Vorratsdaten: Was Provider in sechs Monaten speichern

SERIEErmittler können ab nächster Woche in Daten zu Telefonaten, SMS und Standorten schmökern. Daraus entstehen erstaunlich detaillierte Profile.

Vorratsdaten Provider sechs Monaten
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Vorratsdaten Provider sechs Monaten
(c) REUTERS (� Tobias Schwarz / Reuters)

Ab 1. April müssen Provider in Österreich sechs Monate lang die Verbindungsdaten ihrer Kunden speichern. Ermittler können im Fall der Fälle auf diese Daten zugreifen. Aus Vorratsdaten eines halben Jahres lässt sich viel schließen und mit ein wenig Kombinationsgabe sogar ein detailliertes Profil des persönlichen Beziehungsgeflechtes aufdecken. 

Sechs Monate, mehr als 35.000 Verbindungen

2009 hatte der deutsche Politiker Malte Spitz (Grüne) die über ihn gespeicherten Daten bei der Deutschen Telekom beantragt. Damals war die Vorratsdatenspeicherung in Deutschland bereits Gesetz - mittlerweile wurde die Regelung wieder gekippt. Die Telekom verweigerte Spitz die Auskunft, er musste Klagen und erhielt schließlich Recht. Das Ergebnis: Eine Tabelle mit mehr als 35.000 Verbindungen. Sein Handy meldete sich alle zehn Minuten bei einer Funkzelle an und gab damit seinen ungefähren Standort preis. Seine Bewegungen in dem Zeitraum wurden zu 78 Prozent erfasst. Wo sich der Politiker in den sechs Monaten überall aufhielt, zeigt eine interaktive Grafik von Zeit Online und OpenDataCity eindrucksvoll. 

Vorratsdatenspeicherung auch im Ausland 

Zusätzlich sehen die Ermittler in den Daten aber auch alle ein- und ausgehenden Anrufe und SMS inklusive Telefonnummer und die Zeit, die im Internet verbracht wurde. Inhalte, wie Gespräche und Texte, werden nicht gespeichert. Dennoch lässt sich daraus so einiges lesen. Zum Beispiel, wo sich Malte Spitz zum Zeitpunkt einer konkreten Demonstration aufhielt und mit wem er telefonierte. Aus der Häufigkeit und Dauer von Telefonaten mit bestimmten Nummern lassen sich sogar Beziehungen analysieren. Werden die Daten mit Daten anderer Internetdienste verbunden, wird das Bild noch genauer. Infrage kommen insbesondere Twitter, Blogs oder öffentliche Fotonetzwerke wie Flickr. Als Malte Spitz etwa im Dezember 2009 seine Heimat Frankfurt am Main verlässt, schreibt er auf Twitter von seinem Winterurlaub. Über die Feiertage kann dann kein Standort mehr ermittelt werden - Spitz ist im Ausland. Aber auch dort werden zumindest die Verbindungen (Anrufe, SMS, Internet) registriert.  

A1 würde Daten an Kunden nicht herausgeben

In Österreich sind Provider wie in Deutschland dazu verpflichtet, auf Anfrage eines Kunden alle über ihn gespeicherten Daten herauszugeben. Malte Spitz musste dennoch zuerst klagen, bevor er seine Vorratsdaten erhielt. In Österreich könnte das auch notwendig sein, wenn man einen Blick auf seine Vorratsdaten werfen möchte. Auf Anfrage von DiePresse.com antwortet A1 mit einem "eindeutigem NEIN". Auf Vorratsdaten dürfe nur auf Anordnung der Staatsanwaltschaft zugegriffen werden, auch A1 selbst dürfe die Daten intern nicht ansehen. Auch bei T-Mobile wäre eine solche Anfrage nicht möglich, hieß es auf Nachfrage. Kunden könnten sich lediglich an die Datenschutzkommission wenden, um zu erfahren, welche Daten gespeichert würden und wie diese verarbeitet werden. 

Serie Vorratsdatenspeicherung

Ab 1. April 2012 müssen Internet-, Telefon- und Mobilfunkbetreiber alle Verkehrsdaten ihrer Kunden verdachtsunabhängig sechs Monate lang speichern. DiePresse.com informiert bis dahin mit einer Serie über die umstrittene Vorratsdatenspeicherung und ihre Auswirkungen.

(sg)

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