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Blankoscheck für Datenspione

26.05.2010 | 18:12 |  DANIEL BREUSS (Die Presse)

Viele Internetnutzer wissen, dass sie beobachtet werden, es stört sie aber nicht. Datenschützern fehlen schärfere Sanktionsmöglichkeiten. Grundsätzlich stellt sich die Frage, wessen Aufgabe es ist, Daten zu schützen.

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Österreichs Internetnutzergemeinde begibt sich sehenden Auges in Gefahr. Zwar sind laut einer aktuellen Umfrage die meisten davon überzeugt, dass ihre Daten von Anbietern wie Facebook, Twitter und Google ausspioniert werden, gleichzeitig zeigte sich der Großteil der Befragten aber gleichgültig gegenüber der Sammelwut. So gaben 54,9 Prozent an, dass es sie nicht kümmere, wenn Google für die kostenlose Nutzung seiner Dienste ihre Personen- und Verhaltensdaten aufzeichnet.

Die Befragung von 1100 Personen durch das Beratungsunternehmen Oekonsult zeigt, dass den Österreichern das Problem Datenschutz zwar bewusst ist, im Großen und Ganzen aber eine „Ist mir wurscht“-Mentalität herrscht – beziehungsweise ein gewisser Fatalismus. So glauben 85Prozent, dass der einzelne Bürger sich in Sachen Datenschutz ohnehin nicht gegen Branchenriesen wie Facebook und Google durchsetzen könne. Und knapp 58Prozent sagen, ihnen sei die ganze Datenschutzmaterie zu kompliziert.

Dabei existieren Probleme durchaus. Erst vor Kurzem zeigte sich, dass Google mit seinen Kameraautos auf der ganzen Welt nicht nur Fotos für seinen virtuellen Stadtrundgang „Street View“ aufgenommen, sondern dabei auch kurzerhand Datenverkehr von lokalen Drahtlosnetzwerken (WLAN) abgehört hatte. 600 Gigabyte, um genau zu sein. „Das war ein Fehler“, gab Google zu. Etwas anders sieht das Australiens Kommunikationsminister, Stephen Conroy. Er hat Google am Montag vorgeworfen, die Daten absichtlich gesammelt zu haben, und sieht „den größten Datenschutzskandal in der Geschichte der westlichen Demokratie“. Ein Vorwurf, den viele Datenschützer teilen, aber nur selten öffentlich äußern.

 

Selbst schuld?

Auch Österreichs WLAN-Netze wurden angezapft. Allerdings nur ungeschützte. Wer sein Netzwerk mit einem Passwort gesichert hat, ist nicht betroffen. Die Datenschutzkommission reagierte verschnupft und forderte von Google die umgehende Löschung der Daten. Anders in Deutschland. Dort will man die Löschung verhindern, um Beweismaterial zu sichern. Österreichs Datenschützerin Waltraut Kotschy erklärte gegenüber der „Presse“, dass für sie das größere Risiko darin bestehe, dass die Daten erhalten bleiben. Daher hatte sie auf die Löschung gepocht. Google kam der Forderung nach. Zumindest laut Angaben des US-Unternehmens ISEC, das die Löschung überwacht haben will.

Kotschy sieht aber auch ein Problem im Verhalten der Nutzer. „Sie kümmern sich nicht um Sicherheit oder können die Problematik nicht einschätzen“, sagt Kotschy, geschäftsführendes Mitglied der Datenschutzkommission. Daher fordert sie auch, dass etwa WLAN-Zugangspunkte ab Werk gesichert eingestellt sind. Ein Problem sei auch, dass es kaum Sanktionen in Sachen Datenschutz gebe.

Derzeit gibt es neben Google noch einen zweiten großen Buhmann. Das Online-Netzwerk Facebook gerät seit Monaten immer stärker ins Visier der Behörden. Zwei Millionen Österreicher bevölkern das Portal bereits, 70 Prozent der Jugendlichen nutzen es täglich. Sein Chef Mark Zuckerberg soll laut Mitarbeiter die Ansicht vertreten, dass Datenschutz irrelevant ist. Wegen geänderter Geschäftsbedingungen, die es Facebook erlauben, Daten von Nutzern ohne deren Einwilligung an Dritte weiterzugeben, haben 15 Konsumentenschutzorganisationen bei der US-Handelsbehörde FTC Beschwerde eingelegt. Auch aus dem US-Senat hat es Vorwürfe gegen Facebook gehagelt.

Als besonders gefährlich empfinden es Datenschützer, dass die Standardeinstellungen auf Facebook sehr viele persönliche Daten für alle sichtbar machen. Erst wenn man diverse Funktionen deaktiviert, sind sie nur noch für Freunde oder bestimmte Personengruppen sichtbar.

„Google hat zu viel Macht“

Grundsätzlich stellt sich aber die Frage, wessen Aufgabe es ist, die Daten zu schützen. Gerade bei Facebook gibt es Wege, sie zu verbergen. Die muss man aber erst einmal finden. Das Unternehmen hat angekündigt, hier nachzubessern. Auch sonst liegt es in der Macht der Nutzer, wie viele Daten die Unternehmen erhalten. „Wenn die Welt nicht wollte, dass Google existierte, wäre Google tot“, sagte Gustaf Neumann, Vorstand des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der WU, zur „Presse“. Viele Nutzer wollen aber, dass sie möglichst stark in Google vertreten sind. Selbst weigert er sich, seine E-Mails Googles Dienst Gmail anzuvertrauen: „Google hat schon zu viel Macht.“ Der Grund, warum Nutzer sich nicht ausreichend schützen, sieht er in deren Faulheit. Die aktuelle Studie scheint ihm recht zu geben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2010)

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16 Kommentare
Gast: zueinfach
27.05.2010 09:22
0 0

google böse?

Es regt mich wirklich auf wie aus Unwissenheit oder fehlendes Wissen Schlagzeilen werden.

"Google klaut Wlan Daten" "Datenschutz" "Spionage"...
Das ist doch nur Show... Diese sogenannten "Datenschützer" haben scheinbar keine Ahnung von den technischen Gegebenheiten. Was soll den bitte Google mit 5 Sekunden Mitschnitt anfangen... Die haben soviele Server die können den Internetverkehr JEDERZEIT von sehr sehr vielen Menschen aufzeichenen wenn sie lustig sind und ihnen fad ist... davon les ich hier aber nichts! Jeder Provider kann dies... und macht das auch in gewissen Grenzen... keiner jammert darüber... aber wenn Google 5 Sekunden aufzeichnet gibts gleich Schlagzeilen...

Warum gibts keine Schlagzeile "Google startet ssl verschlüsselte Suchen"? Weil die "Datenschützer" keine Ahnung haben wie "das Internet" überhaupt funktioniert... nur wenn sie so einfache Informationen zugeschanzt bekommen wie "Google klaut WLan Daten" dann können sie ganz ganz lange Artikel schreiben wie furchtbar das nicht alles ist...

Wenn man große Plakate mit ungünstigen Fotos ausdruckt und vor der Firma wo man sich bewerben will aufhängt, dann wundert sich keiner dass das vielleicht negative Konsequenzen hat, aber wenn die Leute das öffentlich ins Netz stellen, wundern sie sich! Ich seh hier kein "Datenschutzproblem" es ist einfach der übertriebene Selbstdarstellungszwang der heutigen Zeit... Aber es gibt ja eine einfache Lösung: Bevor man sich irgendwo bewirbt, werden diese Fotos halt gelöscht.

Cuchulainn
27.05.2010 08:15
0 0

Staats-Spitzel!

Jeder Internet-User müsste wissen, dass er von der Staatspolizei bespitzelt wird, wenn er irgendwie politisch "auffällig" wird.
Das und nicht die kommerzielle Datensammlung ist das wirkliche Problem.
So lange Schwarz und Rot am Ruder sind, wird sich das weiter verschärfen.

Gast: Trainer
27.05.2010 07:40
0 0

ECDL unterstützt Google

Kennen Sie den ECDL? Wer in Österreich hat den Computerführerschein nicht - und alle, die die Tests aktuell gemacht haben, werden im Modul 7 (Internet) gefragt: "Starten Sie im Webbrowser die Suchmaschine Google.
Suchen Sie nach ... Finden Sie mit der Suchmaschine Informationen zu ..."
So wird Bewusstsein gleich bei 14-Jährigen und Neueinsteigenden gebildet ...

Gast: Gastname
27.05.2010 01:46
0 1

Ueberschrift

Bitte ich will etwas sagen: Es ist nicht die Frage wessen Aufgabe es ist die Daten zu schuetzen, sondern die Frage warum das Justizsystem zu korrut ist Entscheidungen aufgrund falscher Daten zu bestrafen und die Schaeden daraus zu entgelten zB weiß ich, daß lange Dialoge und Gespraeche via Internet beliebig sind, auch wenn man Angst hat abgehoert zu werden und wenn Siemens solche Terrortechnologie an Diktaturen verkauft erst recht. Mir ist schleierhaft wie man aufgrund solcher "Evidenz" "Terroristen", irgendwelche armen Migranten, verurteilen kann, das ist Phrasologie, weil ich mitdenke, aufpasse, zuhoere und qualifiziertes Wissen und Erfahrung habe.

Gast: frage
26.05.2010 23:44
0 1

Datensammlung

also was schadet es mir wenn Google meine Daten hat?

Gast: opolis
26.05.2010 21:55
1 0

verstehe noch immer nicht ...

... warum leute sensible informationen nicht verschlüsselt versenden: es gibt das alles schon und auch gratis, wie etwa bei opolis secure mail ...
... oder auch anderen diensten. - da können dritte eben mails dann nicht mehr lesen!

oktan
26.05.2010 20:04
1 0

? ...könnte es sein, dass

die meisten user dieser diversen sites sich unbewusst absichtlich ausspionieren lassen ?...
...weil sie sich ansonsten von der Umwelt abgekapselt fühlen ?...
...weil sie sich ganz 1fach vereinsamt fühlen ?...

GeorgeOrwell lässt grüssen...

Antworten Gast: Orwell
26.05.2010 20:32
1 0

Re: ? ...könnte es sein, dass

Ich denke, da könntest du durchaus Recht haben !

Gast: Fidel Gastro
26.05.2010 19:51
0 0

Jugendschutz

Eines der größten Probleme sehe ich in diesem Zusammenhang beim Jugendschutz: Viele Kinder und Jugendliche sind hier zu arglos, weil sie wegen fehlender Lebenserfahrung die kriminelle Energie von Betrügern nicht kennen. Sie werden dann auf Grund der preisgegebenen Daten mit Spam, Pornographie und sonstigem Dreck zugemüllt. Da man Kinder und Jugendliche ja im Normalfall auch nicht ungeschützt nachts den Straßen einer Großstadt überlässt, sollte es auch hier strengere Regelungen geben: Bei Datensammelstellen wie Facebook sollte ein Beitritt Minderjähriger nur mit dem Einverständnis ihrer Eltern möglich sein.

LvMises
26.05.2010 19:50
2 0

der kanckwurst und bier oesterreicher

der knackwurst und bier oesterreicher wird bald nach vater staat schreien!

mfg

Antworten toranaga
26.05.2010 20:50
0 0

Re: der kanckwurst und bier oesterreicher

es ist auch die aufgabe der staaten, ihre bürger vor den angriffen auf deren grundrechte zu schützen.
wenn allerdings viele bürger bewußt oder unbewußt auf diese rechte verzichten ist es deren sache.
für diejenigen jedoch, die am informationszeitalter teilhaben wollen und nicht auf ihre rechte verzichten gilt ersteres.

prost mahlzeit, t.

Antworten Antworten Cuchulainn
27.05.2010 08:16
0 0

Re: Re: der kanckwurst und bier oesterreicher

Der Staat ist der gefährlichste Spitzel.

Antworten Antworten Antworten toranaga
27.05.2010 10:42
0 0

Re: Re: Re: der kanckwurst und bier oesterreicher

werte(r) cuchulainn,

da gebe ich ihnen prinzipiell schon recht.
nur geht es hier im artikel nicht um einen wettbewerb zwischen konzernen und staaten (obwohl man meinen möchte, dass es einen solchen nicht selten gibt...).

am allergefährlichsten wird es sicher, wenn konzerne und staaten zusammenspielen. ich gehe davon aus, dass dies auch regelmäßig der fall ist.

mfg, t.

Gast: Gast
26.05.2010 14:48
1 0

Wie schon mal gesagt..

...Google macht aus uns allen bessere Menschen...

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'Mutwillige' Datensammlung

Darin besteht kein Zweifel. Dabei ist Google derjenige der "Wolf" schrie als die cleveren Chinese Ihnen das Spionieren schwer machten.
Hypokritischer geht es nicht mehr. Google ist inzwischen zum groessten allgemeinbekannten Spion herangewachsen, taetig in aller Welt, der Daten und Orte, Google Earth (sie bekommen die Spyfotos der Nasa. Diese nun mit physischen Adressen zu kombinieren ist eines der Projekte zur totalen Ueberwachung. Jeder Telefonanruf, jedes Mail kann somit einer Addresse zugeordnet werden.
Und da sehen die cleveren Oesterreicher keine Gefahr darin. 'Des is mir Wurscht' Mentalitaet schlichthin wie ueblich.
Google kann sich nicht entschuldigen, die Daten werden bewusst gesammelt, es war kein 'Versehen'.
Ihr seit Euch sicher, dass Clinton und Obama keinerlei Schuldgefuehle aufkommen lassen.
Die wissen warum sie Google unterstuetzen.

Gast: gast
26.05.2010 11:53
0 0

tja

googl hat wahrscheinlich schon mehr informationen als die geheimdienste das ist mittlerweile eine echte mafia