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Facebook & Co: Greißlersterben im Internet droht

27.12.2010 | 07:53 |  von Daniel Breuss (DiePresse.com)

Österreichische Unternehmen sind noch nicht präsent genug im Bereich Social Media, warnen Experten. Firmen ohne Webauftritt "existieren nicht". Negativ sehen sie den Aufbau von "Fake-Gemeinschaften".

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Sein Gründer ist für "Time" der Mann des Jahres, es besitzt mehr Mitglieder als die USA Einwohner hat und selbst ein nur wenige Minuten dauernder Ausfall sorgt für Aufregung. Facebook ist zum Aushängeschild und Inbegriff dessen geworden, was man landläufig als "Social Media" bezeichnet. Allerdings umfasst der Begriff auch andere Plattformen. Und alle werden in den nächsten Monaten und Jahren für Firmen immer wichtiger werden, wenn sie den Kontakt zu ihren Kunden nicht verlieren wollen, sind Experten überzeugt. Gerade kleine Firmen hätten in Zukunft keine Chance mehr, wenn sie auf diesem Gebiet nicht Fuß fassen können.

Einer dieser Web-Apologeten ist Jörg Spreitzer, Chef der Werbeagentur JWT Wien. Als "einer der ersten Internet-Fuzzis in Österreich", wie er sich selbst bezeichnet, verfolgt er die Thematik bereits seit mehreren Jahren. Social Media ist für ihn aber nicht nur Facebook. "Das sind alle Teilbereiche, wo elektronisch kommuniziert wird", sagt Spreitzer im Gespräch mit DiePresse.com. Wichtig dabei sei, dass die Sache dialogorientiert abläuft. Auch wenn Spreitzer nicht mit allen Ausprägungen etwas anfangen kann: "Bei Twitter verstehe ich nicht, wie man da reinkippen kann."

Firma ohne Webauftritt "existiert nicht"

Spreitzer sieht durch den Boom der "digitalen Agora" im Web eine allgemeine Veränderung in der Art und Weise, wie Menschen miteinander kommunizieren. Allerdings haben gerade Firmen hier noch Aufholbedarf, auch wenn Spreitzer zufolge Österreich hier weiter entwickelt sei als andere Länder. In eine ähnliche Kerbe schlägt Martina Grom, Geschäftsführerin des IT-Dienstleisters atwork. "Wenn ich einen Installateur suche und ihn nicht im Web finde, existiert er für mich nicht", sagt die Web-2.0-Spezialistin. Heutzutage brauche jede Firma ab dem Zeitpunkt der Gründung auch einen Webauftritt, so Grom.

Größeren Unternehmen falle es leicht, sich auf die neuen Entwicklungen einzustellen. Kleinen und mittleren Betriebe drohe hingegen ein digitales Greißlersterben, befürchtet Grom. Gerade Facebook habe hier eine große Bedeutung. "Wenn ich etwa einen Schneider suche, vertraue ich Empfehlungen von Freunden mehr als Anzeigen", sagt sie. Wer hier den aktiven Kontakt zu Kunden betreibt, habe Vorteile. So sieht das auch Spreitzer. Firmen sollten seiner Ansicht nach einen "Community Manager" einsetzen, der speziell im Bereich Social Media arbeitet. Wichtig sei dabei aber, wie man die richtigen Kunden bekommt. Sobald diese Parameter feststünden, sei es "simpel", so Spreitzer.

Fake-Accounts als Zugpferde

Es gibt aber auch Agenturen, die Schindluder auf dem Gebiet betreiben. Hinter vorgehaltener Hand erzählt ein Mitarbeiter einer österreichischen Werbeagentur, wie das abläuft. "Da legt man ein Profil für eine großbusige Blondine an, die binnen kürzester Zeit hunderte Freunde hat", so der Mann, der anonym bleiben will, im Gespräch mit DiePresse.com. Und diese Blondine verbreitet immer wieder Links und Informationen von Firmen, die seine Agentur promoten will. Der australische Anbieter usocial geht noch weiter. Gegen bares Geld bietet er an, Facebook-Fans und Twitter-Follower für ein Unternehmen zu sammeln. 250.000 Fans für 10.000 US-Dollar, zahlbar auch in Monatsraten, verspricht usocial etwa.

Von solchen Machenschaften hält Grom gar nichts. "Da baue ich mir nur eine Fake-Gesellschaft auf", sagt sie leicht verärgert. Außerdem riskiere man dadurch, dass Facebook aufgrund des Verstoßes gegen die Nutzungsgebühren einer Firma die Fanseite abdrehe. "Reichweite um jeden Preis kann nicht das Ziel sein", so Grom. Statt wildfremde "Facebook-Fans aus Indien" zu kaufen, sollten Unternehmen lieber die eigenen Mitarbeiter schulen, wie sie mit dem jungen Medium umgehen. Vielen sei die Außenwirkung auf dem Bereich noch nicht bewusst. Groms Unternehmen hat dafür eine Art Fragenkompass erstellt, um Firmen bei dieser Entwicklung zu unterstützen.

Gratis-iPad zum Bankkonto

Während Social Media nicht mehr ein Ding der Zukunft, sondern schon fix in der Jetztzeit verankert ist, sieht Jörg Spreitzer den Mobilbereich als den Weg der Zukunft. "Früher hieß es, mein Auto, meinen Rasierapparat und meine Freundin borge ich nicht her. Heute ist es das Handy", sagt Spreitzer. Daher werde es immer wichtiger, darauf zugeschnittene Kundenpflege zu betreiben. Dass etwa Banken "ein Gratis-iPad zu jedem neuen Konto dazulegen" sei nur der Anfang. Auch wenn er gegenüber Apples Zugang skeptisch ist. "Man ist gefangen in einem schönen System, aus dem man nicht herauskommt", warnt Spreitzer. Er empfiehlt eher einen Open-Source-Zugang.

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15 Kommentare
Gast: Gast
31.12.2010 00:33
0 0

WOW

Die sind aber früh draufgekommen, dass es Facebook gibt!

Gast: zulu
29.12.2010 11:27
1 0

stimmt schon

wenn ich mir ein hotel oder selbst eine pension buche, dann buche ich nur bei anbietern die im Internet zu finden sind und auch Fotos zu den zimmern bereitstellen. Alle anderen existieren praktisch nicht bzw. denke ich mir dass es schon einen Grund gibt, warum sie keine fotos präsentieren wollen.

Antworten Gast: Hugo Breitner
29.12.2010 11:48
0 0

Dann erwischen Sie aber nur Massenbetriebe.

Ich buche absichtlich bei Hotels und Pensionen, die nicht im Internet sind und die mir Freunde empfohlen haben. Das sind dann die wahren Geheimtipps und unvergleichbar besser.

Antworten Antworten Gast: nunjawassolls
30.12.2010 17:34
0 0

Re: Dann erwischen Sie aber nur Massenbetriebe.

sprich: nur und ausschließlich hotels OHNE internetpräsenz sind das einzig wahre?

;)

Gast: antiguru
29.12.2010 09:35
2 0

auf den hammer

gehen mir wahrsager, wie dieser spreitzer. kaum geboren, ist er auch schon heilsverkünder. ich habe seit anfang der 70iger jahre viele solcher wahrsager bemerkt - schnell waren sie verschwunden. und "social media": was ist das? wieso heißt das so? was ist daran nur im erweitertsten sinn sozial? wer profitiert wirklich? wer hat soviel freizeit, sich pausenlos mit den neueste "hypes" abzugeben? wer kann sich all diese dinge wirklich leisten? ist es nicht der erste schritt in eine gigantische schuldenfalle des einzelnen? was hat eine kleine firma dort verloren? wer schaut sich denn das wirklich gezielt an? ist da nicht alles auf zufall aufgebaut?

die liste der fragen ist endlos. vielleicht kann sie ergänzt oder einzelne punkte von der social media religion kreativ und plausibel beantwortet werden.

nopod
28.12.2010 00:41
1 0

Gerade kleine Firmen hätten in Zukunft keine Chance mehr, wenn sie auf diesem Gebiet nicht Fuß fassen können.

Da hab ich aufgehört den Artikel zu lesen. Wie kann man so einen Unsinn behaupten?

Als Bill Gates als Teenager Computer baute, war er ein Student und der Marktführer IBM.
Als Google begann, war Microsoft ein Milliarden Konzern und die Gründer Studenten.
Als Zuckerberg begann, war er ein pickeliger Student und Google ein Weltkonzern.

Sie haben aber alle etwas gemeinsam.Sie haben ganz klein begonnen und was auch sehr wichtig war, sie habe nie die Presse gelesen ;)


Gast: Bärenfalle...
27.12.2010 21:55
0 0

Friends sind eben nicht Freunde.

Sondern Bekanntschaften. Der deutsche Sprachraum ist da etwas differenzierter wenn es um die Beschreibung sozialer Beziehungen geht.

Ansonsten erinnert mich der facebook Hype stark an den Hype um "second life" .. erinnert sich noch wer ?


Antworten at.spam
30.12.2010 09:44
1 0

Re: Friends sind eben nicht Freunde.

Nur ist Second Life eben ganz ganz anders.

Wo du dafür einen halbwegs potenten Rechner mit einem eigenen Client brauchtest, kannst FB über jeden Browser nutzen.
Und genau DAS macht es so "praktisch", 10 Sekunden reinschaun was es neues gibt oder auf irgendeiner Website auf "Like" klicken und fertig. Kein extra starten einer SW, keine Scherereien mit Treibern, sondern eben zwei- dreimal am Tag kurz reinschaun und das wars.

Gast: tg
27.12.2010 17:19
1 0

"Social", jaja

Es ist ja nett wie der "Social" Hype gerade aufgeblasen wird. Ja, Millionen Kinder, Jugendliche und Junggebliebene schlagen viel Zeit auf Facebook tot. Dafür ist die Plattform auch wunderbar geeignet.

Der geschäftliche Nutzen ist aber überschaubar. Wer bitte nutzt Facebook um seinen "Freunden" einen Fernseher, Handwerker oder Shop zu empfehlen? Und wer von den "Freunden" ist daran interessiert und kauft das gar?

Ein Handwerker oder ein Geschäft sollte natürlich eine Homepage haben und über Google auffindbar sein, auch Google Adwords Werbung macht Sinn. Aber der Facebook "Like" Button ist noch sehr weit davon entfernt die Google Suche zu ersetzen (weil der Rat von "Freunden" ja so relevant ist...).

Gast: gast
27.12.2010 12:12
4 0

tztztz

Sollte man Werbeeinschaltungen nicht kennzeichnen?

joquer
27.12.2010 11:50
2 0

cui bono

Diese Frage ist in diesem Fall nicht sehr schwierig zu beantworten - die Antwort steht im Text.
Dabei trifft CapeOfGreenHope den Nagel auf den Kopf!
Mundpropaganda gab es ja auch schon vor Facebook (und vor dem Internet)...

9 0

Für Handwerksbetriebe...

...und viele andere Dienstleister ist die Social Media Plattform Herold sehr zu empfehlen. Für Anbieter, die immer mal was neues haben wie zB bildende Künstler ist eine Facebook Community ganz ideal. Und wenn es um den günstigsten Einkauf geht, ist die Social Media Plattform Geizhals sehr gefragt. Über Facebook einen Installateur oder den günstigsten Fernseher einer bestimmten Marke zu suchen, fällt eh keinem ein.


Gast: Gast
27.12.2010 09:37
1 0

Agentur Fuzzi

Wie sich ein vollkommen abgehobener und nicht in der realen Welt lebender Agentur Fuzzi die Geschäftswelt vorstellt:

Wie man Kunden akquiriert:
"Wichtig sei dabei aber, wie man die richtigen Kunden bekommt. Sobald diese Parameter feststünden, sei es "simpel", so Spreitzer"

Wie man seine Bankgeschäfte erledigt:
"Man ist gefangen in einem schönen System, aus dem man nicht herauskommt", warnt Spreitzer. Er empfiehlt eher einen Open-Source-Zugang.

Wir können uns wirklich glücklich schätzen, derartige Dampfplauderer in unseren Reihen zu haben. Ich bin mir sicher, dass nach diesen Sagern die Unternehmer des Landes in Scharen zu Herrn Spreitzer laufen und sich mal erklären lassen, wie Ihr Geschäft eigentlich funktioniert. Und die böse Firma Apple wird erkennen, dass Ihr Produkte zwar schön sind, aber ausser ein paar zig Millionen, diese kein Mensch will. Daraufhin werden Sie Herrn Spreitzer konsultieren, der auch den Apple Menschen dann einmal erklärt, wie die Welt funktioniert.

Danke Herr Spreitzer.

Antworten Gast: Herr Strudel
27.12.2010 20:10
1 1

Re: Agentur Fuzzi

Hat Ihnen der Herr Spreitzer was getan oder warum haben Sie so einen Grant auf den?

Mir scheint auch, Sie haben nicht ganz verstanden, was er beim Apple-Sager gemeint hat. Da geht es nicht um's Aussehen der Geräte, sondern um die Hardware-Software-Kompatibilität. Ob sich jemand Apples kauft oder nicht bleibt eh jedem selbst überlassen, der Herr Spreitzer gibt ja nur eine Empfehlung ab. ;)

Antworten Antworten der__mann
28.12.2010 19:18
1 0

Re: Re: Agentur Fuzzi

sie gscheiterl - der gespreizte meinte nicht die hw-sw kompatibilität sondern die engen grenzen, die apple den gewerblichen nutzern seiner plattform auferlegt.

wenn man schon ein gscheiterl sein will, sollte man über meine intellektuellen kapazitäten verfügen oder einfach nur den mund halten.