auf seiner Website Eigenproduktionen zum Download zur Verfügung. ATV+ möchte Ende des Jahres nachziehen. Das digitale TV-Angebot der Telekom Austria, aonTV, versorgt seine User per Onlinevideothek mit mehr als 200 Spielfilmen auf Pay-per-View-Basis. ORF-Sendungen können jederzeit unentgeltlich abgerufen werden, österreichische Serienklassiker sind als gebührenpflichtiges Zusatzpaket verfügbar. Laut Ursula Berger, Pressesprecherin der Telekom Austria, soll die Onlinevideothek von aonTV bis Ende des Jahres auf rund 500 Filme und Serien, teils in HD-Qualität, aufgestockt werden. Während aonTV auf True VoD, also die Möglichkeit, Inhalte jederzeit abzurufen, setzt, bietet UPC seinen Usern Near-Video-on-Demand: Eine Handvoll Angebote, großteils US-Serien und Filme, können in Intervallen von einer halben bis zu zwei Stunden gegen Gebühr gestartet werden. Ein jederzeit verfügbares VoD-Angebot ist laut UPC-Pressesprecherin Doris Lenhardt bereits in Planung. Bei beiden Anbietern werden VoD-Inhalte mittels einer Set-Top-Box via TV abgerufen. Daher können nur ihre jeweiligen Kunden auf das Angebot zugreifen. ATV+ plant Ende 2008 den Launch von VoD, wobei zunächst Eigenproduktionen gratis im Web verfügbar sein werden, so Klaus Bitschi, Leiter der Abteilung Interactive bei ATV+. In der Folge soll das Angebot auf US-Formate ausgeweitet werden, für die allerdings eine Pay-per-View-Gebühr fällig wird. Auch der ORF will Mitte des Jahres sein Video-on-Demand-Angebot mit weiteren Sendungen aus den Bereichen Sport, News und Unterhaltung aufbessern. Das Service soll weiterhin kostenlos zur Verfügung stehen, so Thomas Prantner, ORF-Direktor für Online und neue Medien. US-Serien will man nicht anbieten.
Nicht Ersatz, sondern Ergänzung
Sowohl ORF als auch ATV+ gehen davon aus, dass VoD in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen, DVD oder Blu-ray jedoch nicht verdrängen wird, sondern als Ergänzung zum herkömmlichen TV Akzeptanz findet.
Anders als in Europa ist Video on Demand in den USA bereits weit verbreitet. Besonders interessant sind vor allem die Onlineverleih-Angebote von Amazon und Apple, die über kurz oder lang auch hierzulande verfügbar sein werden wann genau, steht allerdings in den Sternen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2008)
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