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Websuche: Die Jagd auf Google

07.08.2008 | 18:33 |  HORST GREIFENEDER (Die Presse)

Mit „Cuil“ ist wieder eine Suchmaschine online, die mit neuen Konzepten die Vormachtstellung von Google brechen will.

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Cuil, sprich „cool“, ist der Suchmaschinenhype des heurigen Sommers. Als ultimativer Herausforderer des Marktführers Google angekündigt, hinterlässt Cuil bei näherer Betrachtung einen zwiespältigen Eindruck. Der von früheren IBM- und Google-Top-Managern gegründete Suchmaschinenneuling verfügt über eine einfach gestaltete Suchworteingabe, eine zwei- bis dreispaltige Ergebnisanzeige und – nach eigenen Angaben – einen der größten Datenbestände des Internets. Unklar bleibt bei einer ersten Auseinandersetzung mit den über 120 Milliarden von Cuil durchforsteten Webseiten der Mehrwert für den Benutzer. Der lautstark beworbene einzigartige Auswertungsalgorithmus scheint nur im Verborgenen zu werkeln. Die Spaltendarstellung der Ergebnisse lässt einen über deren tatsächliche Relevanz meist im Unklaren. Danny Sullivan, einer der profiliertesten Suchmaschinenkenner, sowie andere namhafte Marktbeobachter erklärten nach einem Bericht der International Data Group (IDG), sie seien alles andere als überwältigt von der Qualität der Cuil'schen Suchergebnisse. Der vielleicht herausragendste Vorteil ist der Datenschutz: Cuil versichert hoch und heilig, keine persönlichen Benutzerdaten zu speichern.

 

Alternativen zu Google?

Im Zusammenhang mit dem Markteintritt von Cuil stellt sich wieder einmal die Frage, ob es überhaupt Alternativen zu Google gibt. Immer wieder im Gespräch sind semantische Suchmaschinen. Also Dienste, die den Inhalt einer Website nach seiner Bedeutung analysieren und bei der Auswertung eine höhere Ergebnisqualität erzielen sollen. Betrachtet man die auf dem Markt befindlichen Lösungen, fällt jedoch auf, dass überzeugende Konzepte hier erst noch ihre Praxistauglichkeit beweisen müssen. Ein paar jüngere Suchmaschinen bringen dann doch etwas Abwechslung in die Google-Einöde. Newcomer wie Clusty, Digg oder Quintura glänzen durch neue Ideen abseits von Pagerank, Keyworddichte und -platzierungen. Clusty, eine Suchmaschine dreier Carnegie-Mellon-Wissenschaftler, nutzt Meta-Suchmaschinen-Techniken, um ihre Benutzer mit Qualität zu versorgen. Der Suchdienst analysiert für die Abarbeitung einer Suchanfrage den Datenbestand mehrerer Suchmaschinen und gliedert die Ergebnisse in Themenkategorien.

 

Ranking nach Userbewertung

Bewertungen durch Leser sind das Qualitätsmerkmal von Digg. Anstatt immer komplexere Auswertungsprogramme einzusetzen, nutzen die Betreiber der sozialen Suchmaschine die Empfehlungen ihrer Nutzerinnen und Nutzer, um die Relevanz einer Website zu bewerten. Informationswährung sind Diggs. Je mehr Diggs ein Beitrag erhält, desto relevanter ist er für ein Stichwort. Kommentare und Diskussionsbeiträge zu den einzelnen Artikeln sollen den Informationswert weiter steigern.

Die Suchmaschine Quintura erzeugt bei einer Suchanfrage einen Keyword-Cluster und visualisiert diesen in einer semantischen Begriffswolke. Die Wolke enthält neben dem eigentlichen Suchbegriff weitere zur Anfrage in Beziehung stehende Begriffe und dient außerdem zur Navigation. Wählt man einzelne Einträge in der Wolke aus, dann aktualisiert sich das entsprechende Ergebnislisting dynamisch.

Bei allem Einfallsreichtum der Konkurrenz unterstreicht ein kurzer Ausflug in die neuen Suchmaschinentechnologien letztlich die Vorrangstellung von Google. Keine andere Suchmaschine wird mehr genutzt, erscheint vertrauter und bietet letztlich mehr Nutzen. Auf absehbare Zeit wird es wohl kaum einer anderen Suchmaschine gelingen, den Leuten aus Mountain View den ersten Rang abzulaufen.

LINKS

Suchmaschinen-Newcomer

Einige Websites, die Google mit neuen Suchkonzepten herausfordern:

www.cuil.com

www.clusty.com

www.digg.com

www.quintura.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2008)

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