Gesichtserkennung: Tarnschminke für Facebook

Facebook beginnt automatisch Gesichter auf Fotos zu markieren. Wer das nicht will, könnte sich von der Camouflage-Technik von Kriegsschiffen inspirieren lassen, meint ein IT-Designer.

Tarnschminke fuer Facebook
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Tarnschminke fuer Facebook
Schminke – (c) ahprojects.com (Adam Harvey)

Gesichter von Freunden und Bekannten auf Fotos zu markieren, ist eine Lieblingsbeschäftigung auf Facebook. Mal aus Stolz, mal als Spaß und gelegentlich auch aus Gemeinheit. Nicht immer ist das auch vom Markierten gewünscht, schließlich spuken seit Jahren Geschichten von auf Partyfotos Markierten durch die Medien, die ihren Job verloren oder gar nicht erst bekommen haben. Für sie muss die neueste Funktion auf Facebook wie eine Drohung klingen: Künftig wird das Netzwerk automatisch erkennen, ob auf einem Foto ein Gesicht zu sehen ist, und Facebook-Mitglieder auffordern, dem Gesicht einen Namen zuzuweisen. Eine entsprechende Funktion wird gerade von einem eingeschränkten Nutzerkreis getestet.

Solche Technologien gibt es auch bereits anderswo; sie sind in der Regel lernfähig und können nach einigen Bildern selbst Gesicher erkennen und ihnen Namen zuweisen. Googles Bilderverwaltung Picasa kann das zum Beispiel, genauso wie Apples iPhoto. Auch für Facebook-Fotos gibt es bereits eine Lösung: Face.com bietet eine Anwendung an, die Fotoalben auf Facebook scannt, Gesichter erkennt und passende Namen vorschlägt. Die Fotos von 50 Millionen Facebook-Nutzern hat das Unternehmen bereits gescannt.

Handy-Foto genügt. Kürzlich hat sich Face.com Entwicklern geöffnet, und schon sind noch viel mächtigere Anwendungen im Entstehen. Eine Anwendung für das iPhone, die Personen identifiziert, die mit der Handkamera abgelichtet werden, gibt es bereits. Noch beschränkt sich die „Social Augmented Reality“-App von Comverse auf Personen, die man bereits kennt. Die Vorstellung einer Anwendung, die auch fremde Personen mit Informationen aus dem Internet in Verbindung bringt, ist aber nicht weit davon entfernt.

Ob es einen Weg gibt, dem Ganzen zu entgehen? Und ob, meint der IT-Designer Adam Harvey, und zwar mit Schminke. Die verhindert nicht nur, dass Programme ein Gesicht identifizieren, sondern sogar, dass sie überhaupt erkennen, ob ein Gesicht zu sehen ist. Einige geometrische Formen im Gesicht genügen, um für Software kein bisschen menschlich zu wirken. Die Idee geht auf die Camouflage-Technik von Kriegsschiffen zurück: Wie bei Zebras dient sie nicht dazu, mit dem Hintergrund zu verschmelzen. Die schwarz-weiß verzierten Schiffe und Herden sind für Beobachter nicht mehr gut erkennbar. Man kann ihre Größe nicht einschätzen und keine Details mehr ausmachen. Freilich werden in Zukunft die wenigsten mit geometrischen Schwarz-Weiß-Zeichnungen im Gesicht außer Haus gehen. Aber vielleicht findet sich auch für dieses Problem eine Software-Lösung.

Adam Herveys Facebook-Camouflage

OpenCV Face Detection: Visualized from Adam Harv on Vimeo.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2010)

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