Facebook-Nutzer können in den kommenden Tagen über die Nutzung ihrer Daten mitentscheiden. Das weltgrößte Online-Netzwerk will seine Datenschutz-Richtlinie erneuern und stellte die Vorlage für eine neue Version zur Diskussion ins Netz. Eine wesentliche Neuerung ist, dass einige Informationen länger als bisher gespeichert werden könnten. Eine Wiener Studentengruppe, welche einen Rechtsstreit gegen Facebook wegen dessen ihrer Ansicht nach unausgegorenen Datenschutzes angestrengt hat, sah die Änderung zuerst als Teilerfolg, sieht die Neuerungen inzwischen aber als "Schritt zurück" an.
>>> Das vollständige Dokument samt Änderungen
"Wir werden Daten so lange einbehalten, wie dies erforderlich ist, um den Nutzern und anderen Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Diese umfassendere Verpflichtung gilt für alle Daten, die wir über Dich sammeln und erhalten, einschließlich Informationen von Werbetreibenden", hieß es in einer Erklärung von Facebook. Unter anderem Daten, die Facebook von Werbepartnern oder Spiele-Anbietern bekommt, können damit in einigen Fällen länger als die bisherigen 180 Tage aufbewahrt werden.
Weit weg von Grundsätzen des Datenschutzes
Die Wiener Facebook-Kritiker behaupten, Facebook würde durch die Änderungen versuchen, beanstandete Fehler zu legalisieren. "Besonders erschreckend ist, dass Facebook nun sagt, dass es 'Controller' von allen unserer Daten ist. Dieser kleine Satz heißt, dass alle Nutzer Datenschutzrechtlich enteignet werden, da nur noch Facebook entscheidet was mit unseren Daten passiert", wird auf europe-v-facebook.org behauptet. Neu ist tatsächlich ein Absatz auf Seite 14 des Dokument, in dem Facebook Irland als "the data controller responsible for your personal information" bezeichnet wird. Der Satz ließe sich auch so interpretieren, dass Facebook Irland die Verantwortung für die Abwicklung der Daten innehat. Sonst kommt das Wort "Controller" nirgends vor.
Max Schrems, Sprecher der Gruppe, bezeichnete Facebook als "weit weg von den Grundsätzen des Datenschutzes". Die Kritiker haben nun unter our-policy.org eine Art Pflichtenheft erstellt, das Facebook ihrer Ansicht nach erfüllen sollte. Die Gruppe hofft auf 7000 Erwähnung davon bei Facebooks Datenschutz-Vorschlagsseite, damit das Unternehmen die unter our-policy.org aufgezählten Punkte behandelt. Bis zum 18. Mai können Facebook-Nutzer auf dieser Seite ihre Meinung zu den Änderungen abgeben.
Frist zur Änderung ignoriert
Hintergrund für die Änderungen seien Auflagen der irischen Datenschutzbehörde, die in einem ersten Bericht vom 21. Dezember 2012 Facebook zu massiven Verbesserungen der Datenschutzrichtlinie aufgerufen hätte. Diese Verbesserungen hätten laut dem Bericht schon mit 31. März 2012 erfolgen sollen, Facebook hatte diese Frist aber bisher ignoriert. Der Bericht basiert auf 22 Anzeigen, welche von "europe-v-facebook.org" in Irland eingebracht wurden.
Zur neuen Richtlinie wird von Facebook erstmals sehr ausführlich dargestellt, welche Informationen Facebook über sogenannte Cookies bekommt - kleine Dateien, die Websites im Browser ablegen, um Nutzer wiederzuerkennen. Über die Verwendung von Cookies durch Facebook hatte es immer wieder zum Teil heftige Diskussionen mit Datenschützern gegeben.
Auch nach Löschung im System
In dem 14-seitigen Dokument wurden die alten und neuen Passagen zumindest auf Englisch zusammengeführt. Facebook bekräftigt, dass Werbepartner Informationen von Nutzern nach wie vor nur anonymisiert erhalten.
>>> Hintergrund: Die größten Privatsphäre-Baustellen bei Facebook
Zugleich werden die Mitglieder nun ausdrücklich darauf hingewiesen, dass einige Informationen auch im System bleiben können, wenn sie ihr Facebook-Konto löschen - wie etwa Nachrichten, die sie ihren Freunden geschickt haben.
Außerdem warnt Facebook, dass andere Nutzer Kopien von ihnen zugänglichen Daten wie etwa Bildern anfertigen können, über die man dann keine Kontrolle mehr habe. "Sie sollten deswegen Informationen nur mit Leuten teilen, denen Sie vertrauen", betont Facebook jetzt in der Richtlinie.
(Ag./db)
Facebook-Privatsphäre: Zehn Tipps für ein sicheres Gefühl




Galaxy S4 im TestLeise Kritik auf hohem Niveau
Technik-Experten-QuizKey Lime Pie zum Frühstück?
iOS 6Das neue Betriebssystem für iPhone und iPad
Wii UNintendo präsentiert Gamepad und Miiverse
Angry-Birds-FrustAlternativen für iPhone und Android