Urheberrecht: „Keine Kriminalisierung des privaten Nutzers“

04.05.2012 | 18:10 |  ULRIKE WEISER (Die Presse)

Justizministerin Beatrix Karl und Kulturministerin Claudia Schmied versprechen eine Urheberrechtsreform in dieser Legislaturperiode. Abgesehen von einer Abgabe auf Festplatten ist vieles aber noch unklar.

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Sie haben fast gleichzeitig eine Urheberrechtsreform angekündigt. Warum jetzt? Probleme gibt es schon lange.

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Beatrix Karl: Die Diskussion hat zuletzt sehr an Dynamik gewonnen. Das Urheberrecht ist durch das Internet an seine Grenzen gelangt.
Claudia Schmied: Es war keine Spontanaktion. Unsere Ministerien arbeiten schon länger sehr konstruktiv im Rahmen der interministeriellen Arbeitsgruppe zusammen.


Eine der zentralen Forderungen ist eine Festplattenabgabe. Die gibt es bereits, wenn auch nicht als Gesetz. Die Verwertungsgesellschaft Austro Mechana verlangt sie seit 2010, seitdem wird auch vor Gericht gestritten. Will man der Austro Mechana beispringen?

Schmied: Man hat sich 1980 entschlossen, die Leerkassettenabgabe einzuführen. (Anm.: Abgabe auf leere Kassetten an Verwertungsgesellschaften dafür, dass man darauf Lieder von Künstlern vervielfältigen darf). 2005 betrugen die Einnahmen 17,6 Mio. Euro, 2011 waren es acht Millionen. Wenn ich die Grundhaltung der Leerkassettenabgabe akzeptiere, sich aber die Technologien ändern, ist es naheliegend, rechtlich mitzuhalten.

 

Die Festplatte ist anders als die Kassette multifunktional. Man speichert nicht nur Lieder, Filme, sondern auch die eigene Arbeit, eigene Fotos.

Karl: Natürlich wird die Festplatte auch anders genutzt, aber sie ersetzt die Leerkassette. Mit der Leerkassettenvergütung hat man einen Interessenausgleich gefunden. Für die Abgabe wurde das private Kopieren von Musik erlaubt. Die Abgabe soll den neuen Nutzungsgewohnheiten anpasst werden: Ich zahle eine Pauschale. Dafür kann ich herunterladen. Ich habe dann als privater Nutzer Rechtssicherheit und weiß, dass ich urheberrechtlich nichts zu befürchten habe.


Ist das so zu verstehen, dass es legal ist, wenn ich im Netz, ohne zu zahlen, ein Lied oder einen Film herunterlade?

Karl: Es geht uns nicht um die Kriminalisierung des privaten Nutzers. Uns geht es um den gewerbsmäßigen Gratisdownload.


Funktioniert das ähnlich wie die Kultur-Flatrate - mit dem Unterschied, dass man für die Hardware und nicht für den Internetanschluss zahlt?

Schmied: Die Festplattenabgabe ist eine Pauschalabgabe.

 

Was erfasst die Abgabe? Eine Festplatte ist überall: Tablets, Telefon.

Karl: Das muss man noch konkretisieren. Aber wir wollen die künftige technologische Entwicklung mitnehmen. Wir wollen uns nicht in einem Jahr wieder zusammensetzen, weil die Festplatte veraltet ist.


Wie wird das Geld verteilt? Nach Klicks?

Schmied: Es ist eine Pauschalabgabe, wir wollen das Internet nicht „kontrollieren", sondern die Nutzung rechtlich regeln und gleichzeitig Vergütungsmöglichkeiten für Urheber schaffen. Bei der Leerkassettenvergütung funktioniert das: 50 Prozent der Einnahmen, die über Abgaben lukriert werden, werden für soziale, kulturelle Zwecke verwendet, 50 Prozent werden an die Urheber ausbezahlt. Die Verteilung unter den Künstlern erfolgt nach vertraglichen Vereinbarungen.

Und wie hoch soll die Abgabe sein? Derzeit sind es bis zu 36 Euro.

Karl: Das ist noch zu früh.


Haben Sie selbst schon einmal etwas heruntergeladen?

Karl: Ich wüsste nicht.
Schmied: Ich wüsste auch nicht.

 

ÖVP-Klubobmann Kopf hat das Positionspapier der SPÖ zur Netzpolitik als „Aufruf zum Rechtsbruch" bezeichnet. Was stört die ÖVP?

Karl: Klar ist: Freiheit im Internet ist nicht rechtsfreier Raum. Man hat häufig den Eindruck, dass alles, was Urheberrecht betrifft, als unmodern betrachtet wird.

 

Frau Minister Schmied: Sind die Positionen der SPÖ-Netzpolitik auch Ihre?

Schmied: Es handelt sich dabei um ein SPÖ-Diskussionspapier, jetzt gilt es im Dialog zu einem fairen Interessenausgleich für alle zu kommen.


Die Urheberrechtsreform wird nicht in der Abgabe allein bestehen. Was soll sonst noch kommen?

Karl: Es braucht ein ganzes Paket. In Deutschland gibt es gerade eine Debatte um ein Leistungsschutzrecht für Zeitungsverlage. Wir schauen uns das deutsche Modell an. Ein weiteres Thema wird die Cessio legis im Filmurheberrecht sein. Da gibt es ein Urteil des EuGH (Anm: Das Urteil hat die heimische Rechtslage, wonach alle Verwertungsrechte dem Produzenten zustehen, verurteilt).

 

Das SPÖ-Papier spricht sich gegen ein Leistungsschutzrecht für Zeitungsverlage aus.

Schmied: Es gibt hier kein klares Ja oder Nein. Es gibt ein klares Ja zu einem Gesamtpaket in der Legislaturperiode. Wir werden uns mit allen Beteiligten zusammensetzen.


Frau Minister Karl, Sie wollen Rechtsinstrumente, um im Internet Ansprüche bei Urheberrechtsverletzungen durchzusetzen. Welche?

Karl: Da geht es um illegale Tauschbörsen. Oft hat ein Urheber einen Anspruch, kann ihn aber nicht durchsetzen, weil er die Identität des Täters nicht kennt. Da brauchte es einen Auskunftsanspruch gegenüber dem Provider. Da kommen aber datenschutzrechtliche Erwägungen ins Spiel. Diese Schnittstelle - Datenschutz, freier Zugang zum Internet, Urheberrecht - ist schwierig.
Schmied: Auch hier müssen wir noch viele Gespräche führen. Niemand will ein Big-Brother-System. Darum gefallen mir die Pauschalabgaben.


Wie stehen Sie denn zu Acta? Das Abkommen ist derzeit in Warteposition.

Schmied: Ich finde es gut, dass es noch Raum für Diskussion gibt.
Karl: Ich sehe Acta positiv. Es geht, was Schutzstandards betrifft, nicht über europäischen Rechtsbestand hinaus. Der größte Nutzen ist, dass unser Verständnis von Schutz geistigen Eigentums in Entwicklungsländer exportiert wird.


Wenn Acta nichts ändert, warum gab es dann so viele Proteste?

Karl: Es gab viele Fehlinformationen. Es wurde so getan, als würde der private Nutzer kriminalisiert.

 

Copyright hat bei Jungen ein schlechtes Image. Wie will man das ändern?

Schmied: Wir müssen breit diskutieren.
Karl: Menschen denken bei Eigentum an Haus, Grund. Man muss betonen, dass hinter geistigem Eigentum kreative Leistung steckt, von der Menschen leben wollen.

 

Lexikon

„Legaler“ Download: Darf man Lieder oder Filme für den Privatgebrauch einfach so herunterladen? Dem Urheberrechts-Spezialisten Thomas Höhne zufolge ist das „eine rechtliche Grauzone“. Höchstgerichtliche Entscheidungen fehlen.

Leerkassette – Festplatte: Die alte Leerkassettenabgabe soll nur private Kopien von legal erworbenen Liedern abgelten. Wenn man heute im Internet etwas herunterlädt, ist das komplizierter: Denn die meisten Lieder oder Filme befinden sich dort illegalerweise. Der Upload (= Zur-Verfügung-Stellen eines Werks) steht nämlich nur dem Urheber zu.

Leistungsschutzrecht für Verlage: Hier geht es um einen Schutz für Verlage gegen die kommerzielle Nutzung von beispielsweise Zeitungsartikeln durch Dritte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2012)

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Lesen Sie hier weiter zum Thema:

  • EU-Politiker: "ACTA ist tot"

    Bild: (c) REUTERS (Lisi Niesner) Die SPÖ-Mandatarin Evelyn Regner erklärte, der umstrittene Vertrag sei am Ende. Auch Kommissarin Kroes sieht ihn gescheitert. Eine Abgabe auf Internetanschlüsse statt Festplatten wird angedacht.

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64 Kommentare
 
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Ohne Worte

Schmied hat - oh große Überraschung - keine Ahnung von der geltenden Rechtslage. Deshalb für die Frau Ministerin zum mitschreiben:

Es ist - Leerkassettenvergütung hin oder her - NICHT legal, x-beliebige Sachen herunter zu laden. Die Leerkassettenvergütung soll nämlich gerade nur dann greifen, wenn die Vervielfältigung legal...IST. Es ist also exakt anders herum, wie die Frau Ministerin glaubt. Nicht die Leerkassettenvergütung macht den download legal, sondern die Leerkassettenvergütung soll das abgelten, was bereits legal ist.

Anders formuliert: illegaler download bleibt illegaler download. Leerkassetenvergütung hat damit überhaupt nichts zu tun.

inkompetente politiker

die beiden sind ja wohl irgenwann im letzten jahrtausend stehen geblieben.

bitte gesellt euch zu den sauriern und nehmt die austromechana gleich mit.

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Die disqualifizieren sich selbst.

Alleine schon mit der Aussage "illegale Tauschbörsen" outen sich die beiden als völlige Inkompetenzler.
Die Tauschbörsen sind genausowenig illegal wie Webbrowser & Co.. Illegal ist lediglich ein Teil der Sachen die sowohl mit den einen wie auch den anderen Tools kopiert werden.

Gast: Diese Rechte Wixer Partie hat lange genug fürs
06.05.2012 08:42
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NICHTS TUN SEHR VIEL GELD BEKOMMEN NUR

weils was besseres sind!

36Euro zur Zeit

Wenn das mal keine grenzenlose Frechheit ist!

???

wie kann jemand über download sprechen der noch nie was geladen hat ????

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Kriminalisierung des privaten Nutzers

Wenn es ihnen angeblich nicht um die Kriminalisierung des privaten Nutzers geht, dann brauchen sie aber keine zusätzlichen Rechtsinstrumente, um im Internet Ansprüche bei Urheberrechtsverletzungen durchzusetzen. An kommerzielle Anbieter wie Megaupload kommt man auch so.

Unter "gewerbsmäßigem Gratisdownload" verstehen sie aber nicht nur diese kommerziellen Anbieter sondern z.B. auch die genannten Tauschbörsen.

Das bedeutet im Klartext dass wir die Pauschale für etwas zahlen müssen was wir aber dennoch nicht dürfen, weil wir sonst riskieren willkürlich als "gewerbsmäßige Gratisdownloader" kriminalisiert zu werden.

Die Anwälte der Contentmafia stehen schon dankbar in den Startlöchern um ein Abmahnunwesen nach deutschem und amerikanischem Vorbild loszutreten.

Gast: Wirtschaftler
05.05.2012 19:34
5 0

Was mich immense stört:

Auch ich bin seit vielen Jahren Urheber von Ton-und literarischen Werken. Viele davon kommen unter die Leute. Okay, bei vielen bin ich einverstanden. Aber mich stört, dass die lieben Leistungsgesellschaften auch für mich Geld einheben, ohne dass ich mit ihnen jemals einen Vertrag abgeschlossen habe. Sie kassieren nur in meinem Namen und legen keine Rechnungen.
Ich finde, dass sind kriminelle Organisationen, die sich Leistungen anderer ohne deren Wissen unter den Nagel reißen, das Geld der Urheber verludern und dann, wenn man anklopft, von nichts wissen oder nichts wissen wollen. Meine lieben Ministerinnen, hier müsst ihr anpacken, nicht beim privaten Nutzer, denn der ist harmlos.
So wird z.B. bei musikalischen Veranstaltungen im Namen aller Künstler eine Pauschale eingehoben, von der nur ein sehr kleiner Teil ihren eigenen vertraglichen Künstlern zukommt. Das andere Geld- der größte Teil - verschwindet, und kommt nicht den ihnen nichtvertraglichen Künstlern zugute, obwohl diese Urheber der meisten musikalischen Stücke sind. Rechnung für diese gibt es auch keine, das Geld ist weg...( wie beim Elsner).
Hier gehört eine neue gerechte Regelung, und nicht eine, wo sich die Leistungsgesellschaften auf Kosten fremder Urheber selbst bereichern.
Das ist eine kriminelle Vorgangsweise!!!! und wird auch noch behördlich unterstützt. Wahnsinn !!!!

Gast: R3alist
05.05.2012 18:34
4 0

Urheberrecht != Copyright

Ich bin schockiert, dass eine Justizministerin den Unterschied zwischen Urheberrecht und Copyright nicht kennt.

Die Festplattenabgabe ist überhaupt eine Augenauswischerei, denn der Gratis-Download wird dadurch sicher trotzdem nicht legal!
Wenn man Musik oder Filme rechtmäßig erworben hat, steht es ohnehin jedem zu, privat für den Eigengebrauch Kopien zu speichern. Warum soll man dafür noch einmal bezahlen müssen?

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Re: Urheberrecht != Copyright

Für die Sache ist es aber egal ob Urheberrecht oder Copyright. Es geht ja nicht darum wie jemand zum Verwertungsrecht kommt, sondern wie die Nutzung an den zur Verwertung Berechtigten abgegolten wird.

Gast: matt03
05.05.2012 16:02
4 0

Aha

Das Muffensausen vor den Piraten hat schon begonnen ;-)

Gast: Analyst 829
05.05.2012 15:28
2 0

Sicher vor der Urheberrechtsmafia ist man nur im urheberrechtsmafiafreien Iran

Die Urheberrechtsmafia wie z. B. Musiklabels geben praktisch nichts von einer verkauften CD an einen Musiker weiter. Der bekommt im Durchschnitt gerade mal 0,2 % vom Verkaufserlös, den Rest zockt die Urheberrechtsmafia, der Handel und der Staat via Steuern ab.

Es ist also logisch, dass Musiker ihre Musik lieber gegen eine Spende zum Download anbieten als mit der Musikmafa Verträge einzugehen.

Das mit dem Privaten und der Nutzung ist so eine Sache, denn die Urheberrechtsmafia kommt sofort mit Millionenklagen, wenn sich ein Banner auf einer privaten Seite findet und ein angeblich urheberrechtlich oder markenrechtlich geschützter Begriff. Ein Banner macht angeblich aus einer privaten Seite eine gewerbliche Seite! Das ist objektiv gesehen Unsinn, aber eben die Argumentation der Urheberrechts- und Markenmafia.

Damit die Menschen allgemein in Österreich wohlhabend werden können, muss man Monopole zerstören und nicht verhindern. So sollte z. B. der Nachbau von Markenprodukten, so es dem Käufer bekannt gemacht wird, dass es sich um kein Original handelt, erlaubt werden. Diese Regelung sollte für Marken mit einem Wert von über 10 Millionen Euro gelten, wodurch die Monopolbildung unterbunden wird und die Freiheit der Menschen und damit langfristig auch ihr Wohlstand gestärkt wird.

Was SPÖ und ÖVP machen, ist immer wieder zu versuchen Monopole zu zementieren. So ist es kein Zufall, dass der E-Control die Gelder unter der SPÖVP gekürzt wurden, damit Landesgesellschaft mehr abzocken!

0 1

Re: Sicher vor der Urheberrechtsmafia ist man nur im urheberrechtsmafiafreien Iran

Die Leute, die so für die Freiheit sind, sollen sich selbst etwas einfallen lassen und selbst alles der Allgemeinheit schenken. Wenn sie dabei produktiv genug sind, sind die bösen, die Geld für ihre Einfälle haben wollen schnell machtlos.

Also einfach selbst die Ideen haben und andere damit verdrängen.

Aber nur billig kopieren wollen weil einem selbst nichts einfällt ist ein mattes Argument.

Wir haben Minister die eine Lösung für etwas finden wollen

von dem sie wenig verstehen. Mit dem sie wenig zu tun haben.
Da wird halt wenig herauskommen!

0 1

Re: Wir haben Minister die eine Lösung für etwas finden wollen

Es ist auch nicht nötig, dass sich eine Ministerin beispielsweise daheim verprügeln lassen muss um sachkundig für ein Gesetz gegen häusliche Gewalt zu sein.

Antworten Gast: yamo
05.05.2012 14:52
0 4

Vllt. ist das der Grund

warum sie noch viele Gespräche führen wollen?

Aber egal, die dümmsten in der Politik sind immer noch, und mit großem Abstand, die Stammtisch- und Forenkommentatoren.

Re: Vllt. ist das der Grund

Warum kommentieren Sie dann?

Gast: Nicht Vergessen!
05.05.2012 14:19
2 0

GiS!

Mit dem neuen Gesetz wurde jeder PC zu einer Fernsehempfangsanlage die Gebührenpflichtig ist, sehr viel Geld, vor allem dann wenn Mensch nicht Glotz, aus Prinzip, aus Haß zu Hollywood, Sportübertragungen nur als wiederwertig Empfinden etc...

Ja und für manche moderne Familien und deren Kinder bedeutet die Abgabe, auch Verzicht, meist wird wohl das KinoGeld gestrichen, geht noch am leichtesten wenn die Kids Bücher lieben!

(Letzteres ist die größte Katastrophe angesichts der permanent schlechten Pisa Ergebnisse, anstatt anreize für Fernsehfrei Haushalte zu schaffen, werden sie Erzwungen, Bildungspolitisch hirnrissiger geht's schon gar nicht mehr!)

1 1

Re: GiS!

Ich möchte ja nicht ätzend sein, aber Sie brauchen sich über schlechte Pisa-Ergebnisse nicht zu echauffieren.

4 0

Re.: "Da brauchte es einen Auskunftsanspruch gegenüber dem Provider. Da kommen aber datenschutzrechtliche Erwägungen ins Spiel. Diese Schnittstelle - Datenschutz, freier Zugang zum Internet, Urheberrecht - ist schwierig."


Das ist in der Tat schwierig -- und die schwarze Sozialistin Karl ist damit ebenso überfordert, wie ihr rotes Gegenüber Schmied.

Mit den ventilierten Überlegungen bekommt der redliche Bürger zweimal wider jede Vernunft zum Handkuß: Er soll für etwas bezahlen, was er niemals beansprucht, und zugleich werden Ermittlungsverfahren bei vermeintlichen Rechtsbrüchen zu seinem Ungunsten verbogen (Stw. ACTA und VDS).

Einmal mehr wird eine nichttriviale Thematik zum Lackmustest für die Politik. Mit den derzeit agierenden Politikern jedoch ist absehbar, sie würden es mit dem Bruch grundlegender Prinzipien nach allen Regeln der Kunst vergeigen.

10 1

Kabarettistenproblem

Eine Justizministerin, die ein totes Projekt positiv sieht - nekrophil?; Wortschöpfungen wie "gewerbsmäßigen Gratisdownload" (offenbar kann man von gratis ein Gewerbe betreiben) und "rechtsfreier Raum" - wo soll der sein? Im Internet gelten die Gesetze verschärft; Zwei Ministerinnen, die noch nie wissentlich das Internet benutzt haben; Die eh keine Mauer bauen wollen (Big Brother), aber halt die Maßnahmen gegen schweren Terrorismus (Vorratsdatenspeicherung) bei Filesharing einsetzen wollen; Die offenbar am Wesen der Niederhaltung von Innovation die Entwicklungsländer genesen lassen wollen (die überholen uns ohnehin schon eben weil sie sich wenig um Copyright scheren); Die das Leistungsschutzrecht, das für Zeitungen ohne Leistung eingeführt wurde, hoch halten, während die Erbringer der Leistung mit Klagen eingedeckt werden;

Ja wie soll ich denn dazu ein zynisches Posting verfassen? Das ist ja nicht zu toppen, das Duo ist unschlagbar alternativlos! Gegen solche Politikerinnen sollten doch die Kabarettisten auf die Barrikaden steigen, da geht doch niemand mehr in die Simpl Revue! Dagegen ist das Schweigen von Piratenpolitikern ein intellektuelles Highlight.

Antworten Gast: yamo
05.05.2012 14:55
0 2

Re: Kabarettistenproblem

Sie sind eben schlicht und einfach zu blöd dafür. Tut mir leid, aber das ist eine Tatsache.

Übrigens, man kann via Download-Portal Werbeeinnahmen lukrieren. Ungefähr so wie private Fernsehsender, da ist Zusehen auch gratis...

Aber wozu erkläre ich das, es sind sowieso alle dermaßen deppert dass alles umsonst ist.

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Re: Re: Kabarettistenproblem

Und Sie könnten sich auch ein Werbeplakat umhängen und so zur Arbeit gehen. Für die Arbeit werden sie nicht bezahlt.

Als Konsument können Sie entscheiden ob Sie etwas konsumieren wollen oder nicht. Sie können aber nicht entscheiden, was der Produzent dafür haben will.

Niemand wird so blöd sein und aufwendig Musik oder Filme produzieren, wenn niemand dafür bezahlen will.

Wenn also die Politiker glauben, sich bei der breiten - selbst einfallslosen - Masse beliebt machen zu müssen und daher das Urheberrecht wieder aufheben, dann wird nichts mehr produziert werden, das einigen Wert hat. Die tollen Verbreitungs- und Kopiermöglichkeiten nützen wenig, wenn nichts Neues zum Kopieren mehr nachkommt.

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Re: Re: Re: Kabarettistenproblem

"Die tollen Verbreitungs- und Kopiermöglichkeiten nützen wenig, wenn nichts Neues zum Kopieren mehr nachkommt. "

Diese Wette würde ich gerne eingehen. Ein Blick nach Bollywood zeigt, dass die Chancen gut für mich stehen. Die dortige Vielfalt schlägt die ehemalige Mafia-Hochburg Hollywood um Längen.

Aber eigentlich geht es ja nicht einmal um "gratis" oder "Abschaffung des Urheberrechts". Es geht um die Privatkopie und das Urheberrecht muss nur in gewissen Aspekten geändert werden, grundsätzlich ist es ja gut so wie es ist. Die Krux ist, dass jeder auch gut gemeinte Versuch, die Kommunikationskanäle zu überwachen, Menschenrechte zwangsläufig verletzt.

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Re: Re: Re: Re: Kabarettistenproblem

Es werden selbstverständlich keine Menschenrechte verletzt, wenn es unterbunden wird, dass urheberrechtlich geschütztes Material ohne Genehmigung der Rechteinhaber bereitgestellt wird. Das ist doch bitte absurd.

Mit der Privatkopie ist aber "selbst" gemeint und nciht die Verbreitung im privaten Kreis. Im privaten Kreis darf man das vorführen aber nicht als Kopie weitergeben.

Da es früher die Praxis war, dass eine gekaufte Kopie zu einer bestimmten Wahrscheinlichkeit auch zum Kopieren weitergegeben wurde, wurde die Cassettenabgabe eingeführt.

Man konnte damals schätzen, dass pro verkauften Tonträger beispielsweise eine Kopie erstellt wurde (ich kenne die Zahl nicht). Manche CD wurde sicherlich auch 50mal kopiert, aber dafür sehr viele nie. Das war also abzuschätzen und dieser Entgang wurde mit der Cassettenabgabe abgefangen.

Heute ist eine solche Urheberabgabe freilich absurd, weil es heute eben nicht möglich ist, die Vervielfältigung zu bändigen. Im Prinzip braucht nur einer die Datei oder eine CD kaufen und dann könnte die ganze Welt Kopien davon bekommen. Man muss es also billiger machen, aber dafür jede einzelne Kopie verrechnen. Eine andere Lösung gibt es nicht.

Und es hat sowieso jeder Urheber resp. Rechteinhaber die Möglichkeit, seine Arbeit zu verschenken. Bei Software passiert das ja, aber da füllen sich dann andere wieder die Taschen mit der kostenlos erbrachten Leistung. Beispielsweise Mozilla mit Firefox.

Gast: schlaubischlumpf
05.05.2012 12:54
0 0

ENTWICKLUNGSLÄNDER? Glatte Lüge!

Karls Aussage, dass damit Standards in "Entwicklungsländer" exportiert würden, entbehrt jeder Grundlage. Auf der folgenden Karte sieht man ganz gut die Unterzeichnerstaaten:

http://en.wikipedia.org/wiki/File:Anti-Counterfeiting_Trade_Agreement_map_%28English%29.svg

Entwicklungsländer sucht man hier (fast) vergeblich.

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bedeutet, hier sprechen Blinde über eine Gesetzgebung für Farben. Lässt leider nichts sinnvolles erwarten, denn die Zeit der Kassetenlösung (Kopie nur von gekaufter bzw. Leihkassete plus von Fernsehen) ist schon lange vorbei.

 
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