26.05.2012 07:36 | Meine Presse Merkliste 0

EU zahlt 300.000 Euro für Pro-Netzsperren-Lobbying

30.04.2010 | 16:16 |  von Daniel Breuss (DiePresse.com)

Um ihren Vorschlag für Internetsperren gegen Kinderpornos durchzubringen, bezahlt die EU Jugendschutzorganisationen. In Großbritannien wird bereits eine komplette Abhörung des Internetverkehrs getestet.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Seit Cecilia Malmström, Innenkommissarin der EU, ihren Vorschlag zur Einführung von Internet-Sperrfiltern gegen kinderpornografisches Material vorgestellt hat, arbeitet die Kommission fleißig daran, dass der Vorschlag Realität wird. Nach Angaben von Computerworld wurden 300.000 Euro an Jugenschutzgruppen in ganz Europa verteilt, um für den Netzsperren-Plan Stimmung zu machen. Unter anderem soll die European NGO Alliance for Child Safety Online (ENACSO) im Europaparlament direkt eine Lobbying-Veranstaltung abhalten, um Abgeordnete zu beeinflussen, für Netzsperren zu stimmen. Die Kommission will Organisationen wie ENACSO nutzen, um das Argument, die Zivilgesellschaft hätte kein Problem mit Netzsperren, durchbringen zu können. Ein krasses Gegenbeispiel dafür ist der deutsche Verein MOGIS (Missbrauchsopfer gegen Internetsperren). Er setzt sich vehement gegen die Sperrfilter ein und fordert die Löschung von Darstellungen von Kindesmisshandlung sowie mehr Prävention.

IT-Industrie hält sich bedeckt

Mittlerweile hat sich erstmals ein Vertreter der IT-Industrie offiziell zu den Plänen von Malmström geäußert. Ed Black, Präsident der Computer & Communications Industry Association (CCIA) nennt den Vorschlag einen Gefahr für die Offenheit des Internet. Seine Stimme verhallt derzeit recht einsam. Denn obwohl der CCIA Branchengrößen wie Google, Microsoft, Yahoo und AMD angehören, hat bisher noch keines der Unternehmen sich öffentlich getraut, Stellung zu beziehen. "Mit solchen Gesetzen wird das offene Netz mit 1000 Schnitten sterben", warnt Black. Die massive Zensur, die etwa China praktiziere sei nichts im Vergleich zu dem, was jetzt langfristig für Konsequenzen drohen könnten, würde Malmströms Vorschlag Gesetz werden.

Musiklobby froh über Kinderpornos

Erst kürzlich warnte der EU-Abgeordnete Christian Engström davor, dass Netzsperren der Unterhaltungsindustrie als willkommenes Mittel dienen, um Urheberrechtsfilter zu installieren. Ein Anwalt der Musiklobby IFPI soll laut Engström schon 2007 bei einer Veranstaltung gesagt haben, dass Kinderpornos "großartig" seien, da man über sie Politiker zur Einführung von Netzsperren bewegen könne. Sobald sich die Technik bei den Darstellungen von Kindesmisshandlung erfolgreich bewiesen hat, könne man sie auf andere Bereiche ausdehnen, so der Gedanke des Anwalts. Neben Engström warnen auch andere EU-Parlamentarier vor dem Plan, ebenso zahlreiche Bürgerrechtsgruppierungen. Ob es für sie aber eine Mehrheit im Parlament gibt, ist derzeit ungewiss.

Komplette Abhörverfahren in Testphase

In Europa blockieren bereits Großbritannien, Dänemark und Italien diverse Websites. Großbritannien testet derzeit sogar sogenannte Deep Packet Inspection (DPI). Dabei wird nicht nur untersucht, woher die Daten stammen und wann sie geschickt wurden, sondern der komplette Inhalte wird geprüft. Sie ist um einiges aufwendiger als andere Filterverfahren. Würden Staaten flächendeckend DPI für den gesamten Internetverkehr einsetzen, wäre das gleichzusetzen mit einer konstanten Abhörung aller Telefongespräche - und zwar der Inhalte, nicht wie derzeit üblich nur die Verbindungsdaten im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung. Im Einsatz ist DPI derzeit zwar schon in vielen Unternehmen und auch Ländern, allerdings wird die Technik noch nicht zur großflächigen Blockade von Websites oder direkter Zensur eingesetzt - abgesehen von China und dem Iran.

Deutschland setzt auf Löschen statt Sperren

Als einziges Land vehement gegen Netzsperren ausgesprochen hat sich bisher nur Deutschland. Hier war im Rahmen des heftig umstrittenen Zugangserschwerungsgesetzes geplant gewesen, über kinderpornografische Websites ein Stoppschild zu legen, um Täter abzuschrecken. Der Plan wurde (unter anderem wegen seiner Ineffizienz) auf Eis gelegt, die aktuelle Bundesregierung hat beschlossen, das Gesetz nicht umzusetzen. Stattdessen wird eine weit effektivere Methode verfolgt: Löschen statt Sperren. Sobald bekannt wird, wo sich kinderpornografisches Material befindet, werden die Provider ermittelt und dazu veranlasst, es zu löschen. Liegen die Server im Ausland, werden die entsprechenden Behörden informiert. Ein weiteres Land, das vom Netzsperren-Plan wieder Abstand nahm, ist Australien, wie Heise berichtet. Allerdings wird dessen Entscheidung kaum Einfluss auf die Entwicklung in der EU haben.

Österreichs Provider aktiv gegen Kinderpornos

In Österreich arbeitet die Vereinigung der Internetprovider ISPA mit dem Projekt Stopline aktiv gegen Kinderpornografie und Neonazismus im Internet. Werden entsprechende Websites entdeckt, kann man sie dort melden. Befindet sich der Ursprung in Österreich, wird ähnlich wie in Deutschland vorgegangen und der Inhalt entfernt. Für Quellen im Ausland werden die Daten an INHOPE, einen internationalen Zusammenschluss von 30 Ländern, der als Dachorganisation für Internet-Beschwerden gilt, weitergeleitet. Die EU selbst hat INHOPE bereits 1999 ins Leben gerufen, um den genannten Problemen Herr zu werden. Wie im Jahresbericht 2009 von Stopline zu sehen ist, stammt der Großteil des gemeldeten Materials aus den USA - die von den EU-Gesetzen nicht betroffen wären.

Sperren verhindern Misshandlung nicht

Zahlreiche Bürgerrechts- und Jugendschutzorganisationen wie MOGIS plädieren für mehr Prävention, anstatt das vorhandene Problem per Filter einfach auszublenden. Die Probleme sollten an der Wurzel angepackt und nicht erst Symptome über leicht zu überwindende Maßnahmen wie Netzsperren kaschiert werden, heißt es. Anders sieht das ECPAT Österreich, ein Verein der Teil einer internationalen Organisation ist und gegen Kinderpornografie, -handel und -prostitution kämpft. Die Organisation sieht Sperren als probates Mittel, um die Verbreitung des Materials zu stoppen. Allerdings nur im Rahmen eines Gesamtpakets, das auch Präventionsmaßnahmen inkludiert. Eines steht aber fest: Das Problem der Kindesmisshandlung beginnt nicht im Internet. Dort offenbaren sich nur ihre erschreckenden Auswüchse.

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

43 Kommentare
 
1 2
TheAlien
03.05.2010 16:06
1 0

Das Internet entwickelt sich zum proprietären System

Wenn Internet zum proprietären Monopolisten a la Apple/Microsoft mutiert (vollständig kontrolliert durch wenige und zureguliert zum Schaden der Nutzer), wird es Zeit, für Open Source.

Dabei ist mir herzlich egal, welches "Übel" dieser Welt (Kinderpornographie, etc) als Ausrede dafür dient, des noch relativ freie System Internet zur unfreien Zone zu machen.

Wenn es eine Community für ein freies WWW2 gibt: ich bin sofort dabei, diese zu unterstützen, um uns das letzte Restchen Freiheit zu bewaren, das es auf Corporate Earth noch gibt!

mastermind
02.05.2010 23:29
0 2

Wir müssen was unternehmen

Volksbegehren EU-Austritt unterschreiben. Und das Formular an Freunde verteilen

http://de-de.facebook.com/euaustritt

Sobald 100.000 Unterschriften da sind, werden auch die Medien darüber berichten MÜSSEN. Da die Mehrheit mittlerweile für einen EU-Austritt ist, wird das ganze schlussendlich auch stattfinden.

Also, auf zu den ersten 100.000...

Antworten Gast: krätzn
03.05.2010 15:43
0 0

Re: Wir müssen was unternehmen

genau, und dann hamma überhaupt nix mehr mitzureden, während die 26 anderen den mist absegnen und wir an den folgen leiden...

hirn!!!!!!!!!111eins

Gast: NoFeet2Go
02.05.2010 21:17
0 0

Totalüberwachung

Und wieder einmal wurde ein Anschlag zufällig (oder durch die Unfähigkeit eines 'Attentäters') verhindert und nicht durch die permanent gepriesenen Überwachungsmaßnahmen.

Aber wir werden sicher auch noch für die Nacktscanner aufm Flughafen zahlen dürfen.

Antworten Panda
04.05.2010 12:55
0 0

Re: Totalüberwachung

Na wenn Sie Entscheidungstraeger waeren und 10 % Kommission fuer alle Nacktscanner bekommen wuerden, wuerde Sie es sich auch 2 mal ueberlegen.
Und Ihre Frau wuerde auch sicher Aktien der Herstellerfirma am Tag vor der Entscheidung kaufen.
Stellen Sie sich vor, Ihre Familie muss nie wieder arbeiten, finanziert fuer Generationen.

Gast: Gast
02.05.2010 14:43
1 0

Wie im Jahresbericht 2009 von Stopline zu sehen ist, stammt der Großteil des gemeldeten Materials aus den USA - die von den EU-Gesetzen nicht betroffen wären.

"Seit Cecilia Malmström, Innenkommissarin der EU, ihren Vorschlag zur Einführung von Internet-Sperrfiltern gegen kinderpornografisches Material vorgestellt hat, arbeitet die Kommission fleißig daran, dass der Vorschlag Realität wird. Nach Angaben von Computerworld wurden 300.000 Euro an Jugenschutzgruppen in ganz Europa verteilt, um für den Netzsperren-Plan Stimmung zu machen. Unter anderem soll die European NGO Alliance for Child Safety Online (ENACSO) im Europaparlament direkt eine Lobbying-Veranstaltung abhalten, um Abgeordnete zu beeinflussen, für Netzsperren zu stimmen. Die Kommission will Organisationen wie ENACSO nutzen, um das Argument, die Zivilgesellschaft hätte kein Problem mit Netzsperren, durchbringen zu können."

MAKING POLITICS LIKE THE BIG ONES in the US, or MR BAMA with his Friends from the Chicago Machine, All the same corrupt hole of shit.

When will europe free himself from the us imperialism?

klops
02.05.2010 12:39
0 0

"Als einziges Land vehement gegen Netzsperren ausgesprochen hat sich bisher nur Deutschland."

... achso ich dachte diese Stoppschild-Zensur ist am wachsenden Widerstand der Bürger und weil der Koalitionspartner FDP grundsätzlich gegen Zensur waren gescheitert.

Vielleicht hat die Politiker das Wahlergebniss der Piratenpartei von knapp 2% aus dem Stand stutzig gemacht.

vlijen
02.05.2010 10:04
0 0

Zuspammen

Am besten ihr Sekretariat mit Beschwerden zuspammen: http://ec.europa.eu/commission_2010-2014/malmstrom/welcome/contact/default_de.htm

Gast: stoppt den strömenden malm!
02.05.2010 01:42
0 0

wie konnte es passieren dass diese frau innenkommissarin wurde?

sofort von dem job entfernen.
die ist inakzeptabel.

Antworten Gast: ITGuy
02.05.2010 09:46
1 0

Re: wie konnte es passieren dass diese frau innenkommissarin wurde?

Da dürft wohl die Frauenquote im Parlament schuld sein..

Antworten Antworten Gast: hbm
03.05.2010 18:11
0 0

Re: Re: wie konnte es passieren dass diese frau innenkommissarin wurde?

wieso?
werden etwa wegen der quote überzählige frauen vom parlament in die kommissionen entsorgt, ähm, abgeschoben?

Gast: hbm
02.05.2010 01:05
1 0

jössas, wie kann man wildgewordene kommissare/-innen stoppen?


wie kann man anzeige erstatten, wegen mißbräuchlicher verwendung von 300000,- euro?

diese frau ist sofort aus dem amt zu entfernen!

schlimm genug, daß leute mit so einer gesinnung überhaupt in so eine position kommen können.
wer ist denn für diese fehlentscheidung bei der personalwahl verantwortlich?
ein mindestmaß an demokratischem verantwortungsgefühl sowie kenntnis UND verständnis der menschenrechte ist unbedingte voraussetzung für diese stellen.

Inomine
01.05.2010 21:55
2 0

... und immer mehr propaganda der eukatur ...

... und heute in galileo eine sendung, die wiederum nur zum thema hat sogenannte "verschwörungstheoretiker" zu diskreditieren, dazu im vorabendprogramm eine "simpsons"-folge, die das thema "invetigativen journalismus" komplett durch den kakao zieht, damit schon die kleinen auf mainstream konditioniert werden ...

Antworten Inomine
01.05.2010 21:55
0 0

Re: ... und immer mehr propaganda der eukatur ...

"investigativen" - sry :)

Gast: Ablöser
01.05.2010 16:16
5 0

Manipulation durch EU-Innenkommissarin: Ablösen, sofort!

Mit unserem Geld betrügt uns die Innenkommissarin der EU Cecilia Malmström.

Sie will trotz ihrer mangelnden Kompetenz und technischen Kenntnissen ein unsinniges Gesetz durchmanipulieren.

Ablösen!
Sofort!

Gast: Oesterreicher
01.05.2010 15:24
0 0

ineffizient

Ich finde Netzsperren zwar sinnlos, fürchte mich davor aber nicht - sie sind zu leicht zu umgehen. Wenn tatsächlich begonnen wird, den kompletten Traffic zu scannen, werden die gesuchten Inhalte wohl nur noch verschlüsselt verfügbar sein. Hilft also auch nix. Es wäre vielleicht sinnvoll, wenn die Politik bei derartigen Fragen einmal kurz Rücksprache mit Informatikern hielte...

Antworten Gast: Jaja
03.05.2010 12:08
0 0

Re: ineffizient

Herr Informatiker, schon mal daran gedacht, dass ein Filter, ähnlich wie ein Virenscanner, verschlüsselte und nicht scanbare Daten erst gar nicht durchlassen könnte?

Antworten Gast: Gast
01.05.2010 16:57
0 0

Re: ineffizient

Mit Verlaub, aber Ihr Kommentar ist recht einfaeltig:

Wenn Netzsperren so leicht zu umgehen sind, was glauben Sie wird passieren?

Richtig, man wird einen Grund haben noch weitere Einschraenkungen treffen zu muessen, weil der 'Grundgedanke' ja richtig ist (weil wir es ja sowieso schon machen), letztlich aber die Technik versagt.

Hier ist es aber leider so, dass bereits der 'Grundgedanke' voellig entgegen jeder demokratischen Idee ist und klar abgelehnt werden muss. Mit Technik hat das nichts zu tun. Das Ansinnen alleine ist zu verwerfen!

Gast: Panarcus
01.05.2010 12:46
4 0

Es geht um die Kinder!!! Nur anders

Morgen werden die Kinder erwachsen in einem Überwachungsstaat...

Gast: hmv
01.05.2010 11:33
4 0

bei kinderpornosperre alleine wird es nicht bleiben, darauf könnt ihr euch verlassen!

genießt die letzten jahre der freien meinungsäußerung!
oder sollte ich besser sagen "monate", denn das antiterror/antiösterreicher-gesetz tritt ja schon bald in kraft...

Gast: gast
01.05.2010 09:38
1 0

EUdSSR

Eure Daten Speichern (wir) Sehr geRne

Antworten Gast: Hugo
01.05.2010 12:28
1 0

Re: EUdSSR

Echt, unter diesem Sauhaufen sitzen Ratten

Gast: Gast
01.05.2010 09:09
0 0

Stopline in Österreich

Wann werden endlich auch linksextremistische und radikalislamische Seiten aus dem Netz entfernt?

Antworten Gast: Gast
01.05.2010 17:39
0 0

Re: Stopline in Österreich

Nicht zu vergessen den Rechtsextremen
Müll.

Gast: Gast
01.05.2010 06:20
2 0

Jetzt werden die armen Kinder nochmals missbraucht.

Und zwar von den Regierenden: Gesetzlich verordnetes Wegschauen-muessen hilft keinem Kind! Ganz im Gegenteil.

Aber es geht ohnehin nur im die Ueberwachung und Kontrolle der Buerger.

Wir sind im Zeitalter des EU-Faschismus. Das vermeintliche 'Friedensprojekt' wird zum Tyrannen.

petarius
01.05.2010 02:37
3 0

Piratenparteien sind

immer wichtiger um Menschenrechte zu bewahren!!!

 
1 2