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Vorratsdatenspeicherung: Österreich vom EuGH verurteilt

29.07.2010 | 19:13 |   (DiePresse.com)

Bis März 2009 hätte Österreich die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenseicherung umsetzen sollen. Infrastrukturministerin Bures will Strafzahlungen vermeiden. Sie sieht Handlungsbedarf im Justiz- und Innenressort.

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Österreich ist wegen fehlender Umsetzung der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung vom Europäischen Gerichtshof verurteilt worden. Die EU-Richter stellten in ihrem Urteil (C-189/09) am Donnerstag fest, dass die Republik damit gegen EU-Recht verstoßen habe. Setzt Österreich die Richtlinie nicht um, könnte die Republik in einem neuerlichen Verfahren vor dem Gericht zu Strafzahlungen in Millionenhöhe verurteilt werden.

Seit März 2006 schreibt die EU-Richtlinie die systematische Speicherung von Telefon- und Internetdaten vor. Anbieter von Telekommunikationsdiensten müssen demnach EU-weit Verbindungsdaten zwischen 6 und 24 Monate lang auf Vorrat speichern. Österreich hätte wie die anderen EU-Staaten die Vorratsdatenspeicherung bis 15. März 2009 umsetzen sollen, was am fehlenden Konsens in der Regierung scheiterte.

Die zuständige Infrastrukturministerin Doris Bures (S) erklärte umgehend in einer schriftlichen Stellungnahme, sie habe zwar "vollstes Verständnis dafür, dass sich viele die Nicht-Umsetzung der Richtlinie wünschen". Österreich müsse aber vorbereitet sein, um drohende Strafzahlungen in Millionenhöhe zu vermeiden. Deshalb habe sie ihren Teil der Umsetzung abgeschlossen, erklärte Bures. Die Novelle zum Telekommunikationsgesetz sei unter breiter Einbindung von Experten und Zivilgesellschaft erarbeitet worden, um Schutz der Grundrechte, Datenschutz und Transparenz in größtmöglichem Ausmaß zu gewährleisten, so die Ministerin.

Der EuGH habe Österreichs Ersuchen um eine mündliche Verhandlung abgewiesen. Auch im schriftlichen Urteil habe der EuGH die Einwände Österreichs im Hinblick auf mögliche Unvereinbarkeit mit der Europäischen Grundrechtscharta nicht aufgegriffen, sondern eben nur nach formalen Kriterien entschieden, betonte Bures. Ein Ergebnis der von der EU-Kommission veranlassten Richtlinienüberprüfung solle Mitte September vorliegen. Wie die EU-Kommission selbst die Richtlinie in Bezug auf EU-Recht einschätze, werde auch das weitere Vorgehen Österreichs beeinflussen. Neben der Festlegung der Speicherverpflichtung im Telekommunikationsgesetz bedürfe es auch Anpassungen in der Strafprozessordnung und im Sicherheitspolizeigesetz. Bures bedauerte, dass vom Justiz- und Innenressort bisher keine Vorschläge gemacht beziehungsweise in Begutachtung geschickt worden seien.

(APA)

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5 Kommentare
Gast: 2047
31.07.2010 22:58
0 0

Mit sowas schaufelt sich die EU ihr eigenes Grab.

Diese Richtlinie ist ein Akt der Selbstzersetzung.
Die Reue wird bitter sein.

Gast: Nyn
30.07.2010 11:49
0 0

Sie haben der RL 2006/24/EG doch zugestimmt

Es ist schon sehr bezeichnend, wenn die österreichischen Politiker zuerst im Rat der Vorratsdatenspeicherungsrichtlinie zustimmt, dann aber, wenn sie wieder zu Hause sind, so tun, als ob sie damit überhaupt gar nichts zu tun hätten.

Gast: Chris S.
30.07.2010 11:47
1 0

Traurig

Die EU sagt, alle Internetdaten und Telefongespräche müssen aufgezeichnet werden, ich habe mich schon vor mehreren Monaten darüber informiert und geholfen dagegenzusteuern. Kein Bürger der davon Bescheid wüsste, wäre dafür - vor Monaten wurde dieses Thema hinter dem Rücken des Volkes entschieden und teils auch schon umgesetzt, nur Unterschriften und von mir hoch angesehene Datenschützer konnten das Ruder rumreißen. Die Bürger in Österreich haben da leider wenig zu melden, auch wenn es hier um Österreich geht. Wirklich traurig, die vielen Nachteile an der EU überschatten die wenigen wirtschaftlichen Vorteile. Aber unser Fischer sowie die SPÖ und ÖVP, wollen ja weiter diesem Bürokratenhaufen nachkriechen, statt auf die Stimmen der eigenen Bürger zu hören.

Sobald die Mauer des Datenschutzes fällt, ist die persönliche Freiheit und die Privatsphäre auch gefallen - in einem "Krieg" von dem nur wenige wussten und unsere Politiker gar nicht am Feld waren.

Die EU an sich ist keine so schlechte Idee - sie ist nur in die falschen Hände geraten...

cerberus
30.07.2010 06:12
1 0

Alle Macht geht vom Volke aus

aber leider nicht mehr innerhalb der EU, wo die Demokratie zu Grabe getragen wurde.

JosefGott
30.07.2010 02:04
0 0

Und?

Die Strafe ist geringer als die Kosten für die Umsetzung.