Die Entwicklung laufe derzeit "rasant hin zum gläsernen Menschen": Die österreichischen Rechtsanwälte fordern die Rücknahme einiger Überwachungsmaßnahmen. Der Präsident des Rechtsanwaltskammertages, Gerhard Benn-Ibler, kritisierte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz die Einschränkung der Freiheit im Namen der Sicherheit. Er warnte insbesondere vor der geplanten Handy-Peilung: "Da kann ich jederzeit feststellen, wo sich jeder Österreicher befindet - und das ohne richterlichen Befehl und ohne Tatverdacht". Für die Internet-Überwachung fordert er richterliche Kontrolle.
Ein zentrales Regierungsdepot, in dem alle Briefe zur späteren behördlichen Öffnung aufbewahrt werden, wäre früher undenkbar gewesen, meinte Elisabeth Rech, Vizepräsidentin der Wiener Rechtsanwaltskammer. Gegen die nun geplante Internet-Vorratsdatenspeicherung gebe es hingegen kaum Proteste, wunderte sie sich. Außerdem warnte Rech vor einer EU-weiten Datenbank mit den Fingerabdrücken, die mittlerweile jeder Bürger für seinen Reisepass abgeben muss.
Kritik an der Sparpolitik
Eine Gefährdung der Freiheit sehen die Rechtsanwälte auch durch die Sparpolitik der Regierung. Der Wiener Kammerpräsident Michael Auer kritisierte vor allem die heuer stark erhöhten Gerichtsgebühren. So seien auch unstrittige Scheidungsverfahren um 21 Prozent teurer geworden, erstinstanzliche Gerichtsverfahren um 160 Prozent und selbst für Akten-Kopien müsse man bei Gericht nun einen Euro pro Seite zahlen. Das Motto laute offenbar "liebe Bürger, mache alles, aber gehe ja nicht zu Gericht", kritisierte Auer. Er fordert die Einführung eines günstigen, aber rechtlich durchsetzbaren außergerichtlichen "Anwaltsvergleichs".
Festhalten wollen die Rechtsanwälte am von Richtern und Staatsanwälten immer wieder kritisierten Weisungsrecht des Justizministers über die Staatsanwaltschaft. Die Übertragung an einen vom Parlament kontrollierten Generalstaatsanwalt würde zu einer "Verpolitisierung" der Justiz führen, warnt Benn-Ibler.
(APA)

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