Suchmaschinen: Digitales Wissen, neu serviert

Unter dem Druck neuer Konkurrenten arbeitet auch Google an der Verbesserung seiner Ergebnisanzeigen. Der Trend geht in Richtung konkreter Inhalte.

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(c) AP (Paul Sakuma)

Es hat schon einige Versuche gegeben, den Suchmaschinengiganten Google herauszufordern. Mehr als ein paar prozentuelle Brosamen am digitalen Suchkuchen fielen für die Konkurrenten bisher jedoch nie ab. Und das dürfte sich so schnell auch nicht ändern. Am unter großem Mediengetöse gestarteten Suchdienst Wolfram Alpha, der statt Linklisten konkrete Antworten auf Fragen liefert, haben die Nutzer schon wieder das Interesse verloren, und ob „Bing“, Microsofts nunmehr drittem Versuch, Google das Wasser abzugraben, ein größerer Erfolg beschieden ist als seinen Vorgängern, bleibt ebenfalls abzuwarten. Kritiker sehen jedenfalls außer einigen Verbesserungen im Detail keine Hinweise für eine großspurig angekündigte „Entscheidungsmaschine“. Und die Nutzer sehen es wohl ähnlich: Laut Zahlen des Marktforschungsunternehmens Net Applications liegt der Marktanteil von „Bing“ derzeit bei lediglich fünf Prozent.

 

Strukturierte Suche

Doch immerhin sorgen solche Angriffe dafür, dass der Fast-Monopolist nicht einschläft. Seine neueste Waffe im Abwehrkampf nennt sich „Google Squared“ (www.google.com/squared). Im Unterschied zu den bekannten Ergebnislisten sammelt das experimentelle Suchwerkzeug zu einem Suchbegriff relevante Informationen von verschiedenen Websites und strukturiert die Ergebnisse nach gemeinsamen Merkmalen in einer Tabelle. Der Benutzer kann Spalten mit neuen Merkmalen hinzufügen oder entfernen und sich auf diese Weise seinen ganz persönlichen Themenüberblick zusammenstellen. Die einzelnen Einträge sind über Verlinkungen mit den Originalseiten verknüpft und bieten eine Fülle von Anregungen zur Vertiefung der gefundenen Daten. So liefert etwa die Suche nach „hotel wien“ die Namen von sieben Wiener Hotels, erweitert um hotelspezifische Informationen wie einer Bildansicht, der Adresse, den Ausstattungsmerkmalen und sonstigen Services. Bei Bedarf kann die Tabelle um weitere Hotels oder Informationen wie angebotene Küche, Hotelbewertung oder Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln erweitert werden.

 

Angereicherte Infos

Mit der Anreicherung von Linkverweisen durch konkrete Informationen hat sich also auch Google dem Trend zu Antworten statt reiner Quellenangebote angeschlossen. Doch das funktioniert wie beim neuen Konkurrenten „Wolfram Alpha“ nur bedingt. Die Suche nach Cabrios verläuft beispielsweise gänzlich unbefriedigend: Statt der gewünschten Automobile listet das Tool zwei Waschmaschinen auf.

Dafür reagiert „Google Squared“ beim Löschen von Spalten und Zeilen auf das Nutzerverhalten und liefert umgehend weitere Vorschläge für neue Zeilen- und Spalteneinträge. Das Ganze funktioniert insbesondere bei bekannten Suchbegriffen recht ansprechend. So liefert etwa die Suche nach dem diesjährigen Champions-League-Sieger eine Spielerliste samt Bild und Geburtsdatum. Allerdings fehlen mit dem Kapitän Carles Puyol und dem Schützen des ersten Tores, Samuel Eto'o, wichtige Namen in der Mannschaftsaufstellung. Die Informationen zu den Spielern stammen überwiegend von den englischen Wikipedia-Seiten. Wie das Suchtool in seiner aktuellen Version überhaupt fast ausschließlich englischsprachige Webinhalte einbezieht.

Am Ende können einzelne Auswertungen auch gespeichert werden oder man kann mit einer ganz leeren Tabelle starten und sich Schritt für Schritt eine eigene Datensammlung zu einem Spezialthema aufbauen. Hier liegt auch der größte Nutzen. Mit etwas Geduld und Fantasie lassen sich mit dem neuen Tool nämlich wirklich interessante Informationen zu einem Thema zusammentragen und übersichtlich darstellen. Wie sich die neue Funktion auf die Optimierung von Webinhalten auswirken wird, lässt sich hingegen noch nicht wirklich abschätzen. Wahrscheinlich werden Onlinewissensquellen wie Wikipedia und Zusatzfunktionen wie die Bildsuche oder Begriffsbeschreibungen für die Ergebnisdarstellung weiter an Bedeutung gewinnen. Suchmaschinenoptimierer sind daher gut beraten, bei der Gestaltung von Inhalten potenziellen Auswertungsmerkmalen wie Preis, Gewicht oder Beschreibungen mehr Augenmerk zu schenken.

 

Mehr Interaktion

Ob sich das neue Google-Werkzeug auf breiter Basis durchsetzen kann, wird sich zeigen. Selbst bei Google gibt man zu, dass die Technologie derzeit bei Weitem noch nicht ausgereift ist. Fazit: Das Tool erfordert von den Benutzerinnen und Benutzern jedenfalls um vieles mehr Interaktion als die einfache Stichworteingabe. Richtig eingesetzt liefert es bei einer gezielten Themensuche aber interessante Informationen, übersichtlich aufbereitet und flexibel erweiterbar.

www.google.com/squared

 

www.wolframalpha.com

www.bing.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2009)

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