Deutscher Politiker fordert "Vermummungsverbot im Internet"

Axel E. Fischer will keine Nicknames mehr im Internet, was von politischen Gegnern als absurd bezeichnet wird. Seine Aussagen ziehen nicht nur Kritik, sondern auch ungezügelten Spott nach sich.

Mann mit Maske sitzt vor einem Computer-Computerkrimineller
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Mann mit Maske sitzt vor einem Computer-Computerkrimineller
(c) BilderBox (Bilderbox-wodicka)

"Wir brauchen ein 'Vermummungsverbot im Internet'. Es kann nicht sein, dass sich viele Bürger in Foren oder anderen Einrichtungen des Netzes hinter selbstgewählten Pseudonymen verstecken und sich so vermeintlich jeglicher Verantwortung für Äußerungen und Verhalten entziehen." Mit diesen Worten fordert der CDU-Politiker Axel E. Fischer ein Ende der Anonymität im Internet. Um das zuverhindern, stellt sich Fischer den elektronischen Personalausweis vor, der in Deutschland heiß diskutiert wird. Dieser sei eine "ideale Möglichkeit, sich im Internet zu identifizieren". Würde man nur mit seinem echten Namen in Netz unterwegs sein, könnte das auch die Qualität der Diskussionen in Blogs und Kommentaren verbessern, so Fischer.

Kritik reicht von "absurd" bis "Rechtsbruch"

Aber wenn man das nicht will? Nicht umsonst hagelte es Kritik auf die Aussagen des Politikers. SPD-Sprecher Björn Böhning etwa meinte, die Vorstellung, Internet-Nutzer wären wegen ihrer Anonymität eine Gefahr für die Öffentlichkeit, sei absurd. Aber auch von Juristen gibt es negative Reaktionen. Der IT-Rechtsspezialist Thomas Stadler sieht deutsches Recht verletzt, sollte die Anonymität im Internet aufgehoben werden. Außerdem übersieht Fischer, dass gerade der elektronische Personalausweis die Möglichkeit bietet, auch anonym im Internet unterwegs zu sein, wie Heise berichtet.

Spott-Flut auf Twitter

Fischer, der übrigens Vorsitzender der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des deutschen Bundestags ist, schlägt derzeit eine Welle des Hohns entgegen. Binnen kürzester Zeit, nachdem sie bekannt wurden, haben die Aussagen Fischers eine Flut von Twitter-Memes nach sich gezogen. Dazu gehören unter anderem:

  • Axel E. Fischer, CDU fordert Wettervorhersage für Cloudcomputing.
  • Axel E. Fischer, CDU, fordert Sehprüfung für Blindtests.
  • Axel E. Fischer, CDU, fordert Gardinen für Windows.
  • Axel E. Fischer, CDU, fordert A4-Format als einheitliche Größe für Websites. So lassen sie sich besser ausdrucken.
  • Axel E. Fischer, CDU, spricht sich gegen eine Offenlegung der Agrarsubventionen bei Farmville aus.
  • Axel E. Fischer, CDU, fordert Buchpreisbindung für Facebooks.
  • Axel E. Fischer, CDU, fordert Angelschein für Phishing.
  • Axel E. Fischer, CDU, fordert Lebensmittelkontrollen für Cookies.

Norbert Hense, Mitglied der Piratenpartei, hat die besten Twitter-Sprüche zu dem Thema gesammelt.

(db)

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