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Yelp: Portal für soziales Shoppen startet in Österreich

29.10.2010 | 00:10 |  von Daniel Breuss (DiePresse.com)

Mit dem Dienst kommt der weltgrößte Anbieter eines "Kundenservice 2.0" nach Österreich. Heimische Konkurrenz ist aber bereits aktiv. Die Angebote werden immer stärker von Smartphones aus genutzt.

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Wien ist besonders. Zumindest ist das US-Unternehmen Yelp dieser Meinung. Daher startet mit heutigem Freitag das gleichnamige Bewertungsportal des Anbieters in Österreich. Das Konzept ist nicht neu: Nutzer besuchen ein Lokal oder ein Geschäft und schreiben danach eine Bewertung auf der Webplattform. Dasselbe bieten für Wien etwa das österreichische Portal Tupalo oder das aus Deutschland stammende Qype. Yelp will aber mit einer stärkeren Einbindung der Online-Gemeinde punkten. Dafür soll ein eigener lokaler Community-Manager engagiert werden, sagt Yelp-Managerin Miriam Warren im Gespräch mit DiePresse.com.

Lange Entwicklungszeit

Diesen gibt es aber noch nicht. Warren hofft, die Position bis Jahresende besetzen zu können. Ein eigenes Büro erhält dieser aber nicht. Yelp-Community-Manager arbeiten großteils "von daheim oder vom Kaffeehaus" aus, sagt Warren. Die gebürtige Amerikanerin operiert von London aus und überwacht die Marketing-Aktivitäten ihres Unternehmens in Europa. Derzeit gilt ihr Hauptaugenmerk aber Wien. Immerhin haben Sie und ihre Entwickler viel investiert, um das lokalisierte Portal starten zu können.

Yelp
2004 als ursprünglich lokales Portal für San Francisco gegründet, expandierte Yelp rasch in den USA und ist dort ein wichtiges Bewertungsportal geworden. Seit Jänner 2009 ist das Unternehmen auch in Europa aktiv. Der Österreichstart fand am 29. Oktober 2010 statt. Yelp setzt auf Community-orientierte Bewertungen und setzt seinen Fokus lokal auf einzelne Städte.

Wieviel das in Geld und Zeit ausgedrückt wirklich war, will Warren aber nicht verraten. Nur soviel: "Viele Monate" soll die Entwicklung für Österreich gedauert haben. Es dauere eben lange, ein Angebot auf lokale Besonderheiten abzustimmen. Dazu gehört laut Warren auch die Sprache. Sie hofft, dass zum Start bereits alle "unerwünschten Germanismen" entfernt werden konnten.

Mobile Suche auf dem Vormarsch

Besonderen Schub haben Portale wie Yelp, Qype und Tupalo durch die Verbreitung von Smartphones erhalten. Sowohl für das iPhone, als auch für die immer beliebter werdenden Android-Geräte gibt es entsprechende Apps. Dort kann man sich etwa das nächste Schuhgeschäft zu seiner gegenwärtigen Position anzeigen lassen, oder ein Restaurant für das Abendessen in der Nähe suchen und gleich anrufen und Bestellen, sofern das gewünscht ist. Laut Warren geschieht bereits ein Drittel der Suchanfragen auf Yelp von Mobilgeräten aus.

Wien aufgrund Tourismus attraktiv

Ursprünglich 2004 in San Francisco gestartet, breitete sich Yelp bald über die USA aus. Inzwischen ist das Portal auch in Kanada, Großbritannien, Frankreich, Irland und Deutschland tätig. Wien wurde als nächster Schritt für die Expansion gewählt, weil es laut Warren einen wichtigen Stellenwert im Tourismus genießt. Das sieht auch Michael Borras, Mitgründer von Tupalo so. Sein Dienst hat gewissermaßen den umgekehrten Weg eingeschlagen. Erst wurde in Österreich begonnen, inzwischen ist Tupalo auch in den USA aktiv vertreten. Bei beiden Portalen kann man aber nicht nur die Hauptstadt, sondern auch Lokale und Geschäfte in anderen Städte bewerten.

US-Kunden aus Einnahmequelle

Im Vergleich zu Tupalo ist Yelp weltweit deutlich stärker vertreten. 38 Millionen Besucher kann das Portal pro Monat verzeichnen, beim österreichischen Pendant sind es derzeit nur drei Millionen. Das deutsche Qype kommt auf rund sieben Millionen Besucher pro Monat allein in Deutschland. Ein Großteil von Yelps Nutzern befindet sich aber in den USA. Etwa 25 Millionen sollen es sein, während Tupalo dort nur 400.000 Besucher verzeichnen kann. Yelp macht auch sein Geld mit den US-Nutzern. Wer zahlt, wird in Suchergebnissen prominenter dargestellt.

Filter gegen gefälschte Bewertungen

Bezahlte Bewertungen werde es aber trotzdem nicht geben, beteuert Warren. Hier soll ein Filtersystem dafür garantieren, dass allzu überschwengliche Beschreibungen nicht veröffentlicht werden. Warren beschreibt das System ähnlich einem Spam-Filter, will sich aber nicht auf technische Details einlassen. Genausowenig Michael Barras, dessen Tupalo auch auf Filter setzt, um Eigenwerbung von Firmen oder Lokalen von echten Nutzer-Bewertungen zu trennen.

Selbstheilungskraft

Dass die Gefahr bestünde, vornehmlich negative Bewertungen zu sammeln, sehen weder Warren noch Barras. Beide sprechen von rund 85 Prozent positiven Bewertungen auf ihren jeweiligen Plattformen. Barras räumt aber ein, dass die negativen Meinungen mehr Aufmerksamkeit erhalten würden. Yelp setzt abseits seiner Filter noch start auf die Selbstheilungskräfte der Community. Auch wenn dieser Ansatz manchmal recht langwierig ist, wie Warren bestätigt.

Belebende Konkurrenz

Wer die Gunst um die Kunden in der Welt des "Kundenservice 2.0", wie Barras die Dienste bezeichnet, machen wird, wird sich zeigen. Im Grunde bieten Yelp, Qype und Tupalo vergleichbare Funktionalitäten, wenn auch mit jeweils unterschiedlichen Ausprägungen. Angst voreinander haben zumindest die in Österreich aktiven Firmen nicht. "Jeder kann das Rennen machen", sagt Yelp-Marketing-Chefin Warren. Tupalo-Gründer Barras sieht es sogar positiv. Durch die Aufmerksamkeit, die Yelp mit dessen Österreichstart zuteil wird, hofft er, dass auch die Konkurrenz etwas mehr ins Rampenlicht gerückt wird.

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