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Facebook: "Von Datenschutz keine Ahnung"

22.12.2011 | 18:29 |  von Isabella Wallnöfer (Die Presse)

Facebook sammelt Daten und löscht sie nie wieder. Der Jusstudent Max Schrems hat den Internet-Riesen deshalb angezeigt – mit ersten Erfolgen. Der „Presse“ erklärt er warum.

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Noch hat David den Goliath nicht bezwungen. Aber Max Schrems und seinen Mitstreitern von Europe-v-facebook.org ist es gelungen, dem Internet-Riesen Facebook zumindest auf die Zehen zu steigen. Nach zwei Betriebsprüfungen in der Europazentrale des Konzerns in Dublin hat die irische Datenschutzbehörde einen 150-Seiten-Bericht erstellt, in dem Facebook zu weitreichenden Datenschutzmaßnahmen verpflichtet wird.

Dass der Schritt wehtut, merkt man daran, dass die sonst für Journalisten oft unerreichbaren Vertreter des Social-Media-Giganten plötzlich von selbst aktiv wurden und den Medien verkündeten, dass die irischen Datenschützer ihre Bemühungen um Schutz und Sicherheit der Nutzerdaten gelobt hätten. Das ist freilich nur ein Teil der Wahrheit. Denn ganz so harmlos ist die Sache für Facebook nicht – auch wenn man sie kurz vor dem für das zweite Quartal 2012 erwarteten Börsengang herunterspielt.

„USA ignorieren Datenschutz“

Auslöser der Überprüfung sind Recherchen des Jusstudenten Schrems. Er hat in den USA einen Vortrag eines Facebook-Mitarbeiters gehört: „Der hatte von europäischem Datenschutzrecht keine Ahnung. Die haben auch in den USA so gut wie keine Regelungen in Sachen Datenschutz.“ Wieder daheim, machte er die Probe aufs Exempel – forderte von Facebook seine Daten und bekam zu seiner großen Überraschung 1222 Seiten, auf denen er seine Informationen, Fotos, Chateinträge fand – sogar die, die er längst gelöscht hatte. Das war ihm zu viel. Gemeinsam mit Kommilitonen sammelte er Beweise, dass Facebook die Datenschutzrichtlinien der EU nicht korrekt einhält und schickte sie – verpackt in 22 Anzeigen – an die Datenschutzbehörde in Dublin.

Dort fühlte man sich durch die von den Studenten bestens aufbereiteten Unterlagen zu den Betriebsprüfungen ermuntert – und fand erhebliche Datenschutzprobleme, die Facebook nun beheben soll. Und falls nicht? Dann passiert vorerst gar nichts. Das Papier aus Irland ist nur eine Empfehlung. Erst wenn sich das Unternehmen nicht an die Vorschläge hält, drohen 100.000 Euro Strafe. Die zahlt der Internet-Riese aus der Portokasse, was Schrems absurd findet: „Das ist, wie wenn ein Park-Sheriff sagt: Wenn ihr hier in einer Woche noch immer steht, zahlt ihr 1,50 Euro.“ Erst mit der geplanten EU-Datenschutzrichtlinie sollen schärfere Sanktionen in Kraft treten: „Im ersten Entwurf ist von einer Strafe in der Höhe von fünf Prozent des Unternehmensgewinns die Rede.“

Deutsche Medien boten 5000 Euro

Apropos Gewinn: Seit „Die Presse“ als erstes Medium überhaupt am 20.August 2011 über die Initiative berichtete, kann sich Schrems der Interviewanfragen kaum erwehren. „Ich hätte bei deutschen Medien in nur ein, zwei Wochen locker 5000 Euro verdienen können.“ Er lehnte ab, weil er kein pekuniäres Interesse hat. Vielmehr versteht er sich als Vorkämpfer: „Datenschutz hat für viele Unternehmen keine Priorität.“ Und: „Die, die sich dran halten, sind am Ende die Deppen.“ Wie so oft, kommt er mit einem anschaulichen Vergleich: „Wenn das Gesundheitsamt kommt und was findet, sperrt es die Bude zu. Wenn die Datenschutzkommission kommt, sagt sie: Bitte haltet euch ans Gesetz.“

Die ist chronisch unterbesetzt. „In Irland sitzen vier, fünf Beamte, die zwei Stunden außerhalb von Dublin irgendwo im Nichts arbeiten und es mit einem Weltkonzern aufnehmen müssen.“ Schrems vergleicht die Situation mit jener der Umweltpolitik der 1960er-Jahre, die kaum vorhanden war: „Und ich bin der kleine grüne Fuzzi“ – der, der die Behörden auf Missstände aufmerksam macht.

Wichtigster Kritikpunkt: Dass Facebook zum Teil ungefragt Daten sammelt und alle Informationen über User auch dann gespeichert hat, wenn man auf „löschen“ gedrückt hat. „Und da wundern wir uns, dass es Hackerangriffe gibt und Daten herumschwirren: Alles, was mal draußen ist, kann man nie wieder löschen.“ Lange Zeit habe er damit kein Problem gehabt: „Das sind ja coole Tools. Ich bin gern auf Facebook – aber ich möchte nicht, dass die Firma das missbraucht.“ Das Argument, dass jeder Eigenverantwortung dafür trage, was er auf Facebook stellt, lässt er nicht gelten: „Man kann nicht erwarten, dass sich jeder auskennt. Die Plattform ist so komplex, dass selbst Juristen und Fachleute nicht ganz durchblicken.“ Es könne nicht sein, dass man vor jedem Schritt seitenweise Geschäftsbedingungen lesen müsse: „Das wäre ja wie wenn mir im Supermarkt die Decke auf den Schädel fällt, weil die Bauvorschrift nicht eingehalten wurde und es heißt: Selbst schuld – du hast das Fundament nicht überprüft!“

USA kriegen Daten von Facebook

Wenigstens tun Datenschutzverfehlungen nicht weh. Aber sie können unangenehme Folgen haben. „Zwei Sachen erschrecken mich: Die US-Behörden können leicht auf die Daten zugreifen – ohne richterliche Genehmigung, wenn sie einen National Security Letter schicken. Solche kriegt Facebook permanent. Von mir würde also der Geheimdienst auf Abruf 1222 Seiten bekommen.“

Zweite Sorge: Datenlecks. „Irgendjemand kommt immer rein.“ Internetviren können Daten ausspionieren, die dann in fremde Hände fallen. Deshalb meint Schrems, man sollte sich der Idee des österreichischen Juristen Viktor Mayer-Schönberger – derzeit Professor am Oxford Internet Institute – annehmen, der ein „digitales Vergessen“ fordert: „Es sollte so sein, dass man auf Facebook einstellen kann, dass die Postings nach einer Woche oder einem Jahr gelöscht werden. Wen interessiert denn der Blödsinn, den ich vor fünf Jahren geschrieben habe?“

Mehr Datenschutz

Facebook muss u. a.:
•Usern auf Wunsch ihre Daten aushändigen bzw. permanent und endgültig löschen
•die ausdrückliche Zustimmung zur Gesichtserkennung einholen
•alle Informationen löschen, die mit „Social Plug-ins“ (z. B. dem „Like“-Button) gesammelt wurden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.12.2011)

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36 Kommentare
 
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so schlimm die missachtung von datenschutz auch ist...

...manche menschen sollten sich lieber die frage stellen, warum sie sich überhaupt bei social networks registrieren und so viele daten von sich preisgeben ohne es zu müssen?

Gast: Analyst 829
28.12.2011 13:57
1 0

ISO-Zertifizierung sinnvoll

Aus den AGB von Facebook "16. Besondere Bestimmungen für Nutzer außerhalb der USA

Wir versuchen eine globale Gemeinschaft zu schaffen, deren Standards einheitlich sind und für alle Mitglieder gelten. Allerdings bemühen wir uns dabei auch die regionalen Gesetze zu berücksichtigen. Die folgenden Bestimmungen sind für Nutzer außerhalb der USA bindend:

1. Du bist damit einverstanden, dass deine persönlichen Daten in die USA weitergeleitet und dort verarbeitet werden."

So sehr ich auf der Seite von Max Schrems auch stehen mag, mit dem Punkt 16.1 wird sich Facebook von der Behauptung abputzen, Daten zu speichern. Die Daten gehen mit Erlaubnis des Users in die USA und werden dort gespeichert und zwar nach kalifornischem Recht.

Man fordert also Daten bei Facebook in Europa an, bekommt aber einen US-Datensatz, der mit Erlaubnis des Users erstellt wurde.

Meiner Meinung nach wäre die Lösung eine ISO-Zertifizierung von Seiten. Diese ISO-Zertifizierung sollte für Normalbürger, die eine Seite ins Netz stellen erschwinglich sein. Durch die ISO-Zertifizierung sollte sichergestellt sein, dass Daten eben je nach ISO-Norm nach z. B. einem Jahr verlässlich gelöscht werden und niemals in die Hand Dritter gelangen. Bei einem erfolgreichen Hackerangriff MUSS der Betreiber der Seite diesen sofort melden und verliert damit seine ISO-Zertifizierung.

Datenkraken wie Facebook sind die Metternichs des 21. Jahrhunders, das haben viele noch nicht begriffen.

Gast: 12345
27.12.2011 19:22
0 0

EU Datenschutz?

Vorratsdatenspeicherung kann aber nichts mit Datenschutz zu tun haben.
Wieso habe ich mich überhaupt bei Facebook angemeldet?
Ich will nicht wissen, was die über mich schon alles gespeichert haben.
Wir sollten vielleicht mal Mark Zuckerbergs Privatleben online stellen, vielleicht lernt er ja dann was Privatsphäre bedeutet.

Wie beim ELGA Gesetz in Oesterreich

Vom Datenschutz keine Ahnung.

Wichtigmacher....

kann mir jemand erklären, warum ich jedesmal über Max Schrems lesen muss?

Gast: zeichnemit.at
23.12.2011 17:13
8 0

kann mir...

kann mir die presse-redaktion bitte erklären warum wir jede woche vom datenschutz in facebook lesen dürfen, aber bis jetzt kein einziger artikel über die BI gegen die vorratsdatenspeicherung erschienen ist?
immerhin haben bereits ~12.000 österreicher in den letzten 3 tagen unterschrieben...

und ich will meinen dass datenschutz bei daten die gegen den willen des benutzers gesammelt werden doch höher zu bewerten ist als bei daten die ein user freiwillig hergibt -> zeichnemit.at
ps: kann auf der HP des ö. Parlament unterschrieben werden...

Antworten Gast: zeitlichgesegneter
25.12.2011 18:43
2 1

Re: kann mir...

zeichnemit.at ist doch nur eine geheimdienstseite auf der die namen der datenschutzgegner gesammelt werden.

wenn der eu-gefängnisstaat in ein paar monaten die schlinge zuzieht, sind genau diese leute die ersten, die in die eu-konzentrationslager eingeliefert werden.

Re: kann mir...

Bitte macht endlich eine Krankenscheinkarte wo der Krankheitsverlauf der Person gespeichert ist und die Person die Karte mit hat. (modernere E-Card)

Die Daten zentral zu speichern ist problematisch, das haben unzählige Datenklauskandale weltweit gezeigt.

Persönlich habe ich aber immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Krankenhäuser umständlich Daten zum Krankheitsverlauf bei anderen behandelnden Stellen (Hausarzt, andere Krankenhäuser) anfordern müssen, das kostet Zeit die im Notfall nicht da ist, schon gemachte Untersuchungen werden dann lieber nochmal gemacht = erneute Kosten.

Was nichts kostet, ist auch nichts wert

In diesem Sinne habe ich bis jetzt allen Einladungen und aller Überzeugungsarbeit mich doch bei Facebook anzumelden widersetzt. Und für alle anderen gilt:

SSKM - selbst schuld, kein Mitleid.

Die Teilnahme an Facebook kostet kein Geld, das wird mit den Daten, die man einträgt, beglichen. Warum soll Zuckerberg diese dann wieder hergeben?

Re: Was nichts kostet, ist auch nichts wert

das sehe ich genauso, bin selbst in Facebook registriert und habe mich schon sehr oft geärgert was ich (tw.sogar selbst gepostet habe!) - aber wie gesagt, selbst schuld.
jedoch finde ich es schade das viele Jugendliche keine Ahnung haben wie sehr sie ihrer Zukunft schaden können wenn sie gewisse Dinge Posten,- hier finde ich sollten die jungen Menschen besser aufgeklärt werden!

Re: Was nichts kostet, ist auch nichts wert

Me too.
Bin der einzige ohne Facebook und GENIESSE es .

Re: Re: Was nichts kostet, ist auch nichts wert

Das unterschreib ich!

Gast: Waehler
23.12.2011 11:05
5 5

Zuckerberg!!!

Dieser Name sagt doch eh schon alles!!

Antworten Gast: Bärenfalle...
23.12.2011 12:39
2 2

Re: Zuckerberg!!!

Ausgesprochen wird daraus ein humoristisches "suckerberg"


0 1

Re: Re: Zuckerberg!!!

eher "ßackerböörg"

Antworten Gast: wass
23.12.2011 12:34
1 0

Re: Zuckerberg!!!

was sagt es?

Zuerst ein Profil erstellen...

....und dann beschweren. Typisch. Wie wärs mit ZUERST NACHDENKEN??

Antworten Gast: Bärenfalle...
23.12.2011 12:41
1 1

Re: Zuerst ein Profil erstellen...

Wir erhalten auch dauernd "links zu fressebuch" per mail.

Haben aber alle fake-accounts, von den 800 Millionen Usern (und Werbebasis) dürften 1/3 Fakes sein.

Facebook ist eh bald genauso tot wie myspace, second life oder ebay.


Antworten Gast: Bildungsexpertin
23.12.2011 10:00
13 1

Wie wär's mit Nachdenken vor dem Posten?

Es geht hier um rechtswidriges Verhalten der Facebook-Betreiber.

Was soll eigentlich

das Affentheater von diesen "Aufdeckern"

keiner hat auch nur einen der über 800 Millionen Facebookuser gezwungen sich auf Facebook zu registrieren.

Ich meine wie naiv muss man denn sein wenn man sich bei so einer Firma registriert und dann glaubt das die die Daten nicht verkaufen werden oder sonst was damit anstellen.

Ich finde Mark Zuckerberg ist einfach nur genial. Man kann mit Fug und Recht sagen Zuckerberg hat dass geschafft wofür die Stasi 39 Jahre gebraucht hat.

Gäbe es einen Preis für Erfindergeist vorallem im Datensammelbereich bekäme Zuckerberg den Ersten Preis, Larry Page und Sergey Brin den Zweiten und den dritten bekäme wohl Steve Jobs (R.I.P.)

Re: Was soll eigentlich

ich finde es traurig dass sie Facebook Nutzer als 'naiv' darstellen! denken sie einmal an alle Kinder und Jugendliche die sich in Facebook einloggen und keine Ahnung haben wie sie ihrem späteren (Berufs)leben schaden können! die sind einfach nicht aufgeklärt und das ist wirklich schade...

Re: Was soll eigentlich

... aja, weil unsere Gesellschaft 100% reflektiert ist und unsere Kinder schon mit 12 wissen welche Konsequenzen ihr Treiben in Zukunft haben wird.

Sie saßen mit 12 wahrscheinlich auch jeden Tag nur drinnen und haben fleißig für die Zukunft gelernt, wie?

Re: Re: Was soll eigentlich

Nein aber mit 12 Jahren wäre meinen Eltern nicht egal gewesen was ich im Internet mache.

Ich hatte begrenzte Zeiten am Computer die ich nutzen durfte und das wars. (z.B. 30 min oder 1 Stunde Bildschirmzeit)

Heute laufen ja 12 Jährige (+/-) ja schon mit einem Smartphone herum ohne irgend welche Grenzen gesetzt zu bekommen. Ich sah sogar schon Kids die mit einem Smartphone spielten und ganz locker im Bus zum telefonieren ein zweites heraus nahmen. (ist sicher sehr Überlebensnotwendig 2 Smartphones mit 12 Jahren zu besitzen)

Ich will keines falls das Kinder zu viele einschränkungen haben. Aber Grenzen müssen trotzdem irgendwo gesetzt werden. Ich verlange auch nicht das sich die Eltern jetzt extra wegen ihrem Kind mit den AGBs von Facebook und Co auseinander setzen. Mit einfachen Grenzen die man seinem Kind setzt (ohne gleich als Rabeneltern zu gelten) kann würden sämtliche aktuelle Probleme sofort der Geschichte angehören. Man nennt sowas glaub ich auch Erziehung.

Re: Re: Re: Was soll eigentlich

Zitat:Ich verlange auch nicht das sich die Eltern jetzt extra wegen ihrem Kind mit den AGBs von Facebook und Co auseinander setzen.

aber sie darauf vertrauen, dass sich Unternehmen an geltende Gesetze halten, und das ist auch gut so!

Facebook hält sich nicht an Gesetze, und dafür mit Konsequenzen rechnen, und auch das ist gut so.

Zusätzlich sind die Strafbestimmung für Datenschutzverbrechen, zu niedrig.

Antworten Antworten Antworten Gast: blablaa
23.12.2011 12:35
0 0

Re: Re: Re: Was soll eigentlich

ich habe einen internet-anschluss erst mit ca. 17 bekommen! erst wenn sie reif sind, dürfen sie ins internet

Re: Re: Re: Re: Was soll eigentlich

Sie verstehen offensichtlich das Medium nicht.

Das ist so ähnlich wie wenn Sie sagen würden, Menschen sollten erst mit 18 lesen lernen, denn erst wenn sie reif sind, sind sie weit genug verstehen zu können was die Bücher ihnen mitteilen wollen.

 
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