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EU-Politiker: "ACTA ist tot"

04.05.2012 | 12:48 |   (DiePresse.com)

Die SPÖ-Mandatarin Evelyn Regner erklärte, der umstrittene Vertrag sei am Ende. Auch Kommissarin Kroes sieht ihn gescheitert. Eine Abgabe auf Internetanschlüsse statt Festplatten wird angedacht.

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Ein modernes Urheberrecht, das digitalen Ansprüchen genügt, neue Formen von Partizipation sowie die Zusammenführung von nationalstaatlicher wie europäischer Ebene angesichts netzpolitischer Herausforderungen: Bei der heute, Freitag, startenden Tagung "Das Recht auf Wissen" nehmen sich SPÖ, SPD und Vertreter der Sozialdemokraten im EU-Parlament (S&D) eines breiten, aber brandaktuellen Themenkomplexes an. Schließlich habe die kontrovers geführte Diskussion um das Anti-Piraterie-Abkommen ACTA gezeigt, "dass das Thema Internet nicht nur junge und netzaffine Menschen betrifft, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist", wie SPÖ-Kultursprecherin Sonja Ablinger bei einer Pressekonferenz betonte.

Gemeinsam mit Lars Klingenbeil, dem netzpolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, sowie der SPÖ-Europamandatarin Evelyn Regner stellte sie am heutigen Vormittag drei Eckpunkte für eine progressive Netzpolitik vor. Dabei sollen einerseits das Urheberrecht und neue Nutzungspraktiken versöhnt, andererseits die Position des Urhebers durch ein Urhebervertragsrecht gestärkt und schließlich verwaiste Werke zugänglich gemacht werden. "Es gilt, die Chancen der Digitalisierung zu nützen", so Ablinger.

Abgaben auf Internet statt auf Festplatte

Besonders angesichts der laufenden Urheberrechtsdiskussion müsse man an einem "Interessensausgleich zwischen Nutzern, Kreativen und Verwertern respektive Investoren" interessiert sein und wieder Balance in die "in Schieflage" geratene Debatte bringen. "Wir wollen das Urheberrechts keinesfalls abschaffen, aber die gegenwärtigen Regelungen spiegeln nicht die Möglichkeiten des Netzes wieder", betonte die Kultursprecherin. Skeptisch äußerte sie sich hingegen zu der von Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) vor kurzem aufs Tapet gebrachten Abgabe auf Festplatten. "Es stellt sich die Frage, ob Abgaben auf Internetanschlüsse nicht sinnvoller wären."

ACTA nicht demokratisch legitimiert

Zum Thema verwaiste Werke stellte Regner noch für dieses Jahr erste Ergebnisse auf europäischer Ebene in Aussicht. "Wir sind da sehr konkret unterwegs, aktuell gibt es Verhandlungen mit dem EU-Rat." Man müsse diesbezüglich "praktikable Lösungen" finden und auch die gesetzgeberischen Möglichkeiten auf nationaler Ebene nutzen - stets unter der Bedingung einer breiten Diskussion. Denn gerade ACTA sei ein Beispiel dafür gewesen, "wie es demokratisch legitimiert nicht geht", hätten die Verhandlungen doch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden. "ACTA ist tot", betonte Regner. "Das EU-Parlament hat zwar noch nicht definitiv darüber abgestimmt, aber die Zeichen stehen gut dafür."

Auch die für digitale Medien zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes geht davon aus, dass das in vielen Ländern umstrittene Anti-Piraterie-Abkommen ACTA nicht mehr kommen wird. In einer Rede vor Bloggern und Unternehmern in Berlin sagte sie nach Angaben der EU-Kommission am Donnerstag: "Wir werden wahrscheinlich eine Welt ohne SOPA ("Stop Online Piracy Act") und ohne ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) haben. Wir müssen Lösungen finden, um das Internet zu einem Ort der Freiheit, Offenheit und Innovation für alle Bürger machen."

Neues Urheberrecht nicht vor 2014

Das 2005 in Deutschland eingeführte Urhebervertragsrecht "hat sich zwar als nicht ganz bissfest herausgestellt", sei derzeit aber in Evaluierung und in entsprechend adaptier Form auch hierzulande notwendig, ist sich Ablinger sicher. Gerade ein Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschafter, angemessene Vergütung oder neue Regulierungsstellen wären jedenfalls anzudenken. Vor 2014 sei mit einer möglichen Umsetzung allerdings nicht zu rechnen. Klingenbeil forderte wiederum eine Flexibilisierung für die Verwendung von geschützten Werken für die Bereiche Bildung, Wissenschaft und Forschung. Und: "Der alltägliche Gebrauch des Netzes muss entschärft werden."

(APA)

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9 Kommentare
Gast: Linker Pirat
24.05.2012 19:55
0 0

Jetzt werden...

...sich die blaunen Kampfposter auf die Linken stürzen, nur weil eine, statt auf dem Niveau eines rot-grünen, sich auf das von blaunen Antipiraten herablässt.

Wie wäre es stattdessen mit einer Abgabe je 1000 versandter Emails?

Jeder genervte Nutzer wäre einverstanden, wenn die ewige Spamerei aufgrund der Kosten endlich ein Ende hätte...

Antworten Gast: Ausgebremster
05.05.2012 05:48
0 0

Re: Wie wäre es stattdessen mit einer Abgabe je 1000 versandter Emails?

e-mail besteuern!

Ganz besonders auch firmeninterne e-mails!

Das wäre ein grosser Beitrag zur Steigerung der Produktivität durch Verkleinerung der e-mail-Flut.

1 EUR pro e-mail würde schon einen positiven Lenkungseffekt bringen.

Gast: gasti
04.05.2012 16:30
7 0

Abgaben auf Internet statt auf Festplatte

die spö ist schon im sozi-delirium

Bravo SPÖ - immer neue Abgaben...

Nicht mal im Mittelalter als Leibeigener hat man prozentuell so hohe Abgabe wie heutzutage gezahlt!

Mich würde es nicht wundern, wenn die EU auch gegen den Willen der Bevölkerung ACTA noch durchpresst.

Gast: mens sana
04.05.2012 15:38
0 0

ACTA is not dead

... aber Frau Regner braucht eine Nachdenkpause. Die wird man ihr gewähren.

Spätestens wenn das Gutachten des EuGH vorliegt, dass ACTA in keinem Punkt über das bereits bestehende EU-Recht hinausgeht, wird sich die Diskussion erübrigen.

Gast: *invalid name*
04.05.2012 15:17
1 0

Zecken

Was bitte soll an einer Abgabe pro Anschluss sinnvoller sein als pro Festplatte? Das ist doch beides nicht rechtzufertigen.

Hier geht es doch bitte ganz einfach darum, dass diese Verwertungsgesellschaften ihre liebgewonnene Leerkassettenvergütung ins digitale Zeitalter hinüberretten.
Verwertungsgesellschaften saugen zeckengleich sowohl Künstler als auch Konsumenten aus - und as am Liebsten gleich mehrmals über geringe Gagen, überhöhte Preise und div. Abgaben.

Und auch hier sollen anscheinend alle wieder mehrmals zur Kasse gebeten werden, denn - so würde ich diese Leute einschätzen - diese "Abgabe" würde vermutlich Heiminternetanschlüsse, mobile Internetzugänge und (Smartphone-) Tarife betreffen....

Aber offensichtlich verdienen diese "Verwerter" damit so gut, dass sie sich problemlos div. Politiker für ihre Zwecke einspannen können.

Gast: Gast8900
04.05.2012 13:41
8 0

ACTA ist tot

das glaube ich erst, wenn es bei der Abstimmung dann auch wirklich abgelehnt wird und die Mehrheit mit Nein stimmt

bis jetzt bin ich davon überzeugt, dass das Abkommen in einer Nacht- und Nebelaktion durchgewunken wird

am besten wäre wirklich eine Abgabe auf den Anschluss, und nur der, der was veröffentlicht muss sich darum kümmern ob er die Rechte hat oder nicht, es kann doch nichts ein, dass jeder Internetuser jede Seite untersucht, was jetzt eine Urheberrechtsverletzung ist und was nicht

Re: ACTA ist tot

Was ACTA betrifft, sind wir einer Meinung.
Was die Abgabe auf Internetanschlüsse betrifft, nicht. Denn die gibt´s schon. Heisst Mehrwertsteuer.

Ansonsten bitte richtig: Abgabe auf Bildschirme, ich kann mir darauf gestohlene Inhalte ansehen. Und auf die Brille, durch die ich durchsehe. Und das Hörgerät für die runtergeladene Musik.
Und die Turnschuhe die ich brauche, um die DVD-Rohrlinge heimzubringen.
Und die Luft, die ich während des Downloads einatme. Benötigten Strom bitte nicht vergessen. Und die PC-Lüfter.
Je länger die Liste, desto besser das Geschäft.