AnonAustria: Hacker protestieren online und offline

26.01.2012 | 08:09 |   (DiePresse.com)

Anonymous-Hacker haben in Österreich wieder Regierungsseiten angegriffen und wollen nun in den Landeshauptstädten Demonstrationen organisieren.

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Die österreichischen Anonymous-Hacker "AnonAustria" wollen ihren Protest gegen das Anti-Piraterie-Abkommen ACTA und die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung nun auch auf Demonstrationen in den Landeshauptstädten ausweiten. Bisher verschaffte sich die Gruppe über Hacker-Angriffe auf Webseiten der Regierung und Anti-Piraterie-Organisationen Gehör. Am Montag und wieder am Mittwochabend wurden die Webseiten diverser Ministerien und die Seite dach-contentprotection.org durch sogenannte Denial-of-Service-Angriffe lahm gelegt. Dabei werden so viele Anfragen an den Server gesendet, bis die Webseite nicht mehr erreichbar ist.

ACTA
ACTA steht für Anti-Counterfeiting Trade Agreement. Das Handelsabkommen zur Bekämpfung von Produktfälschungen und Urheberrechtsverletzungen soll in der EU, den USA sowie neun weiteren Ländern gelten.

Kritiker fürchten, dass durch die Hintertür Acta auch Zensur im Internet Einzug halten könnte.

Demos am 28. Jänner

Um gegen die Umsetzung einer EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung zu demonstrieren, sollen nach dem Willen der Hacker am 28. Jänner in „einigen Landeshauptstädten" hunderte Aktivisten durch die Straßen ziehen und Flyer verteilen. Dazu ruft AnonAustria in einer Erklärung auf, die in den frühen Morgenstunden des Donnerstag über Twitter verbreitet wurde.

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Die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung soll unter anderem die Speicherung von Verbindungsdaten von Mobiltelefonen für sechs Monate vorschreiben, und so die Bekämpfung von Kriminalität und Terrorismus erleichtern. Die Hackergruppe warnte in ihrem Aufruf, die pauschale Speicherung von Verbindungsdaten stelle die Bürger unter „Generalverdacht" und stelle zudem einen Eingriff in die Pressefreiheit dar, da kritische Journalisten durch die Behörden verfolgt und Informanten ausgeforscht werden könnten. Die Gruppe appellierte in ihrem Text an die Politik: „Lassen Sie nicht zu, dass sich Österreich zu einem Überwachungsstaat entwickelt!"

AnonAustria: Hacker-Hilfe aus dem Ausland

Ihr Protest richtet sich zudem gegen ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement), ein internationales Abkommen gegen Internet-Piraterie und Urheberrechtsverletzungen. Aus diesem Grund wurde auch die Webseite der drei Anti-Piraterie-Organisationen GVU, SAFE und VAP dach-contentprotection.org Ziel eines Angriffs. Der österreichische Fachverband der Film- und Musikindustrie FAMA erklärte auf Nachfrage von DiePresse.com, dass es sich dabei nicht um einen Angriff aus Österreich gehandelt hat. AnonAustria bedankt sich via Twitter unter anderem bei Hackern aus Großbritannien, der Slowakei und Spanien. Auch in anderen Ländern - unter anderem Polen - haben Anonymous-Hacker wegen ACTA Regierungswebseiten attackiert.

 

Proteste auch in den USA

Derzeit wird zudem in den USA heftig gegen Webzensur-Gesetze protestiert, die Urheberrechtsverletzungen verhindern sollen. Vergangene Woche verweigerte etwa die englischsprachige Wikipedia für einen ganzen Tag den Dienst und auch zahlreiche andere prominente Webseiten standen im Zeichen des Protests und waren teilweise nicht erreichbar. Die Abstimmung über die strittigen Gesetze wurde von der US-Regierung verschoben. Gleichzeitig hat sich Anonymous in den USA für die Abschaltung der Filesharing-Plattform Megaupload bei der US-Polizei FBI mit Web-Angriffen gerächt. Die Drahtzieher von Megaupload wurden verhaftet, ihnen drohen teilweise lange Haftstrafen.

 

 

(Ag. / sg)

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9 Kommentare

zu spaet

Die EU Doktrine wurde lange vorher bereits angewandt. Nun versucht man die Auflagen gesetzmaessig zu verankern. Die Allgemeinheit wusste lange nichts davon. Daten wurden seit einigen Jahren gespeicher. Keine Aufregung darueber, es wird nicht reversiert, schon gar nicht nach vager Querelei.
So wollen es die Zionisten. Sie wollen den Ueberwachungsstaat, Facebook und Google und andere Sozialmedien sind ein Teil von dem grossen Schema.

Lasst´s euch was einfallen, ...

wie Daten genauso bequem wie bisher, allerdings verschlüsselt durchs Netz gejagt werden können. Ist das nicht eine würdige Herausforderung?

Antworten Gast: he23
28.01.2012 01:49
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Re: Lasst´s euch was einfallen, ...

Ich nehm schon stark an, dass einige Leute die Daten geschickt verschlüsseln können, aber was nützt das dem Normalbürger?
Was ist wenn man damit ein Instrument schafft,
das später gegen die Bürger eingesetzt werden
kann. Und wozu außer gegen Raubkopierer soll das gut sein?
Selbst der dümmste Terrorist, der nicht verschlüsselt schreibt sicher Mails nicht in Deutsch oder BusinessEnglish ;-)
Wieviel Menschen bräuchte man um diesen Datenmüll einmal zu interpretieren :-[
Parser sind auch sinnlos, weil sich InternetTrends und Platttformwn und die Kommunikationsprotokolle auch alle 3-7 Jahre sehr stark auf OSI Schicht 7 ändern. [IP bleibt IP,
TCP,UDP, HTTP nicht, aber HTML, SOAP, UTF- encoding, schon mehr, und ganz oben am meisten]

Re: Re: Lasst´s euch was einfallen, ...

Wieso immer gleich schlechtreden, wie zB mit der Frage: "Und wozu außer gegen Raubkopierer soll das gut sein?"

Schauen wir uns doch die positiven Eigenschaften eines anonymen Agierens an. Selbst die ARGE Daten bezieht sich darauf: http://bit.ly/nk74Qs

Und wenn es um Geld geht, geht ohne Verschlüsselung ohnehin nichts.

Gesellschaftlich wertvoll sind auch kritische Äußerungen oder Veröffentlichungen wie unter wikileaks. Doch selbst wenn ich nun als Gast meine Meinung hier kundmache gibt es für so manche die Möglichkeit - wenn sie das wollen - heraus zu finden, wer sich hinter derlei "anonymen" Aussagen versteckt. Und mit den angestrebten Gesetzen wird das für (unabhängige wie im Auftrag von Partikularinteressen agierende) Behörden nur noch leichter, diese Verknüpfungen herzustellen (siehe Tierschutzprozess ...). Insofern sollte der Zugang zu ausreichend gesichertem anonymen Netzzugang gewährleistet sein.

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Re: Re: Re: Lasst´s euch was einfallen, ...

Lieber arno-graz, ich meinte das polemisch und wollte damit ausdrücken, dass mit VDS ein Instrument geschaffen wird, dass in auch in Zukunft in unruhigen Zeiten gegen die Bürger selbst eingesetzt werden kann.
Österreich ist derzeit ein Rechtsstaat, aber es gibt keine Garantie, dass NIEMALS in Krisenzeiten dieses Instrument gegen die Bürger selbst mißbraucht werden könnte oder (nicht extreme) Randgruppen eingesetzt wird.

Antworten Antworten Antworten Gast: he23
29.01.2012 20:24
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Re: Re: Re: Lasst´s euch was einfallen, ...

Lieber arno-graz, das war etwas polemisch ausgedrückt.
Ich meinte damit, dass Mafiosi, Terroristen viel leichter mit Geld und internationalen connections ihre Daten veschlüsseln können, als der Otto-Normalverbraucher Staatsbürger.
Somit ist VDS eigentlich nur ein Instrument gegen Delikte der Normalbrürger, Neonazis, gewisse Ponographie lassen sich damit zugegeben auch ausfindig machen. Es wird damit aber auch ein Instrument geschaffen, wo der Normalbürger leicht bespitzelt werden kann.
Österreich ist derzeit ein Rechtsstaat, aber wer gibt mir die Garantie, dass das immer so bleibt und NIE jemand dieses Instrument in kritischen Zeiten gegen eine bestimmte Personengruppe (sexuelle orientierung, Religiöses Bekenntnis, Parteizugehörihkeit) mißbraucht. Deswegen bin ich gegen VDS.

Demo in Wien?

Gibt es dazu auch eine Demonstration in Wien?

Antworten Gast: InvisibleMan
26.01.2012 11:05
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Antworten Gast: kame
26.01.2012 10:24
2 1

Re: Demo in Wien?

ich weiß es selbst noch nicht (gehe aber davon aus), aber mein Tipp: @anonAustria auf twitter folgen!

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