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Wiener Grüne erhalten "Scheiß-Internet"-Preis

16.11.2009 | 10:15 |   (DiePresse.com)

Für Organisationsprobleme bei ihren Vorwahlen im Internet wurde die Stadtpartei "geehrt". Der Preis geht auf Aussagen des ORF-Programmdirektors zurück, der nichts vom "Scheiß-Internet" hält.

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Die Wiener Grünen haben den heurigen Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten erhalten. Damit wurden sie für ihre missglückte Kommunikationspolitik und "das Verpassen einer einmaligen Chance" ausgezeichnet. Die Auszeichnung geht auf Aussagen des ORF-Programmdirektors Wolfgang Lorenz zurück, der anlässlich einer Podiumsdiskussion im November 2008 seine absolute Web-Unkenntnis bewies und über das "Scheiß-Internet" schimpfte, in das sich "die Jungen verkrümeln".

Verpatze Vorwahl im Internet

Für die aus Medienwissenschaftlern und Journalisten bestehende Jury fiel die Wahl auf die Grünen aufgrund ihrer verpatzten Vorwahl-Organisation. Neben Parteimitgliedern dürfen auch Unterstützer für die Kandidaten abstimmen. Es formierte sich eine Gruppe, die sich im Internet organisiert hatte. Die Partei war von dem Ansturm überfordert, wodurch nur die Hälfte der Unterstützer akzeptiert wurden. Für eine Partei, die aus einer Bürgerinitiative heraus entstand, sei das ein Armutszeugnis, urteilte die Jury.

Auch nominiert: Jack Wolfskin und Wolfgang Schüssel

Den "Scheiß-Internet"-Preis nahm der Grüne Christoph Chorherr entgegen. Gegenüber Heise erklärte der Gemeinderat, dass sich zwischen seiner Partei und der "Info-Elite" ein großer Graben aufgetan hätte. Man müsse weiterdiskutieren, wer die Basis in der Partei wirklich ist, so Chorherr weiter. Neben den Grünen war auch der Bekleidungshersteller Jack Wolfskin nominiert, der sich mit aller juristischen Gewalt gegen Hobby-Bastler gewehrt hat, sowie der ehemalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel für sein Lebenswerk.

(db)

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1 Kommentare
Gast: gast
19.11.2009 07:27
0 0

Die Auszeichnung geht auf Aussagen des ORF-Programmdirektors Wolfgang Lorenz zurück, der anlässlich einer Podiumsdiskussion seine absolute "Web-Unkenntnis" bewies und über das "Scheiß-Internet" schimpfte...

Wie sieht ein renommierter „Insider“ die Zukunft des Internet?
Dr.Michael Maier meinte kürzlich:

http://spreegurke.twoday.net/stories/6034667/

„Ich bin ein großer Anhänger der Partizipation. Auch die klassischen Medien leben von der Mitwirkung der Rezipienten. Als Chefredakteur habe ich auch in den traditionellen Medien die spannendsten Geschichten immer über Leser-Tipps erfahren. Die sozialen Netzwerke werden am Ende selbst entscheiden, inwieweit sie kommerzialisierbar sind. Wikipedia zum Beispiel kann nur ohne Werbung leben.

Die community wird darüber bestimmen, wann Informationen "Lebensmittel" sind, also ein so wichtiges Allgemeingut, welches nicht dem unwägbaren Meer der Werbezyklen ausgesetzt werden darf.
Ich glaube, wir werden hier auch das Entstehen von neuen non-profits sehen.“

„Was authentisch ist, bestimmt die Gemeinschaft und nicht der Markt. Es ist doch heute schon so, dass bestimmte Blogger glaubwürdiger sind als manche Medienmarke.

Ich glaube, dass die größte Schwierigkeit für alle darin besteht, dass wir uns in einem Prozess befinden. Es gibt keine abgeschlossenen Systeme, in denen wir uns alle auf lange Zeit sicher bewegen.“

Neben Tätigkeiten als Chefredakteur der Zeitung "Die Presse" (Wien), der Berliner Zeitung (Berlin) sowie des Nachrichtenmagazins STERN (Hamburg), engagierte sich Maier von 2007 bis 2009 als Fellow an der Kennedy School/Harvard University. Darüber hinaus ist er Gründer der READERS EDITION, der ersten Plattform im Bereich Bürgerjournalismus in Deutschland und befasst sich heute äußerst aktiv mit dem Bereich Social Media. Eine im August 2008 erschienene Publikation "Die ersten Tage der Zukunft. Wie wir mit dem Internet unser Denken verändern und die Welt retten können" befasst sich mit dem Internet als Revolution, gesellschaftlichen Quantensprung und Echoraum. Nachgefragt: Im Gespräch mit Dr. Michael Maier, Geschäftsführer der "Blogform Social Media".