Heimische Provider wütend: Filmindustrie fordert Websperren

21.10.2010 | 11:47 |  von Daniel Breuss (DiePresse.com)

Um den Download von Filmen zu vermeiden, sollen Österreichs Provider ohne rechtliche Basis bestimmte Websites blockieren. Die Provider denken aber nicht daran und wettern gegen "Wegelagerer-Praktiken".

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Still und heimlich hat die Filmindustrie an österreichische Internet-Provider die Aufforderung geschickt, gewisse Websites und dazugehörige IP-Adressen zu sperren. Vorrangig geht es in dem Schreiben, das DiePresse.com zugespielt wurde, um einen einzelnen Anbieter für Streaming-Videos und Filmdownloads. Die Provider sollen heimischen Kunden den Zugang zu diesem und neun weiteren sperren, andernfalls "werden meine Mandanten ihren Unterlassungsanspruch gerichtlich durchsetzen", schreibt die Kanzlei Manak & Partner.

Provider helfen bei Rechtsverletzungen?

Diese Mandanten sind die Satel Film GmbH ("SOKO Kitzbühel"), die Wega Filmproduktions Ges.m.b.H ("Das weiße Band") und die Constantin Film Verleih GmbH ("Pandorum", "Wickie und die starken Männer"). Diese Firmen hätten (so steht in dem Schreiben) einen Unterlassungsanspruch gegen die Provider, da deren Dienstleistungen "zur Verletzung der Urheberrechte genutzt werden". Daher sollen die Provider die beanstandeten Portale spätestens bis heute, 21.10.2010, "mit technisch und organisatorisch zumutbaren Mitteln sperren".

"Wegelagerer-Praktiken"

Daran denken die Provider aber nicht. "Wir machen uns sicher nicht zu Erfüllungsgehilfen für Wegelagerer-Praktiken, mit denen abermals versucht werden soll, längst überholte Geschäftsmodelle zu retten", reagiert die ISPA, der Verband der Internetprovider Österreichs. Die Anbieter seien weder gesetzlich ermächtigt oder verpflichtet, die Informationen, die über ihre Leitungen transportiert werden, zu kontrollieren. Man werde sich nicht "auf Zuruf auf illegales Terrain" begeben, so ISPA-Generalsekretär Andreas Wildberger.

Kein Download belegt

Der Provider-Chef zieht einen Vergleich mit der Straßen-Infrastruktur: "Es könnte auch jemand, der auf der Autobahn fährt, in seinem Kofferraum schwarz kopierte Videos transportieren. Die ASFINAG macht den Transport erst möglich. Erhält die ASFINAG deswegen auch eine Unterlassensaufforderung?" Tatsächlich belegt die Anwaltskanzlei in dem vierseitigen Schreiben mit keinem Wort auch nur einen Download, der über einen österreichischen Provider lief, sondern bemängelt lediglich das Vorhandensein und das illegale Angebot des Portals.

Betreiber in Russland vermutet

Die Anwälte geben in ihrer Unterlassungsaufforderung zu, dass sie lieber gegen den Betreiber selbst vorgehen würden. Da die Registrierungsstelle der Top-Level-Domain (TLD, im Brief fälschlich TDL geschrieben) mit der Endung .to aber keine Auskunft über die Inhaber gebe und die Server "in einem Datacenter in Russland" stünden, könne man nicht gegen die Betreiber vorgehen. Offenbar griffen die Filmfirmen zum nächstbesten Mittel und wollten virtuelle Schranken auf den heimischen Datenautobahnen aufstellen.

Neues Urheberrecht gefordert

Die ISPA fordert unterdessen eine Novellierung des Urheberrechts. Es müsse "internetfit" gemacht werden. Außerdem empfiehlt Wildberger den Rechteinhabern, "besser über innovative Geschäftsmodelle nachzudenken", anstatt "über fragwürdige Möglichkeiten nachzudenken, an Geld zu kommen". Die ISPA lehnt etwa auch die kürzlich heiß diskutierte Urheberrechtsabgabe auf Festplatten vehement ab.

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49 Kommentare
 
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Gast: Outis
05.11.2010 17:19
0

kino.to

@ gast:

registriert ist kino.to auf der insel tonga, die server stehen jedoch in russland (und vormals in den niederlanden)

Gast: Gast
25.10.2010 23:52
0

Whois

Also meiner Meinung nach steht kino.to in den Niederlanden und nicht in Russland.

Man muss halt mal das dns Lookup für diese Domain machen, dann sieht mans.

Gast: horrorschauspieler
22.10.2010 22:22
0

kleines bitteres beispiel aus der praxis

ich kenne filmemacher die eine mehr oder weniger no-budget-produktion auf die beine gestellt haben; ganz passabel gemacht und sogar einige festval-preise abgestaubt. über die homepage haben sie kaum 200 dvds verkauft und auf kino.irgendwas ist der aktuelle klick-stand 4227
ist schon klar dass die in einer völlig anderen liga (oder gar ein ganz anderer sport?) spielen aber wenn ich meine milchmädchenrechnung ausführen darf: nimmt man 1 euro gewinn pro klick an dann sind das über 4000 euro mit denen man wieder projekte finanzieren könnte ohne an den sparstrumpf zu gehen. reich wird man als amateurfilmer sowieso nicht :-(


Antworten Gast: kaufnix
25.10.2010 19:42
0

Re: kleines bitteres beispiel aus der praxis

Das Verkaufs und Verteilungsrisiko bleibt aber beim Verkäufer.
Der Verkäufer muss also seine Ware selber schützen, tut ers nicht , dann hat er zum eigenen Verlust beigetragen.
Da Ware, da Geld.
Beides ist nicht ein und das selbe.

Antworten Gast: Klick
25.10.2010 10:04
0

Re: kleines bitteres beispiel aus der praxis

Sie wissen aber schon dass ein Klick-stand generell sehr wenig aussagt? Nicht nur dass Leute aus versehen, oder dieselben mehrmals so einen Zähler auslösen können, sondern auch z.B ein google-bot oder ähnliches, ist selbst bei den gültig gezählten Zahlen noch lange nicht gesagt dass sie sich andernfalls die DVD gekauft hätten.
Generell würde ich eher sagen, auf kino.to schaut man sich diejenigen Filme an die man gerade NICHT auf DVD kaufen wollte, so wie man sie sich früher im Fernsehen angeschaut hat.

Antworten Gast: Klaus
23.10.2010 10:00
0

Re: kleines bitteres beispiel aus der praxis

no name Firma mit no-budget auf no-name Homepage: klar verkauft man da quasi nix. Also bitte nciht wundern. Wenn das Ding auf kino.to oder auf anderen Portalen steht dann ist das no-budget Projekt ein Klick neben bekannten Filmen zu finden. Da klickt man dann aus Versehen oder aus sonstigen Gründen rein.

Gast: neuling
22.10.2010 19:39
0

wie ist der name

kann mir mal wer den link der russischen Website sagen?

Gast: jajajajaja
22.10.2010 18:21
2

der verklagen der nutzer als neues geschaeftsmodell

... mit phantasiezahlen von entgangenen verlusten aufgepeppt ist mittlerweile lukrativer als einen neuen legalen vertriebsweg für das produkt zu machen.

Gast: serienjunkie
22.10.2010 12:30
0

Streamingfan

Ich weiß ja, warum ich lieber streame als downloade ;).
Jeder muss heutzutage sparen. Ich habe keinen Fernsehempfang und kann mir deshalb die Dinge nicht einfach im TV ansehen. Also schaue ich mir jene Dinge, die mir interessant erscheinen, als Stream an. Gefällt mir der Film/die Serie wirklich gut, wird dann auch die DVD gekauft.

Was nicht gefällt, wird nicht gekauft. Das erklärt auch, warum es "Starmania" nie auf DVD geben wird *G*.

Die Film- und TV-Produzenten müssen sich halt a bisserl anstrengen und sehenswertes Programm produzieren. Und wenns wirklich kino.to sperren - naja, auch wurscht. Gibt eh genug andere Streamingseiten, die schießen wie Schwammerln aus dem Boden. Einfach Google bemühen.

Wie bitte ?

Es gibt ab jetzt keine illegalen Download mehr in Österreich! Wir gelten die Rechte mit der Gebühr auf Festplatten ab

Re: Wie bitte ?

nicht nur festplatten, sondern auch scanner, drucker, alle geräte die mp3 abspielen können, wie handys, radiorecorder, usb-sticks, cd-rohlinge und und...

casht überall die urheberrechts-industrie ab und nicht zu knapp. braucht man nur im internet vergleichen was cd-rohlinge in ländern ohne abgabe kosten (ca die hälfte unserer preise)

Antworten Gast: _peter
22.10.2010 12:16
0

Re: Wie bitte ?

Eine etwas kurzsichtige Betrachtungsweise ...

... die (neue) Gebühr auf Festplatten ermächtigt Dich nicht, illegale Downloads durchzuführen.

Die Gebühr ermächtigt Dich lediglich zum Benützen und Vervielfältigung von urheberrechtlich geschützem Material zu _privaten_ Zwecken, stellt aber keinesfalls einen Freibrief für illegale, gesetzwidrige Aktivitäten dar!

Wobei der Download in Österreich prinzipiell legal ist, das ist aber eine andere Geschichte ...

Antworten Antworten Gast: Jaja
25.10.2010 11:23
1

Re: Re: Wie bitte ?

Klar dass diese Gebühr nicht zum illegalen Download berechtigt. Aber ich darf gar nix kopieren, denn der witzige CSS Schutz ist auf jeder DVD und darf nicht umgangen werden (=strafbar). Außerdem darf ich kein Programm kaufen bzw. eigentlich nicht einmal aus früheren Zeiten besitzen, welches diesen Schutz umgehen kann. Also kann ich von Film-DVD zu 99,99 Prozent keine legale Privatkopie anlegen. Denn ich darf nur von ungeschützten DVDs eine Privatkopie machen und diese gibt es eigentlich nicht mehr.
Also ist diese Gebühr auf Datenträger etc. eine Wegelagerei! Denn ich muss für etwas bezahlen, was ich eigentlich nicht tun darf bzw. noch gar nicht getan habe, weil strafbar und dafür verklagt werden kann!
Das wäre genauso, wenn ich beim Autokauf schon mal tausend Euro extra zahlen muss, weil ich ja zu schnell fahren oder falsch parken könnte, ohne dass man mich erwischt!
Und kennt IRGENDJEMAND den Schlüssel nachdem aufgeteilt wird? Warum ist meine Website und deren Bilder nicht schützenswert, ich scheine in deren Schlüssel nicht auf. Nach den Klickzahlen nützen aber sehr viele Leute diese Seiten.....!
Wenn die da jetzt rumklagen wollen, weil die Gesetzte jetzt schärfer sind und mehr ermöglich, dann entweder die Urheberrechtsabgaben komplett wegfallen lassen oder sich die Klagen wohin stecken und die Urheberrechtsabgaben zu einer Flatrate upgraden (eben durch eventuell höhere Gebühren oder die Anzahl der gebührenpflichtigen Geräte erweitern), sonst ist es Wegelagerei!

Antworten Antworten Gast: gast
22.10.2010 14:01
3

Re: Re: Wie bitte ?

"Die Gebühr ermächtigt Dich lediglich zum Benützen und Vervielfältigung von urheberrechtlich geschützem Material zu _privaten_ Zwecken, stellt aber keinesfalls einen Freibrief für illegale, gesetzwidrige Aktivitäten dar!"

bitte um aufklärung...hat sich diesbezüglich überhaupt etwas durch der gebühr geändert? war das nicht vorher auch schon so?

ist diesse gebühr nicht eher branchenschutz auf kosten der kunden?


Überbezahlt...

In unserer Firma ist unlängst ein Team von einer Fernsehstation gekommen um einen Dokumentarfilm zu drehen.

Es waren 6 Personnen !
Einer war der Regisseur, ein Anderer trug die Kamera, der Dritte war dazu da um das Licht, der Vierte war da um den Ton, der Fünfte war da um die Linsen zu putzen (ja wirklich, der tat nichts anderes als nur mit einem Tücherl herumzustehen), und schliesslich der Sechste war da...weiss ich nicht, er schaute nur zu... und die haben sicher nicht den Mindestlohn bekommen...

Gast: na gut
22.10.2010 09:28
2

filme

bei den kinopreisen wundert es mich nicht, ich schau zwar nicht über so internetseiten, überlege mir aber ganz genau welcher film es tatsächlich wert ist im kino anzusehen und bei welchen es reicht wenn man wartet bis er ins fernsehen kommt.
wenn die preise weiter so steigen werde ich gar nicht mehr ins kino gehen, als pärchen ist es wesentlich billiger 4 monate später die dvd um rund 14€ zu kaufen. leider, war bisher immer eine begnadete kinogeherin.

Antworten Gast: Grummelbart2
22.10.2010 09:48
1

Re: filme

Naja, die Kinopreise an sich sind nichtmal das Problem, wenn man unter der Woche die sogenannten "Kinotage" ausnützt. Problematisch wirds, wenn man sich "vor Ort" mit Popcorn, Knabbereien und Cola "ausrüsten" möchte... da steigt man dann nicht unter 15 Euronen im Gesamtpaket aus.

Re: Re: filme

Etwa so viel wie ein gutes Mittagessen.

passt genau in das Piratentum...

...Abgabe auf Festplatten,
...Abgabe auf Kopierer und Kopierpapier...

Antworten Gast: gast
22.10.2010 08:55
0

Re: passt genau in das Piratentum...

...Umweltabgabe auf Papier für andere Zwecke...

Gast: Pandah
22.10.2010 02:25
0

Seltsam...

Also ich lade mir jede Menge Filme und Musik gratis von btjunkie.org mit dem gratis Torrent Client von utorrent.com runter und hatte noch nie Probleme mit der Musik- Filmindustrie.

Antworten Gast: Toll
25.10.2010 10:09
0

Re: Seltsam...

Und Sie sind ein Internet-Provider, oder haben Sie den Artikel einfach nicht gelesen?

Re: Seltsam...

wer schenkt Ihnen den Drucker, den Scanner, die Festplatte...

Schon 1980 gingen die Medienkonzerne unter!

Immer wenn eine neue Technologoie kam jammerten die Medienkonzerne. Das Automatenklavier wurde behauptet vernichtet Livemusik - genauso das Radio. Und jedes Malposaunen die Mediwen diese Botschaf hinaus. Auch 1980, als 20/20 eine Bericht brachte der vewrkndete das Heim-Tonband die <Musik umbringt.," Mit vielen Medien-Bossen die treuherzig versicherten das die ganze Musikindustrie aus dem letzten Loch pfeift und schnell was getan werden musz. Jemand stellte diese Episode von 20/20 vor Jahren auf Youtube bis vor kurzem eine Loeschungsbegehren von Universal Music eintrudelte. Universal Music hat keine Rechte an 20/20, und es gab nur kurze Schnipsel von Musik zu hoeren..Es scheint dasz Universal Music nicht will das jemand sieht wie man schon vor Jahrzehnten die Medien vor seinen Gaul spannte.

entweder geht man mit der zeit oder man geht mit der zeit

Andere Firmen haben das Potential der Streams erkannt und nutzen dieses. Die Macher von South Park od Robot Chicken zB stellen die Streams ganz normal ins Netz. Aber ich sehe ein, dass South Park im Vergleich zu Soko Kitzbühl international nur ein kleiner Independent-Fisch ist.
Auch was "Greg the Mad" schreibt ist richtig. Ich selbst habe schon vieles auf Stream gepreviewt, um nicht die Katze im Sack zu kaufen, und es mir dann bei Gefallen im Original gekauft.

Gast: Nyn
21.10.2010 21:56
1

entweder, oder

Die sollen sich entscheiden. Entweder es werden Abgaben für Festplatten eingehoben und ich kann mir downloaden was auch immer mir gefällt, oder sie sollen meinetwegen versuchen das irgendwie zu verhindern.

 
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