04.07.2009 15:02 | Meine Presse Merkliste0

Fernsehen als Wunschkonzert

17.04.2008 | 18:12 |  SABINE BRANDSTETTER (Die Presse)

Video on demand. Über Internet oder Kabel sind immer mehr Filme und TV-Sendungen individuell abrufbar. In den nächsten Jahren soll sich das Interesse auf TV-Serien und Erotikinhalte konzentrieren.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Blu-ray ist aus der Schlacht um die DVD-Nachfolge als Sieger hervorgegangen. Fraglich ist nur, ob sich in Zukunft das digitale Universum überhaupt um kleine Scheiben drehen wird. Video on Demand (VoD) könnte als lachender Dritter aus dem Formatkrieg hervorgehen. In den USA ist die Verbreitung von Filmen und Serien über das Internet bereits ein Massenphänomen. In Österreich – und ganz Europa – steckt VoD noch in den Kinderschuhen, hat aber das Potenzial, physischen Medien den Rang abzulaufen.


Von Blockbuster zu Serien und Erotik

Das Medien-Research-Unternehmen Goldmedia geht davon aus, dass 2011 jeder fünfte Haushalt in Westeuropa individuell Videofilme via TV abrufen können wird. Derzeit sind vor allem Blockbuster gefragt. In den nächsten Jahren soll sich das Interesse der Konsumenten laut Studie in Richtung TV-Serien und Erotikinhalte verschieben. Während der US-Markt seinen Kunden immer mehr kostenlose On-Demand-Services anbietet, geht man bei Goldmedia davon aus, dass in Europa zumindest bis 2011 kostenpflichtige Dienste überwiegen werden.

In Österreich bieten VoD-Services in erster Linie die Telekom Austria und UPC an, aber auch der ORF stellt auf seiner Website Eigenproduktionen zum Download zur Verfügung. ATV+ möchte Ende des Jahres nachziehen. Das digitale TV-Angebot der Telekom Austria, aonTV, versorgt seine User per Onlinevideothek mit mehr als 200 Spielfilmen auf Pay-per-View-Basis. ORF-Sendungen können jederzeit unentgeltlich abgerufen werden, österreichische Serienklassiker sind als gebührenpflichtiges Zusatzpaket verfügbar. Laut Ursula Berger, Pressesprecherin der Telekom Austria, soll die Onlinevideothek von aonTV bis Ende des Jahres auf rund 500 Filme und Serien, teils in HD-Qualität, aufgestockt werden. Während aonTV auf True VoD, also die Möglichkeit, Inhalte jederzeit abzurufen, setzt, bietet UPC seinen Usern Near-Video-on-Demand: Eine Handvoll Angebote, großteils US-Serien und Filme, können in Intervallen von einer halben bis zu zwei Stunden gegen Gebühr gestartet werden. Ein jederzeit verfügbares VoD-Angebot ist laut UPC-Pressesprecherin Doris Lenhardt bereits in Planung. Bei beiden Anbietern werden VoD-Inhalte mittels einer Set-Top-Box via TV abgerufen. Daher können nur ihre jeweiligen Kunden auf das Angebot zugreifen. ATV+ plant Ende 2008 den Launch von VoD, wobei zunächst Eigenproduktionen gratis im Web verfügbar sein werden, so Klaus Bitschi, Leiter der Abteilung Interactive bei ATV+. In der Folge soll das Angebot auf US-Formate ausgeweitet werden, für die allerdings eine Pay-per-View-Gebühr fällig wird. Auch der ORF will Mitte des Jahres sein Video-on-Demand-Angebot mit weiteren Sendungen aus den Bereichen Sport, News und Unterhaltung aufbessern. Das Service soll weiterhin kostenlos zur Verfügung stehen, so Thomas Prantner, ORF-Direktor für Online und neue Medien. US-Serien will man nicht anbieten.


Nicht Ersatz, sondern Ergänzung

Sowohl ORF als auch ATV+ gehen davon aus, dass VoD in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen, DVD oder Blu-ray jedoch nicht verdrängen wird, sondern als Ergänzung zum herkömmlichen TV Akzeptanz findet.

AUSBLICK in die USA

Anders als in Europa ist Video on Demand in den USA bereits weit verbreitet. Besonders interessant sind vor allem die Onlineverleih-Angebote von Amazon und Apple, die über kurz oder lang auch hierzulande verfügbar sein werden – wann genau, steht allerdings in den Sternen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2008)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

Schlagzeilen Tech

  • Apple: SMS-Sicherheitsleck im iPhone bestätigt
    Im SMS-Programm von Apples Kult-Handy steckt eine gefährliche Schwachstelle. Angreifer könnten ihre Opfer über das iPhone abhören und lokalisieren. Einen Patch soll es erst Ende des Monats geben.
    Windows 7: Microsoft plant "Familienlizenz" für drei PCs
    Windows 7 könnte es ab Oktober auch in einer Familienversion geben, die auf drei verschieden Rechnern in einem Haushalt installiert werden darf. Auch Apple bietet solche Familien-Pakete.
    Twitter: Beobachter können gekauft werden
    Wer sich auf Twitter unbeachtet fühlt und lieber mit einem großen Publikum protzen möchte, kann "Followers" zukaufen. Das Unternehmen USocial bietet Pakete von bis zu 100.000 Abonnenten.
  • Kids sind im Web zu freigiebig mit ihren Daten
    Die Herausgabe von persönlichen Daten ist bei einer Studie auf Platz eins der größten Web-Risiken für Kids in Europa gelandet. Gefolgt von Kinderpornos, Gewaltinhalten und Mobbing.
    Robocup 2009: Der Mensch ist Zuschauer
    Ob auf dem Spielfeld, zu Hause oder auf hoher See – die Roboter zeigen, was sie können. Die TU Graz hat den Robocup, den weltgrößten Roboter-Fußball-Bewerb, erstmals nach Österreich geholt.
    IP-Telefonie: Telefonieren ohne Telefonnetz
    Telefonieren im Web lockt Private und Unternehmen. Dank Flatrate und immer höherer Bandbreiten macht Skype nicht nur dem traditionellen Festnetz Konkurrenz, sondern wird zunehmend auch auf Internethandys genutzt.
  • The Pirate Bay will Nutzer fürs Filesharing bezahlen
    Der neue Besitzer der weltgrößten Filesharing-Plattform will die Rechteinhaber mit Geld zufrieden stellen, das Pirate-Bay-Nutzer zuvor verdient haben. Was übrig bleibt, dürfen die Nutzer behalten.
    Facebook erleichtert Schutz der Privatsphäre
    Die weltgrößte Online-Community soll für Mitglieder leichter bedienbar werden. Kompliziert verstreute Einstellungen können künftig zentral vorgenommen werden.
    iPhone: Apple kämpft mit Kinderporno-Apps
    Eine neue Anwendung für das iPhone lässt minderjährige Mädchen bewerten. Entwickler haben Wege gefunden, den Prüfprozess von Apple zu umgehen und illegale Inhalte nachträglich "einzuschmuggeln".
  • EU kippt umstrittene Steuer auf Handys
    Die schwedische EU-Präsidentschaft hat am ersten Tag ihrer Amtszeit die Steuerpläne für TV- und Navi-Handys vom Tisch gefegt. Geplant waren Aufschläge von bis zu 14 Prozent.
    Firefox 3.5: Fünf Millionen Downloads in 24 Stunden
    Die neue Version des Internet-Browsers Firefox ist erfolgreich gestartet. Bis Mittwoch-Abend wurde er bereits rund fünf Millionen Mal geladen. In Österreich immerhin rund 50.000 Mal.
    Windows Mobile 6.5 landet Ende September bei A1
    Das lange erwartete neue Windows für Smartphones kommt im Herbst auch nach Österreich. Das Touchscreen-Handy Omnia II von Samsung wird eines der ersten 6.5er-Modelle sein.