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Tatort Facebook: Immer mehr Fälle

18.08.2010 | 18:24 |  ANNA-MARIA WALLNER UND ANDREAS WETZ (Die Presse)

Eine Frau verleumdete ihren Exfreund im Internet als Pädophilen. Die Rechtslage für derartige Fälle weist Lücken auf. Experten fordern mehr Medienkompetenz der Nutzer.

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Der Ruf von Herrn T. ist ruiniert. Über Tage hatte die Exfreundin unter seinem Namen mit Foreneinträgen im sozialen Netzwerk Facebook bei zahlreichen Nutzern den Verdacht geschürt, T. missbrauche seine Kinder. Er geriet unter Verdacht. Ermittlungen der Polizei entlarvten das Vorgehen als eine von Eifersucht getriebene Rufmordkampagne. Damit ist in Österreich der erste Fall einer Verleumdung über Facebook bekannt geworden.

Die Tatsache, dass sich eine Person auf Facebook für jemanden anderen ausgeben und großen Schaden anrichten kann, scheint die Österreicher zu empören. Was angesichts der steigenden Zahl an Facebook-Nutzern kaum verwundert. 2.105.800 Profile waren mit Stichtag 31.Juli 2010 in Österreich registriert. Zwar bittet das Unternehmen, unter echtem Namen aufzutreten, praktisch ist es kein Problem, unter dem Namen des Nachbarn fragwürdige oder gar strafbare Inhalte in die Welt zu setzen.

Dabei ist strafbaren Handlungen, wie der aktuelle Verleumdungsfall, juristisch relativ einfach beizukommen. Solange sich der Täter in Österreich aufhält und durch seine IP-Adresse ausfindig zu machen ist, kommen die einschlägigen Bestimmungen des Straf- oder Zivilrechts zur Anwendung. „Das Strafgesetzbuch ist da technikneutral“, sagt der auf Rechtsfragen rund um soziale Netzwerke spezialisierte Anwalt Johannes Öhlböck. Problematisch werden straf- oder zivilrechtliche Sachverhalte dann, wenn der Täter nicht aus Österreich kommt und im Ausland nicht oder nur schwer ausfindig gemacht werden kann.

Ein vor allem in den USA weit verbreitetes Delikt im Zusammenhang mit sozialen Netzwerken ist „Identity Theft“, also Identitätsdiebstahl. Während es in den USA zur strafbaren Unsitte geworden ist, Zugangsdaten zu Versicherungskonten Dritter zu erlangen, um sich medizinische Leistungen auf Rechnung anderer zu erschleichen, ist es hierzulande immer beliebter, Facebook-Profile unter fremdem Namen zu erstellen. Einer der Betroffenen ist „ZiB2“-Moderator Armin Wolf. Auch dagegen ist mit den Mitteln des Zivilrechts beizukommen.

Terrorverdacht

Dabei muss die Bloßstellung via Facebook nicht zwangsläufig durch böswillige Expartner oder Nachbarn geschehen. Manchmal reicht es, den gleichen Namen wie ein Straftäter zu tragen: Im Mai hatte ein gewisser Faisal Shahzad versucht, am Times Square in New York eine Bombe zu zünden. Mehrere gleichnamige Personen, die zudem Profile in Facebook angelegt hatten, staunten nicht schlecht, als sie in Boulevardmedien ihre eigenen Porträtfotos entdeckten. Alle versehen mit dem Hinweis, dass es sich bei der Person um einen flüchtigen Terroristen handeln könnte.

Verwechslungen wie diese sind kaum zu verhindern. Trotzdem raten Experten, nur Daten oder Fotos zu veröffentlichen, für die man sich auch im Offline-Leben nicht schämen müsste. Das Internet vergisst nämlich nicht. Einmal online sind Daten – so sie jemand anderer abspeichert – de facto nicht mehr löschbar. Erst vor wenigen Wochen sorgte der IT-Sicherheitsfachmann Ron Bowes für Aufregung, in dem er ganz legal die Profile von 100 Mio. Facebook-Nutzern von den Servern des Unternehmens absaugte und die Datei in Online-Tauschbörsen zum Download anbot. Das Interesse am 2,8 Gigabyte großen Verzeichnis war riesig. Wer die Interessenten waren, ist nicht bekannt.

Damit User gar nicht erst in peinliche Situationen geraten, versucht Bernhard Jungwirth insbesondere Schüler zu mehr Vorsicht im Internet zu bewegen. Die von Telekom-Betreibern, der EU und mehreren Ministerien getragene Initiative „Saferinternet“ stellt Lehrmaterialien her und geht an Schulen, um Nutzer für den Umgang mit Facebook und anderen Diensten zu sensibilisieren. Jungwirths Ratschläge zum Selbstschutz im virtuellen Raum lauten: „Geben Sie das Passwort nicht weiter, durchsuchen Sie das Netz regelmäßig nach sich selbst, und bringen Sie entdeckten Missbrauch zur Anzeige.“

Anwalt Öhlböck hält es für notwendig, dass an den Schulen ein Fach „Webkompetenz“ unterrichtet wird. „So wie man früher gesagt hat: Nimm kein Zuckerl von einem Fremden, wird man Jugendlichen erklären: Stell keine Bilder von dir oder anderen ins Netz.“ Wie gesagt: Das Internet vergisst nie. Fahndung per Facebook, Seite 10

AUF EINEN BLICK

2,1 Mio. Österreicher nutzen Facebook.Der jüngste Fall aus Oberösterreich, bei dem ein Mann laut Polizei von seiner Exfreundin als Pädophiler verleumdet wurde, zeigt das Gefahrenpotenzial sozialer Netzwerke auf. Zahlen zu deren Häufigkeit gibt es nicht, die Bandbreite reicht von Beleidigungen bis hin zu strafbaren Handlungen. Die Rechtslage ist nicht letztgültig geklärt, Experten fordern mehr Medienkompetenz der Benutzer ein.

Rechtsanwaltskanzlei Dr. Öhlböck: www.raoe.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.08.2010)

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26 Kommentare
 
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Gast: PC-Mann
19.08.2010 13:17
0 0

Facebook

Ich kann als Computerfachmann nur jedem empfehlen sein Profil auf FB zu löschen.

Es gibt bereits sehr viele offensichtluche und weniger offensichtliche Fake-profile mit denen sich viel (nicht strafbarer) Schabernak in dieser Community anrichten lässt.

Für mich als Aussenstehender immer wieder lustig, ich könnte mich jedesmal totlachen wenn einem FB Nutzer das passiert

Gast: gast
19.08.2010 10:09
5 1

da wirds gar keinen prozess geben

täterin ist ja eine frau, und die sind sowieso unschuldig, ansonsten gibts eben ein gefälligkeitsgutachten, dass sie schuldunfähig ist

frauen verleumden männer jeden tag, "bestraft" werden sie dann mit dem erhalt des sorgerechts für das kind, so wie in dem fall

Wienerin brachte Ex-Freund ins Gefängnis
http://wien.orf.at/stories/248025/

Antworten Gast: o_O
19.08.2010 11:35
0 0

Re: da wirds gar keinen prozess geben

Verleumdung ist strafbar, somit wird die Staatsanwaltschaft sicher Anklage erheben. Und das ist auch gut so. Die Schuldunfähigkeit muss die Dame erst mal nachweisen. Falls sie unbescholten und geständig ist, wird sie halt mit einer bedingten Strafe davonkommen - das wäre bei einem Mann aber auch nicht anders.


Gast: Bösmensch
19.08.2010 09:44
0 0

StgB technikneutral?

Verleumdung ist Verleumdung, egal wo. Was hat das damit zu tun, wo diese Verleumdung begangen wird?

Gast: ich weiß als nicht-wissender
19.08.2010 08:02
1 0

Wer die Interessenten waren, ist nicht bekannt.

A.C. Nielsen
Agilent Technologies
Apple
AT&T - möglicherweise Macrovision
Baker & McKenzie
BBC
Bertelsmann
Boeing
Cisco Systems
Cox Enterprises
Davis Polk & Wardwell
Deutsche Telekom
Disney
Duracell
Ernst & Young
Fujitsu
Goldman Sachs
Halliburton


gulli.com
http://www.gulli.com/news/datenhungrige-grosskonzerne-ziehen-sich-facebook-profile-2010-07-30

Gast: old'nwise
19.08.2010 02:41
0 2

bin einer der ältesten Hasen am Internet

. . . habe viel Kontakt und eMail.
Was man baucht, is eine enge Beziehung und ein 'network of friends'.
Um sich vorzustellen und jedermann am laufenden zu halten, lege ich am facebook eine Fotogalerie an.
Dann kann ich mit jeder Post auf den entsprenden Album verweisen. And pictures say it all.
So ich Interessantes, Wissenswerte und Kulturelle speicher, werde ich's auf jpeg-Format texten und entsrechende Alben schaffen.
Gewiss muss man immer vorsichtig sein, doch facebook scheint ein tolles Kommunikationsmedium zu sein.

Antworten Gast: lurker
19.08.2010 08:35
0 0

texte als .jpeg?

troll oder noob?

Antworten Antworten Gast: alter
19.08.2010 09:34
0 0

Re: texte als .jpeg?

troll!!!

Antworten Gast: Gast
19.08.2010 08:11
0 0

Re: bin einer der ältesten Hasen am Internet


Wenn Ihr Facebook-Foto plötzlich in den Zeitungen als mutmaßlicher Verbrecher abgebildet ist, schaut Ihre Welt aber anders aus.




Gast: GAST
18.08.2010 23:26
4 0

bei aller tragik

bei aller tragik dieses falles, man kann für den mann nur hoffen, dass sein image wieder zu 100% hergestellt werden kann.

zu seiner ex kann man nur sagen, auch ich war mit 18 sicher manchmal deppert, aber wer solche aktionen liefert (liebe zurück erpressen hin oder her) müsste man die gute dame schon mal untersuchen, ob sie nicht einen kleinen geistigen defekt in ihrem hirn hat.

man kann deppert sein, aber sowas sprengt eindeutig die grenzen des guten geschmacks und blinde verliebheit ist hier wirklich keine ausrede - diese dame (oder soll ich noch sagen "kleines mädchen") dürfte nicht nur ein gebrochenes herz, sondern psychische probleme haben die anderer natur liegen. vor allem wenn man auf sowas kommt, sollte die polizei auch untersuchen, ob dieser frau nicht genau das angetan wurde (und sie darum so reagiert), was sie nun ihrem ex vorgworfen hat. denn meistens entstehen ja wahnvorstellungen nicht von nichts, sondern haben zumindest einen kleinen funken mit der realität zu tun.
natürlich gilt die unschuldsvermutung, aber die polizei sollte sich auch mal den vater der ex-freundin genauer unter die lupe nehmen!

Antworten Gast: o_O
19.08.2010 11:42
0 0

Re: bei aller tragik

Solche Aktionen haben, wie Sie ja richtig bemerken, mit bloßer Dummheit nichts mehr zu tun, und da darf auch die Ausrede vom "jugendlichen Übermut" nicht gelten. Das klingt nach sehr gezieltem, systematischem Vorgehen; insofern wird sich die Frau auch kaum auf Unzurechnungsfähigkeit rausreden können. Welche psychischen Probleme sie auch immer haben mag - das sollte zunächst mal irrelevant sein. Hier wurde der Ruf eines Unbescholtenen ruiniert, und das sollte auch entsprechend geahndet werden. Wenn sie unbescholten und geständig ist, wird's eh bei einer bedingten Strafe bleiben.

Saskatoon
18.08.2010 22:24
0 0

was das facebook schafft

schafft arbeitsamt schon lange bzw.
jede österreichische behörde, gemeindeamt, bürgermeister....


0 0

Re: was das facebook schafft

Nein, das ist nicht korrekt. Im Gegensatz zu Facebook verfügen oben genannte Stellen nicht über eine öffentliche Homepage deren Sicherheitsabteilung meint: "Wir kümmern uns nicht um die Prävention sondern nur um eine möglichst schnelle Aufdeckung von Angriffen." (Quelle: Blackhead-Konferenz)

Diese Fahrlässigkeit gepaart mit der Ignoranz von Zuckerberg und das Geschäftsmodell des Datenverkaufs ist auf jeden Fall deutlich mehr schädlich für Privatssphäre als die bürokratische Erfassung der Bürger.

Gast: Kibietz
18.08.2010 14:14
2 3

Das isnd Probleme,

selbst schuld wäre er nicht auf Facebook wär Ihm das nicht passiert!
So kann man sich einige Probleme schon im Vorfeld ersparen!

Antworten Gast: Ein Freak
18.08.2010 23:46
0 0

Re: Das isnd Probleme,

und er hat nicht einmal einen Computer:

http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/art4,444580

vorletzter Satz! Aber einen Facebook Account?!?

Antworten doubleg
18.08.2010 23:36
3 1

Re: Das isnd Probleme,

Wer hier auf Plus klickt hat den Artikel nicht gelesen oder nicht verstanden. Er war ja gar nicht selber angemeldet, sondern die Täterin gab sich für ihn aus.

Antworten doubleg
18.08.2010 23:36
1 1

Re: Das isnd Probleme,

Wer hier auf Plus klickt hat den Artikel nicht gelesen oder nicht verstanden. Er war ja gar nicht selber angemeldet, sondern die Täterin gab sich für ihn aus.

Antworten El Barato
18.08.2010 22:48
1 1

Re: Das isnd Probleme,

Falsch: es wäre dann nicht passiert, wenn die Täterin es unterlassen hätte.

Punkt aus.

Antworten Buffy
18.08.2010 14:35
2 1

Im Gegenteil

wäre er nicht auf facebook, hätte sie ein Konto unter seinem Namen angelegt.

Antworten Antworten Gast: Kibietz
18.08.2010 15:34
1 1

Re: Im Gegenteil

Das ist schon schwiriger vorallem wenn man es authentisch machen will.
Und jemand der Facebook ablehnt kann das sowiso nicht passieren denn sobald derjenige hört das er seit kurzem auf Facebook aktiv ist wird man sich denken können das da was nicht stimmt.

"Alles was sie sagen kann und wird gegen sie verwendet werden!!"


0 0

Re: Re: Im Gegenteil

Würde sich alles nach dem "Wird sich schon von alleine auflösen"-Prinzip funktionieren gäbe es insgesamt keine Kriminalität mehr.


Antworten Antworten Gast: CS
18.08.2010 15:01
0 1

Re: Im Gegenteil

Also ob sich die Mühe für sie lohnt? So habe ich ein fertiges Profil und muss nur noch ein paar Kommentare posten, hätte er kein Profil gehabt hätte sie erst mal Freunde, Bekannte, Kollegen hinzufügen müssen, Fotos hochladen, persönliche Daten eingeben usw. - wer das alles auf sich zieht, "nur" um dann zu posten man sei ein Kinderschänder...etwas viel Aufwand.

Wir werden noch sehen was passiert, da alle auf einmal mit ihren persönlichen Daten um sich herumwerfen, meinen ein Facebook-Profil sei etwas selbstverständliches und wer keines hat ist ja sowas von "out", Datensammler, Leute die sich als jemand anderer ausgeben und sich dann mit jungen Mädchen treffen, verbale Gewalt gegen Lehrer, Drohungen. Ach ja, das Internet...

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Re: Re: Im Gegenteil

Sie meinen also Bosheit macht vor Aufwand halt?

Die Geschichte lehrt uns jedoch etwas anderes.

DerMike
18.08.2010 14:03
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Da sieht man wieder...

...das wahre Gesicht der Frauen.

Antworten Gast: o_O
19.08.2010 11:37
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Re: Da sieht man wieder...

Genau. "Die" Frauen, also die Gesamtheit der weiblichen Weltbevölkerung, kann man locker mit so einer Irren in einen Topf werfen. Das ist genauso bescheuert wie zu behaupten, dass "die" Männer gewalttätig sind, nur weil's Exemplare gibt, die hindreschen. Man kann nicht von den Irren auf die Allgemeinheit schließen, weder bei Männern noch bei Frauen.

Antworten Gast: gast
18.08.2010 14:13
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Re: Da sieht man wieder...

Alles Schlampen außer Mutti, gell?

 
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