26.05.2012 07:13 | Meine Presse Merkliste 0

Kinderpornografie: „Die Würde eines Kindes gilt online wie offline“

19.06.2009 | 18:31 |  Von unserer Korrespondentin EVA MALE (Die Presse)

Der Bundestag hat das umstrittene Gesetz für Internetsperren gegen Kinderpornografie verabschiedet. Der Zugriff auf Internetseiten soll massiv erschwert werden.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

BERLIN.„Die Würde eines Kindes gilt online genauso wie offline“, sagt Deutschlands Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) und nennt das soeben vom Bundestag verabschiedete Gesetz ein „Signal für die Rechte der Kinder“. Der Zugriff auf Internetseiten mit Kinderpornografie soll nach dem Willen der großen Koalition in Zukunft massiv erschwert werden. Das Gesetz verpflichtet alle großen Internetanbieter in Deutschland, bedenkliche Seiten durch ein Stoppschild zu blockieren.

Dazu soll das Bundeskriminalamt (BKA) den Unternehmen laufend aktualisierte Listen mit Adressen zur Verfügung stellen. Bevor sie auf der Sperrliste auftauchen, will man aber versuchen, die Webseiten löschen zu lassen. Durch verstärkte internationale Zusammenarbeit soll erreicht werden, dass die Urheber der meist aus dem Ausland gespeisten Seiten aufgespürt und die Inhalte aus dem Netz verbannt werden.

Auf dem Stoppschild wird der Internetnutzer über den Grund der Sperrung informiert und darauf hingewiesen, dass ein Umgehen der Sperre strafbar ist. Nach polizeilichen Schätzungen gibt es in Deutschland täglich rund eine halbe Million Zugriffe auf Internetseiten mit kinderpornografischem Inhalt.

389 Abgeordnete stimmten für das bis zuletzt umstrittene Gesetz, 128 dagegen, 18 enthielten sich. Von der Leyen, die Hauptinitiatorin des Gesetzes, verteidigte es erneut gegen Kritiker – es sei zynisch, in diesem Zusammenhang von Zensur zu sprechen.

 

Massiver Widerstand

Internetnutzer hatten Bedenken angemeldet, dass durch das Gesetz die Tür für die Ausweitung solcher Sperren auf andere Bereiche geöffnet werde; im Internet wurden binnen weniger Tage 130.000 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Ursula von der Leyen wurde zur „Zensursula“. Auch Datenschützer leisteten Widerstand, ebenso die Opposition.

Um den Kritikern Wind aus den Segeln zu nehmen, hatten sich Union und SPD vergangene Woche auf Änderungen geeinigt. Anders als ursprünglich vorgesehen werden die Daten eines Users beim Klick auf ein Stoppschild nicht für eine Strafverfolgung gespeichert werden. Nutzer, die durch Zufall dorthin geraten sind, dürften nicht unter Generalverdacht gestellt werden. Außerdem wurde das Gesetz auf drei Jahre befristet. Ein unabhängiges Kontrollgremium soll die BKA-Listen regelmäßig überprüfen, um Missbrauch zu vermeiden.

AUF EINEN BLICK

Zahlreiche europäische Staaten sperren Webseiten, die Kinderpornos verbreiten: u. a. Frankreich, Italien, Belgien, Dänemark, Finnland, Großbritannien und die Schweiz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2009)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

22 Kommentare
Gast: Gast
20.06.2009 09:03
0 0

Das Problem

Mit diesem Gesetz wird die Beschneidung der Rezipientenfreiheit, also des Grundrechtes frei zu entscheiden welche Inhalte jemand aufnehmen möchte oder welche nicht, legitimiert.

Es spielt dabei primär keine Rolle ob die Inhalte legal oder illegal sind. Jeder ist frei zu entscheiden, ob er kriminell sein möchte oder nicht. Eine Strafverfolgung des Einzelnen ob des Inhalts ist und war dabei bisher schon möglich.

Weiters ist die Tatsache, dass die staatliche Zensurbehörde völlig intransparent und willkürlich entscheiden kann, einem behaupteten Rechtsstaat unwürdig.

Als Konsequenz müssen daher - wie bisher - die Straftäter, in diesem Fall also die Kinderschänder, die Helfer und zahlende Konsumenten verfolgt werden. Wenn sich diese Leute - wie behauptet -tatsächlich über das Internet austauschen, gibt es für die Polizei bereits jetzt genügend verwertbare Daten (Stichwort: Vorratsdatenspeicherung, Kreditkartenabrechnungen, etc.).

Warum man lieber Millionen von Menschen in ihren Grundrechten beschränkt, ist daher eigentlich nur verständlich, wenn man den Behörden andere, kriminelle Absichten unterstellt.

Die Geschichte lehrt uns, dass dem Staat unbedingt zu misstrauen ist und daher das Volk Kontrolle ausüben muss. Andernfalls wird der Staat zur Last für seine Bürger.

Ich meine, dass dies in vielen Bereichen bereits Realität ist.

Antworten Gast: x2345
22.06.2009 17:22
0 0

Re: Das Problem

Mit der gleichen Begründung können sie fordern, dass Heroin, dass Waffen in jedem Geschäft verkauft werden dürfen. Phädophile sind krank, genauso wie Süchtige, und alkoholiker .. und um sie und die Gesellschaft zu schützen, gehört das alles unter Kontrolle .. So einfach ist das ..

Saskatoon
20.06.2009 07:49
0 0

angeblich sind nur

5 Leute dafür abgestellt, verantwortlich, diese Listen aktuell zu halten zu kontrollieren und zu sperren...!
sind das nicht zuviele

Saskatoon
20.06.2009 07:47
0 0

Politiker haben das eigentliche Problem nicht erkannt

bzw erkennen wollen...
traurig find ich nur dass sogenannte experten, sich mit dem zufrieden geben.
aber wahrscheinlich wollte man es politikern, staatsanwälten, rechtsänwälten, richtern, ärzten und dem restlichen geld-adel nicht allzu schwer machen...

eins zeigt sich wieder einmal. kriminelle sind schlauer als der apparat, aber angesichts dieser getroffenen entscheidung auch nicht schwer, diese sperre zu umgehen.
da brauchts wirklich kein genie.

sind wirklich die hellsten köpfe in der politik?

Gast: Gerecht
19.06.2009 22:29
0 0

recht ist rech

Das Recht muss auch online gelten. Das Internet war die ganze Zeit ein Rechtsfreier raum, aber warum? Es wird Zeit, dass unsere Rechte auch im Internet gesichert werden. Seit wann ist es denn Recht, dass irgendwer zeigt, wie jemand vergewaltigt wird? Warum solch ein Aufstand, wenn unsere Regierung uns schützen will?
Das verbieten von Rechtswiedrigen Dingen hat nichts mit Zensur zu tun. Es ist lediglich das Ausführen einer Selbstverständlichkeit, die lange nicht als solche behandelt wurde

Antworten pirat
20.06.2009 01:33
0 0

Re: recht ist rech

Das Internet war und ist kein rechtsfreier Raum (was soll das überhaupt für ein Begriff sein?), wie kommen Sie darauf??? Im 19. Jhdt hat die Polizei, aus "Pietätsgründen", bei Mordfällen zuerst die Leiche schön gemacht, dann die Umgebung aufgeräumt und dann erst mit Ermittlungen begonnen. Irgendwann setzte sich doch die Vernunft durch und man begann Spuren zu sichern. Offenbar sind viele Politiker noch immer im 19. Jhdt. Vertuschen statt aufklären, Zensurinfrastruktur aufbauen - wo unterscheidet sich Deutschland jetzt noch von China? Es geht den Politikern nur darum, Macht über das Internet zu erlangen, was ihnen schlichtweg nicht zusteht, da sie nichts zu dessen Entstehung beigetragen haben.

Antworten Justin
20.06.2009 01:10
0 0

Re: recht ist rech

"Seit wann ist es denn Recht, dass irgendwer zeigt, wie jemand vergewaltigt wird?"

Seit wann ist es Recht, dass irgendwer zeigt, wie jemand geschlagen wird?

Antworten Gast: guest
19.06.2009 23:16
0 0

Re: recht ist rech

Mit einer leicht umgebaren Maßnahme wird keine Gerechtigkeit hergestellt.

Haben Sie schon etwas von einem Proxy-Server gehört?

Jeder kann sich leicht mit einer IP aus fast jedem Land über solche Proxy-Server jede Internetseite anzeigen lassen.

--> Warum Geld verschwenden, und das Potential zur Zensur aufbauen?

Gast: Gast
19.06.2009 22:24
0 0

zensursula

Das "Spezialgesetz" gilt angeblich für drei Jahre - aber nirgendwo im Gesetzestext steht, das dieses auch für die Infrastruktur gilt, die nun aufgebaut wird.

Gast: Doggy
19.06.2009 21:50
0 0

Würde

Die Würde eines Kindes gilt auch im Wahlkampf, Frau von der Leyen.

Missbrauchen sie sie also nicht für ihre Ambitionen.

Verteidigt die Freiheit in Deutschland und wählt richtig!

Gast: GiJoe
19.06.2009 20:42
0 0

Lasst uns etwas unternehmen

Hallo Leute

Lasst uns etwas unternehmen bevor es zuspät ist. jeder kann was tun ob per SMS oder Twitter Facebook usw Auf gehts. lasst uns nicht mehr in die Ecke treiben ....

LOS GEHTS

Gast: Magnum
19.06.2009 20:40
0 0

Kinder sind die Zukunft

Naja was solls ich werde meinen Kinder schon beibringen wie man Games Downloaded und welche Patei die Richtige ist.

Antworten Saskatoon
20.06.2009 07:48
0 0

Re: Kinder sind die Zukunft

besser
kinder zahlen die zukunft !!

Gast: GuanYu
19.06.2009 17:46
0 0

...

man steht in europa anscheinend kurz vor einer schlimmen internetsperre, die franzosen sind schon dabei, die deutschen und bald wird im eu-parlament über ein neues sperrverfahren gegen illegale downloads abgestimmt. die Zensur kommt anscheinend schneller als erwartet. böse finde ich es ausserdem das computerspiele und freizeitbeschäftigungen verboten werden sollen. ich finde es nur schlimm wenn sich in einer demokratie, die vom volk gewählten vertreter mehr nach den konzernen anstatt den volk richten. das ist verfassungswiedrig..

Gast: darkyat
19.06.2009 17:15
0 0

Und genau darum...

... sollte man dagegen steuern um so etwas in Österreich gar nicht Realität werden zu lassen.

www.piratenpartei.at

tarrant
19.06.2009 15:08
0 0

Ahnungslos

Es ist erschütternd, wenn die Politik über moderne Medien entscheidet. Diese Aktion zeigt wieder einmal, dass die Abgeordneten zum Großteil keine Ahnung haben, mit was sie es zu tun haben. Das Internet sperren. Als ob. Ich bin seit 15 Jahren intensiv online, und mir fallen auf Anhieb 5 Wege ein, um illegale Inhalte trotz Sperre zu tauschen. Mit ein bisschen Nachdenken komme ich sicher noch auf mindestens 10 weitere.

Das Internet lässt sich nicht regulieren. Wer es jetzt behauptet, der täuscht eine trügerische Sicherheit vor. Kinderpornographie hört nicht auf, nur weil ein paar Seiten mit Stoppschildern blockiert werden. Der Großteil läuft ja nichtmal über Webseiten, sondern über Kanäle wie IRC und Usenet.

Es müssen die Täter an sich gefunden werden, nicht die Symptome bekämpft werden.

0 0

Re: Ahnungslos

ich glaube, das ziel ist die sperre vor allem der politischen blogs, denn da hat die "elite" noch keinen zugriff.

da werden wahrheiten verbreitet, die sich deren kontrolle entzieht.

mfg
mc

Justin
19.06.2009 13:54
0 0

Kommerzielle Pornographie bekämpfen

Denn dort, wo produziert und anschließend Kinderpornographie gekauft wird, gibt es tatsächlich Opfer.

Wird dagegen nur unentgeltlich heruntergeladen oder getauscht, gibt es fast immer keine Opfer, was merkwürdigerweise eine Strafbarkeit dennoch bedingt.

Antworten Gast: Peter
20.06.2009 04:26
0 0

Re: Kommerzielle Pornographie bekämpfen

Laut einer kleinen Anfrage der FDP liegen der Bundesregierung keinerlei Informationen über kommerzielle Kinder"Pornografie" vor. Für Angaben über Länder in denen Kinder"Pornografie" nicht verfolgt werden kann auch nicht. Laut Polizeistatistik (offiziell) ist Kinder"Pornografie" im Internet rückläufig. (Ich glaub es waren knapp 25%). Die Antwort der Bundesregierung mit der Suchmaschine Ihrer Wahl leicht zu finden.

0 0

Re: Kommerzielle Pornographie bekämpfen

mit jedem download bestätigen die die nachfrage und damit weiterhin die opfer.

mfg
mc

Antworten Antworten Justin
19.06.2009 18:40
0 0

Re: Re: Kommerzielle Pornographie bekämpfen

Nur bei eigens dafür hergestellter Pornographie (Stichwort Webcam).
Ihrer Logik zufolge müsste dann auch sämtlichen Gewaltvideos mit der gleichen Strafe bedroht werden wie Kinderpornographie (Happy Slapping, Enthauptungsvideos islamischer Terroristen usw).

Bin ich also mit Schuld am Tod eines Enthaupteten, wenn ich von IRGENDWOHER ein Video davon unentgeltlich bezog?

Antworten Antworten Antworten Gast: Anonymia
19.06.2009 23:03
0 0

Re: Re: Re: Kommerzielle Pornographie bekämpfen

Es geht nicht um Schuld oder nicht-Schuld wenn wir durch den Konsum/kostenloses Anschauen indirekt gewisse Verhaltensweisen legitimieren und auch weiterhin als "Markt" direkt und indirekt fördern.
Verantwortung für das was ich tue, Einsicht welche Konsequenzen mein Handeln für andere = Kinder (die schützenswertesten und wichtigsten Wesen auf diesem Planeten)= Zukunft haben, sollte erwachsenen Menschen (vorrangig Männern) nichts fremdes sein.
Missbrauch ist ein sehr, sehr schlimmes Thema, passiert viel zu oft, solange wir es(auch indirekt) legitimieren und indirekt fördern zerstören wir das Leben unserer Kinder. Und Missbrauch beeinflusst ALLE Lebensbereiche sehr lange u. sehr massiv!